Lieber FC Barcelona, das ist ganz schlechter Stil. Okay, machen wir uns nichts vor. Die Fußball-Romantik ist längst der Ergebnis-Pragmatik gewichen. Werbe-Ikonen statt Poster-Helden, Instagram-Power statt Bolzplatz-Flair. Die Zeiten, in denen sich Rudi Assauer und Ebbe Sand die Hand reichten und sich ewige Treue schworen, sind vorbei.

Aber bitte, liebes Barça, das ist dann doch zu viel. Was gemeint ist? Klar, die Methode, Spieler mit fragwürdigen Verhandlungstaktiken von ihren eigentlich nicht verkaufsbereiten Verein loszueisen.

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Der FC Liverpool und Borussia Dortmund können ein Lied davon singen. Innerhalb eines halben Jahres streikten sich Ousmane Dembélé und Philippe Coutinho nach Katalonien. Dembélé im Sommer 2017, Coutinho sogar ein halbes Jahr lang, ehe die "Reds" im Januar 2018 dann doch klein beigaben.

"Der ruhmreiche FC Barcelona"

Barça nahm die bockigen Kicker gerne auf. Böse Zungen behaupten sogar, die Katalanen seien die Strippenzieher hinter dem Kasperltheater gewesen. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke erklärte noch während des Dembélé-Streiks bei "Sky": "Ous tanzt uns ja nicht auf der Nase herum, er hat einfach seine Arbeit verweigert. Das ist eine neue Qualität. Da muss man sich auch mal über die Rolle des ruhmreichen FC Barcelona unterhalten."

Und damit hat er Recht! Die Geschichte geht nämlich noch weiter. Sommer 2018, Malcom, damals noch Spieler bei Girondins Bordeaux, stand kurz vor einem Wechsel zum AS Rom. Alles war geklärt, Ablöse, Vertragsmodalitäten, Malcom soll sogar schon auf dem Weg zum Flieger in Richtung Italien gewesen sein.

Doch Barça funkte plötzlich dazwischen und schnappte der Roma einen praktisch schon perfekten Transfer vor der Nase weg. Legal? Ja, aber eben nicht die feine englische Art.

Barça ist die Konstante

Jetzt also die Posse um Neymar und Griezmann. Beide erschienen nicht zum Trainingsauftakt ihrer jeweiligen Teams Paris Saint-Germain und Atlético Madrid. Sicher, beide Klubs sind bestimmt ebenfalls keine Kinder von Traurigkeit, wenn es darum geht, den Wunschspieler zu bekommen. Und auch die streikenden Spieler gehören einer kritischen Betrachtung unterzogen.

Neymar

Fotocredit: Getty Images

Die Konstante ist jedoch der FC Barcelona. Seit einigen Jahren. Immer. Nun kann man argumentieren, dass offiziell nie etwas über eine Anweisung von Seiten des spanischen Meisters publik wurde und sich die Spieler freiwillig für diese unsaubere Methode entschieden.

Dass sich aber ausgerechnet Barças Wunschspieler spätestens seit dem Fall Dembélé in aller Regelmäßigkeit aus den Vereinen ekeln, ist nicht von der Hand zu weisen.

Neymar und der FC Barcelona: gleiches zu gleichem

Kurioserweise möchte mit Neymar jetzt ausgerechnet der Spieler zurückkehren, den Barça-Präsident Josep Maria Baromeu bei dessen 222-Millionen-Wechsel nach Paris einst noch zum Teufel wünschte.

"Er wollte gehen, aber die Art, wie er gegangen ist, hätte besser sein können. So benimmt sich kein Spieler des FC Barcelona", schimpfte er bei Neymars Abgang und sprach im gleichen Atemzug von "Loyalität" und einem "guten Beispiel" Lionel Messi.

Es folgte eine Klage gegen den brasilianischen Superstar wegen Vertragsbruchs und einige mediale Schlammschlachten. Und jetzt? Alles vergeben und vergessen.

Gute Tugend statt Selbstverständlichkeit?

Man könnte meinen: Da gesellt sich gleiches zu gleichem. Besser macht es die ganze Sache trotzdem nicht - im Gegenteil. Was 2017 noch nach einem absoluten Novum klang, hat mittlerweile Methode. Es hat sogar den Anschein, dass eine Weigerung zum Streik als gute Tugend statt als Selbstverständlichkeit geschimpft wird.

Etwa im Fall Matthijs de Ligt. Der niederländische Verteidiger steht kurz vor einem Wechsel zu Juventus Turin, noch hakt es jedoch an der Ablösesumme. "Krankmeldungen" oder "ein Schiedsverfahren" kommen für den 19-Jährigen von Ajax Amsterdam laut seinem Berater Mino Raiola nicht in Frage: "Das habe ich Matthijs geraten, weil es nicht zu seinem Stil passt." Welch‘ Edelmut!

Übrigens: Auch der FC Barcelona galt monatelang als potenzieller Abnehmer für das Ajax-Juwel. Böse Zungen behaupten: Die Weigerung zum Streik hat das Interesse rapide sinken lassen.

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