Au Weia!

Gerade einmal zehn Spieltage ist die La-Liga-Saison alt und doch scheint sie für den FC Barcelona längst mit dem Verkorkst-Stempel gebrandmarkt zu sein. Drei Niederlagen und spärliche elf Punkte nach acht Spielen - das macht aktuell Platz 13 in der Liga, was frustrierte Anhänger und jede Menge schlechte Presse zur Folge hat. "Barça verteilt weiter Geschenke und wirkt immer fragiler", titelte die "Mundo Deportivo", "Barcelona im Schockzustand" die "Marca" am vergangenen Wochenende.

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Barcelona legt aktuell den schlechtesten Saisonstart seit 1991 hin. Ausgerechnet in Zeiten, in denen der Verein sowieso schon vor so großen Problemen steht, die einen zweistelligen Tabellenplatz nach knapp einem Viertel der Saison wie Peanuts aussehen lassen.

Immerhin: In der Champions League stehen die Katalanen nach dem 4:0 in Kiew, dem vierten Sieg im vierten Spiel, souverän im Achtelfinale - über den Gruppensieg entscheidet voraussichtlich das Duell am 6. Spieltag gegen Juventus Turin.

Zudem hat Barça in der Liga noch zwei Nachholspiele auf der Habenseite, kann den Rückstand auf die vorderen Tabellenplätze also noch verkürzen. Dennoch ist die Punkteausbeute alles andere als zufriedenstellend. Atlético Madrid beispielsweise hat ebenfalls erst acht Saisonspiele, jedoch bereits neun Zähler mehr auf dem Konto.

FC Barcelona: Wenn auch Messi zum Problem wird

Ob finanzielle Probleme oder verletzte Leistungsträger: Gründe für die sportliche Talfahrt, die der 26-fache spanische Meister derzeit durchmacht, gibt es viele. Besonders beunruhigend ist es aber, dass sich auch Lionel Messi von der Fahrigkeit hat anstecken lassen.

Sportlich läuft es in dieser Saison auch für den sechsmaligen Weltfußballer nicht rund. Erst drei Tore in der Liga, immerhin ebensoviele in der Champions League. Zuletzt tauchte La Pulga im Spitzenspiel bei Atlético (0:1) ebenso ab wie der Rest seiner Kollegen. 23 Ballverluste leistete sich der Argentinier, auf den vor allem in sportlich schwierigen Zeiten der Druck einer ganzen Region abgeladen wird. Kürzlich wurde es dem 33-Jährigen dann zu viel. Es platzte regelrecht aus ihm heraus.

Was er über die Äußerungen von Ex-Griezmann-Berater Eric Olhats denke, wurde Messi nach seiner Rückkehr von der Länderspielreise mit der argentinischen Nationalmannschaft noch am Flughafen in Barcelona gefragt. Der Franzose kritisierte Messi kürzlich in einem Interview mit "France Football" scharf für dessen Auftreten rund um den Wechsel seines ehemaligen Schützlings von Atlético nach Katalonien.

Lionel Messi und Antoine Griezmann - FC Barcelona

Fotocredit: Getty Images

"Antoine kam zu einem in Schwierigkeiten steckenden Klub, in dem Messi zu allem eine Meinung hat. Er ist gleichzeitig Kaiser und Monarch, und er hat die Verpflichtung von Antoine kritisch beäugt. Messis Haltung war bedauerlich, er hat es ihn spüren lassen. Ich habe Antoine immer sagen hören, dass er keine Probleme mit Messi hat, aber niemals umgekehrt. Es ist ein Terror-Regime. Entweder ist man für oder gegen ihn."

Messi, der auf dem Weg zu seinem Wagen von dutzenden Reportern, die von Abstand und Mundschutz scheinbar noch nichts gehört hatten, umringt wurde, blaffte genervt in die Mikrofone: "Die Wahrheit ist, dass ich es leid bin, die Ursache von allen Problemen im Verein zu sein."

Große Verletzungssorgen in der Defensive

Es ist die Bürde, mit der Messi seit Jahren in Barcelona leben muss. Umso größer wird der Druck auf den Ausnahmekönner, wenn diverse andere Topprofis ausfallen. Gegen Atlético verletzte sich nun auch noch Führungsspieler Gerard Piqué und wird Wochen, wenn nicht sogar Monate ausfallen. Schwere Innenbanddehnung sowie ein Anriss des vorderen Kreuzbandes lautet die bittere Diagnose.

Weil auch Samuel Umtiti (Knieverletzung), der junge Ronald Arújo (Muskelverletzung) und Sergi Roberto (Muskelverletzung) noch langfristig fehlen, wird es vor allem im Defensivverbund brutal eng. Eine Reihe weiter vorn fehlt Sergio Busquets mit Außenbandproblemen, in vorderster Front Shootingstar Ansu Fati, der mit drei Toren an den ersten zwei Spieltagen in der Liga einen glänzenden Start hinlegte. Der 18-Jährige wird nach einem Meniskuseinriss erst im kommenden März zurückerwartet.

Gerard Pique verletzte sich im Spiel bei Atlétivo Madrid

Fotocredit: Getty Images

Angesprochen auf die Verletzungssorgen gab Trainer Ronald Koeman zu, sich "ziemliche Sorgen" zu machen. Rein sportlich gab er nach der 0:1-Pleite in Madrid zu: "So was darf einer Mannschaft wie der unseren nicht passieren." Doch es passiert - immer und immer wieder.

Barcelona ist aktuell ein sehr fragiles Gebilde, dem das Schlimmste noch bevorstehen könnte. Denn über einen Abschied von Aushängeschild Messi zum Saisonende wird nicht nur bloß gemunkelt - er gilt sogar als wahrscheinlich. Pep Guardiola, unter dem Messi zwischen 2008 und 2012 unvergessliche Jahre in Barcelona verbrachte, hat kürzlich bereits seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag bis 2023 bei Manchester City gesetzt.

Folgen soll die des sechsmaligen Weltfußballers.

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