So lief das Spiel:

Es dauerte etwas, bis man erkennen konnte, dass es sich hier und heute sehr wohl um ein Pflichtspiel handelte. Beide Teams gingen äußert gemächlich ans Werk, ließen sich sehr viel Zeit, um ins Spiel zu kommen und so dauerte es ein wenig, bis so etwas wie ein Spielfluß zustande kam. Eine gute Viertelstunde war um und Real hatte gefühlte 90% Ballbesitz, dennoch sprangen keine gefährlichen Torabschlüsse dabei raus. Villarreal tat sich extrem schwer, den Ball lange in den eigenen Reihen zu behaupten und so ging es vermehrt in Richtung Tor von Sergio Asenjo.
Erstmals wirklich geprüft wurde der Keeper der Gäste in der 17. Minute durch einen Distanzschuss von Luka Modric, den Asenjo aber noch ohne Probleme zur Ecke klären konnte. Nach 30 Minuten war jedoch auch er geschlagen. Zunächst eroberte Casemiro im Zentrum die Kugel, spielte ab auf Modric, dieser wiederum hatte das Auge für den mitgelaufenen Benzema, der zum 1:0 traf (29.). Die verdiente Führung für Madrid und da der direkte Konkurrent um die Meisterschaft, der FC Barcelona, zu diesem Zeitpunkt mit 0:1 gegen Osasuna zurücklag, rückte der Titelgewinn für die Königlichen immer näher. Mit dem 1:0 für Real ging es dann in die Kabinen.
Premier League
Liverpools Ergebnis-Krise: Der Knick kam schon vor Corona
16/07/2020 AM 12:42
Villarreal startete mit mehr Schwung in die zweite Halbzeit und hatte in den ersten fünf Minuten nach Wiederanpfiff gefühlt mehr Ballberührungen als in der gesamten ersten Halbzeit. Es war kein ansehnliches Spiel und nach wie vor auch keines der unterhaltsameren Sorte. Madrid spielte äußerst abgebrüht und auf der Gegenseite fehlte es an Kreativität im Spiel. 15 Minuten vor dem Ende entschied Schiedsrichter Alejandro Hernández Hernández dann auf Elfmeter für Real Madrid. Es war eine kuriose Szene – wie immer, wenn Sergio Ramos beteiligt ist.
Nachdem Ramos im Mittelfeld die Kugel eroberte und in guter alter Stürmermanier in den Gästestrafraum lief, wurde er dabei vermeintlich gefoult. In der Wiederholung konnte man jedoch keine Berührung sehen. Der Schiedsrichter hielt nochmals Rücksprache mit dem Videoassistenten, entschied sich jedoch dafür, die Situation nicht nochmals anzusehen und zeigte auf den Punkt.
Reals Kapitän legte sich die Kugel zurecht, legte jedoch bei der Ausführung des Strafstoßes auf den einlaufenden Benzema ab, der zum 2:0 verwandelte. Da der Franzose jedoch zu früh in den Strafraum lief, musste der Elfmeter wiederholt werden. Im Anschluss überließ Ramos dem Franzosen den Vortritt und so erhöhte Benzema mit einem platzierten Elfmeter auf 2:0 (77.).
Das Spiel schien entschieden zu sein, und auch wenn Barcelona zwischenzeitlich im Parallelspiel ausgleichen konnte, wäre man aus eigener Kraft uneinholbar Erster in der Tabelle gewesen. Trotzdem wurde es noch einmal spannend, als eine Hereingabe von Soriano in Madrids Sechzehner den Kopf von Iborra fand, der wunderschön zum 1:2 aus Sicht der Gäste traf (83.). Durch den Anschlusstreffer schöpften die Gäste nochmals Mut und kamen kurz vor Ende zu einer Doppelchance, die Real-Keeper und der spätere "King of the Match" (Man of the Match in Spanien, Anm. d. Red.), Thibaut Courtois, mit zwei Glanzparaden entschärfen konnte.
Es blieb beim 2:1 für Real und damit krönten sich die Königlichen zum 34. Mal zum spanischen Meister.

Die Stimmen zum Spiel:

Sergio Ramos (Real Madrid): "Wenn du gut arbeitest, ist das der Lohn. Zehn Spiele in Folge zu gewinnen, ist sehr schwer. Es war nach dem, was wir erlebt haben, eine etwas atypische, seltsame Saison. Als wir sie fortgesetzt haben, war klar, dass wir alle Spiele gewinnen wollen, damit wir Chancen haben, den Titel zu gewinnen. Barça lag zwei Punkte vor uns, der Titel lag daher nicht in unserer Hand. Es gab keinen Raum für Fehler. Zidane war entscheidend, der Patron. Er war immer jemand, der dem Spieler Vertrauen entgegengebracht hat. Das macht nicht jeder Trainer. Wir glauben an ihn und an seine Arbeit. Er fasst alles mit einer heiligen Hand an. Ich hoffe, dass es mit ihm lange anhält und man wirklich schätzt, was für eine tolle Person er ist. Er ist ein einmaliger Trainer."
Thibaut Courtois (Real Madrid): "Ich bin sehr glücklich, es ist ein wahr gewordener Traum. Es ist aber erst der Anfang, wir wollen noch viel mehr. Ich hatte großes Vertrauen in das Team, dass wir den Titel gewinnen können. Aus Katalonien hat mir mehr als einer gesagt, ich solle doch die Klappe halten. Meine Mannschaft hat gezeigt, dass wir es vollbracht haben."
Toni Kroos (Real Madrid): "Wir sind sehr glücklich. Die Meisterschaft war das Ziel zu Saisonbeginn. Wir hatten sie seit drei Jahren nicht gewonnen. Das störte uns. In den Spielen hat man das gesehen und wir hatten Lust auf den Titel. Wir haben nicht immer gut gespielt, sind aber immer als Mannschaft aufgetreten. Wir haben wenige Gegentore kassiert. Das ist ein Zeichen, dass wir gemeinsam arbeiten. Und vorne können wir immer etwas kreieren. Am Ende haben wir uns den Liga-Titel verdient. Unsere Stärke war der Wille."

Das fiel auf: Was für ein Geburtstagsgeschenk

Gareth Bale musste trotz seines 31. Geburtstags am heutigen Tag im Spiel gegen Villarreal auf der Bank Platz nehmen und wurde auch die anschließenden 90 Minuten sportlich nicht gebraucht – wie auch die Spiele davor. Dennoch dürfte heute die Freude bei Reals Nummer 11 überwiegen, schließlich gab es an seinem Ehrentag noch etwas Silberware für den Waliser: Den zweiten spanischen Meistertitel und den insgesamt 16. Titel mit Real Madrid.

Unsichere Zukunft bei Real Madrid: Gareth Bale

Fotocredit: Getty Images

Der Tweet zum Spiel:

Die Statistik zum Spiel: 10 aus 10

Vor der Corona-Zwangspause lagen für Real Madrid Freud und Leid nah beieinander. Zuerst fertigte man den FC Barcelona im Clásico mit 2:0 ab und übernahm mit dem Sieg anschließend auch die Tabellenspitze. Das direkte Duell war gewonnen und man hatte die Liga quasi selbst in der Hand. Einen Spieltag darauf verlor man jedoch bei Betis Sevilla mit 0:1 und damit verbunden auch die Tabellenführung an die Katalanen. Wieder schien der Traum nach dem 34. Titel entglitten. Doch nach der Corona-Pause ließen die Madrilenen keinen Zweifel aufkommen, wer den Titel am meisten will: Es folgten zehn Siege in Serie. Und da am Ende dadurch doch noch der langersehnte Titel raussprang, muss man für den Saisonendspurt alternativlos und neidlos 10 Punkte vergeben.
Spotify oder Apple Podcast? Höre alle Folgen "Extra Time" auf der Plattform deines Vertrauens
Das könnte Dich auch interessieren: Künstler setzt Klopp ein Denkmal: "Wie Gandhi, Genscher oder Gorbatschow"

Zidane sauer über Bale-Frage: "Mein Gott!"

Champions League
"Realitätsverlust": BVB-Neuzugang schießt heftig gegen Ex-Klub - PSG reagiert
16/07/2020 AM 12:38
Fußball
Nach Super-League-Gründung: Diese Stars könnten bei der EM fehlen
VOR 3 STUNDEN