FC Barcelona kauft lieber Neuzugänge: Der Mythos der Jugendakademie La Masia bröckelt

Der FC Barcelona hat in diesem Sommer bereits 237 Millionen Euro ausgegeben. Die eigenen Talente bekommen keine Chance oder verlassen den Klub frühzeitig. Die Abkehr von der seit Jahrzehnten proklamierten Philosophie ist ein schleichender, aber immer deutlich werdender Prozess. Auch Trainer Ernesto Valverde setzt lieber auf erfahrenere Spieler. Der Mythos der Vorzeige-Akademie La Masia bröckelt.

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Eine Milliarde einhundertachtzig Millionen Euro.
So viel gab La-Liga-Barça allein in den vergangenen sechs Jahren für Neuzugänge aus. Im aktuellen Kader stehen sieben einstige La-Masia-Talente, nur zwei davon sind jünger als 26 Jahre. 2013 stammten dagegen noch 17 (!) der 25 aus der eigenen Jugend.
Heute verpflichtet Barça sogar Backups - wie den 31 Jahre alten Kevin-Prince-Boateng im vergangenen Winter - anstatt den eigenen Talenten eine Chance zu geben. Klar, La Masia muss und kann nicht in jedem Jahr Spieler des Kalibers Lionel Messi oder Sergio Busquets hervorbringen, dennoch steckt das einstige Aushängeschild der Katalanen in der Krise. Die Gründe dafür sind mannigfaltig.

Barça-Talente sehen keine Perspektive

Ex-Coach Luis Enrique interessierte sich kaum für die hauseigenen Nachwuchshoffnungen. Er wollte physisch stärkere Spieler. Auch der aktuelle Trainer Ernesto Valverde gilt nicht als Jugend-Förderer. Jose Arronis von Eurosport Spanien sagt:
Passendes Beispiel: Jordi Alba ist aktuell der einzige Linksverteidiger im Kader der Blaugrana. Anstatt Juan Miranda hochzuziehen oder Marc Cucurella eine Chance zu geben, will Barça den U21-Europameister Júnior Firpo für rund 27 Millionen Euro kaufen.
Die Durchlässigkeit der Top-Talente in die Profi-Mannschaft sank in den vergangenen Jahren immer weiter. Viele Spieler verlassen Barça deshalb frühzeitig. Sie sehen woanders mehr Perspektive auf Spielpraxis. So auch Mateu Morey, der in diesem Sommer ablösefrei zu Borussia Dortmund wechselte. Oder Xavi Simons, den es zu PSG zog. Arronis meint:

Barça vergrault seine Nachwuchsspieler

Selbst in der B-Mannschaft von Barcelona setzte der Klub nach der sportlichen Talfahrt in der Saison 2015/16 vermehrt auf eine Mischung aus Talenten und erfahrenen Spielern. Barça tauschte damals den halben Kader aus und setzte einige Spieler unter dem Deckmantel mutmaßlicher Undiszipliniertheiten vor die Tür. Es kam sogar zu Rechtsstreits.
Präsident Josep Maria Bartomeu bemängelte damals die fehlende Einstellung der Nachwuchsspieler und forderte die uneingeschränkte Identifikation mit den Farben Blau und Rot. Gleichzeitig konterkariert er seine eigenen Aussagen seitdem mit der Transferpolitik der Blaugrana.

Patrick Kluivert soll den Zauber wiederbeleben

Thierry Henry sagte einst gegenüber der "New York Times":
Dieser Zauber, von dem La Masia lebt, ist langsam verflogen. Die emotionale Bindung zwischen Klub und Jugendspielern geht mehr und mehr verloren. Sie ist jedoch nötig, um die Top-Talente von einem Verbleib zu überzeugen. Emotionale Bindung und die Perspektive auf Einsätze. Um beides wieder zu stärken, übernimmt Ex-Star Patrick Kluivert die Leitung der Jugendakademie. Arronis sagt:

Aleñá, Puig und Pérez drängen sich auf

Der niederländischen Schule bedienten sich die Katalanen bereits in Frenkie de Jong. Weitere Ajax-Talente sollen in den kommenden Jahren durch die neue Kooperation der Klubs folgen. Dennoch gilt es, auch die eigenen Spieler wieder mehr einzugliedern oder zumindest langfristig zu binden, zu verleihen und wenigstens aus wirtschaftlicher Sicht noch Profit aus deren Ausbildung zu schlagen. Auch das verpasste der spanische Meister in der jüngsten Vergangenheit zu häufig.
Immer wieder drängen vielversprechende Spieler aber auch in die Profimannschaft. Mit Carles Aleñá and Riqui Puig hat Barça zwei hochbegabte Mittelfeldspieler in der Pipeline. In der Vorbereitung machte auch Flügelstürmer Carles Pérez auf sich aufmerksam. Einzig eine zufriedenstellende Rolle muss für die drei gefunden werden, um sie nicht auch zu verlieren.
Kluivert soll die Bindung zwischen La Masia und Profiteam wieder stärken und so die Durchlässigkeit wieder nach oben schrauben. Das Publikum haben die Youngster aus der eigenen Schmiede ohnehin auf ihrer Seite. Die Barça-Fans tolerieren deren Fehler weitaus mehr als die von Neuzugängen. Denn: La Masia no es toca! Lasst La Masia in Ruhe!
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