Frauen-WM 2023 - Die Gründe für das deutsche Fiasko: Alexandra Popp alleine in Topform reicht nicht

Deutsches Fußball-WM-Debakel reloaded: Die DFB-Frauen sind genau wie die Männer acht Monate zuvor in Katar krachend bei der Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland in der Vorrunde gescheitert. Dabei hatten sich die Vize-Europameisterinnen den dritten Stern zum Ziel gesetzt. Doch anstatt einer Welle der Begeisterung bleiben viele Fragezeichen. Die Gründe für das frühe Aus der DFB-Frauen.

Voss-Tecklenburg selbstkritisch: "Möchte keine Ausreden suchen"

Quelle: Perform

In der Stunde des Schmerzes griff Bernd Neuendorf zum Telefon und versicherte der traurigen Martina Voss-Tecklenburg seine Rückendeckung.
"Ich habe direkt nach dem Spiel mit der Bundestrainerin telefoniert. Gemeinsam werden wir diese Enttäuschung aufarbeiten", sagte Neuendorf dem "SID" nach dem historischen Vorrunden-Aus der deutschen Fußballerinnen bei der WM in Australien und Neuseeland.
Seine Koffer für die Reise zur K.o-Runde hatte Neuendorf schon gepackt - umsonst. Nach dem 1:1 (1:1) gegen Südkorea muss der zweimalige Weltmeister die Heimreise antreten.
Das Unentschieden gegen den großen Außenseiter war durch den überraschenden Sieg von Marokko gegen Kolumbien (1:0) zu wenig.

DFB-Team nach WM-Aus ratlos

"Das war nicht unser Anspruch", brachte Popp mühsam hervor. "Ich kann nicht verstehen, was hier gerade abgeht", bekannte sie ehrlich. Ihr viertes Turniertor (42.) reichte nach dem schnellen Schock durch Sohyun Cho (6.) nicht aus.
Statt dem kriselnden Verband nach drei herben Turnier-Enttäuschungen bei der A-Nationalmannschaft der Männer und dem Gruppen-Aus der U21 bei der EM wieder einen glanzvollen Sommer zu bescheren, ist das nächste Desaster perfekt.
Eurosport.de beleuchtet die Gründe für das frühe Aus der DFB-Frauen.
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Oberdorf deutlich: "Geht nicht um die Männer, geht nur um uns"

Quelle: Perform

Verletzungen/Abwehrschwäche

Gerade in der Abwehr schlug immer wieder das Verletzungspech zu. So fehlte Giulia Gwinn als Stammkraft, eine der Leistungsträgerinnen bei der EM.
Vor dem Turnier erlitt Carolin Simon einen Kreuzbandriss, Marina Hegering reiste angeschlagen mit, dann verletzten sich auch noch Felicitas Rauch und Sara Doorsoun.
Die Defensive konnte sich nie einspielen, die Instabilität merkte man nicht erst in Down Under. Außen verteidigten in Svenja Huth und am Ende Chantal Hagel zwei umgeschulte Kräfte. Die Personaldecke ist auf höchstem Niveau zu dünn.
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"Immer dasselbe": Fans stocksauer nach DFB-Debakel

Quelle: Perform

Harmlos Offensive/Spielaufbau

Überzeugte die DFB-Auswahl bei der EURO in England noch mit Powerpressing, offenbarte sich nun gnadenlos die Schwäche mit Ball.
Zu träge, zu unpräzise, zu zaghaft - für gegnerische Teams war das zu einfach zu verteidigen und auszurechnen. Überzeugende taktische Flexibilität? Fehlanzeige.
Das Stilmittel Dreierkette schlug fehl. In Sachen Torgefährlichkeit zeigte sich das Team trotz in der Theorie hoher Veranlagung zu abhängig von Alexandra Popp - bei der EM hatte sich das bereits angedeutet, als die Kapitänin das Team förmlich ins Finale getragen und dort dann verletzt gefehlt hatte.
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Frauen-WM: Alexandra Popp in Aktion - Südkorea vs. Deutschland

Fotocredit: Getty Images

Vorbereitung/Abstellungsstreit

Es ging schon denkbar schlecht los mit dem Zoff um die Abstellung der Bayern-Spielerinnen, die letzten Endes erst fünf Tage später in die WM-Vorbereitung in Herzogenaurach einstiegen.
Die Meisterinnen fehlten somit beim ersten von nur zwei finalen Testspielen direkt vor Turnierstart, das Länderspiel gegen Vietnam (2:1) war entsprechend ein Muster ohne Wert, es folgte ein Denkzettel in der Generalprobe gegen Sambia (2:3).
Die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg deutete in der Pressekonferenz nach dem WM-Aus an, womöglich habe man im vergangenen Halbjahr zu viel Rücksicht genommen auf die Belange der Klubs und in puncto Belastungssteuerung.
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Popp tief enttäuscht: "Benötigen Zeit, um das zu verarbeiten"

Quelle: Perform

Formschwäche/Druck

Keine Spielerin außer Popp und Nationaltorhüterin Merle Frohms präsentierte sich bei der WM konstant in starker Form, gerade im Mittelfeld blieb das bei der EM zurecht hochgelobte Trio Lena Oberdorf, Sara Däbritz und Lina Magull hinter ihren Möglichkeiten zurück. Nach der EM im Vorsommer, als das DFB-Team als Wundertüte galt, waren die Erwartungen eklatant gestiegen.
In Australien sollten Ausflüge zu Kängurus und Koalas sowie Sightseeing in Sydney deshalb für Lockerheit sorgen und das Teamgefühl stärken, das in der "Einöde" (Lena Lattwein) des Basislagers in Wyong offenbar nie so recht aufkam.
Es wirkt nicht, das Team verkrampfte, erst recht nach dem frühen Rückstand gegen Südkorea. Dem Druck auf einen Titelanwärter war der zweimalige Weltmeister nicht gewachsen, da hilft auch kein gehäkeltes Koala-Maskottchen.
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