Ronald Koeman gab Real-Kollege Carlo Ancelotti artig die Hand, der Gesichtsausdruck des Barça-Trainer sprach aber Bände. Sichtlich enttäuscht ging Koeman auf seine Spieler zu und gab dem einen oder anderen einen aufmunternden Klaps.
Es war Koemans dritte Pleite im dritten Clásico und die Diskussion um seine Zukunft als Barça-Coach dürfte nach zuletzt zwei Siegen in Folge wieder von vorne losgehen.
Seine Mannschaft war zwar sehr bemüht, in der Offensive aber erschreckend harmlos. Nach den Gegentoren von David Alaba (32.) und Lucas Vazquez (90.+3) reichte es nur noch zum Anschlusstreffer durch Sergio Agüero (90.+7).
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Drei Dinge, die uns im 246. Pflichtspiel-Clásico auffielen.

1. Das perfekte Spiel des David Alaba

Spiele gegen den FC Barcelona mag David Alaba ganz gern. Mit dem FC Bayern München stand der Österreicher in drei Duellen auf dem Platz und feierte drei Kantersiege: 4:0, 3:0 und 8:2. Dass ihm beim legendären Champions-League-Viertelfinale 2020 in Lissabon ein Eigentor unterlief - geschenkt.
Ein Clásico ist dann aber doch noch etwas anderes. Für Alaba war es der erste - und diesen wird er wahrscheinlich für immer in guter Erinnerung behalten. Alaba hielt die Abwehr der Königlichen als linker Innenverteidiger zusammen und spielte absolut fehlerfrei. Seine Statistik? Sensationell: 92 Prozent angekommene Pässe, 100 Prozent gewonnene Zweikämpfe.
Zudem wächst Alaba immer mehr in eine Chefrolle bei Real hinein. Lautstark und gestenreich wies er seine Mitspieler zurecht. Als Barça-Verteidiger Gerard Piqué nach einer Ecke völlig frei zum Kopfball kam, schimpfte Alaba mit Karim Benzema, der offensichtlich bei ruhenden Bällen für Piqué eingeteilt war.
"Alaba Madrid”, schrieb die Zeitung "AS" auf ihrer Webseite in Anlehnung an den berühmten Schlachtruf "Hala Madrid". Die "Marca“ titelte online: "Alaba sprengt den Clásico".
Seine starke Leistung in der Defensive krönte Alaba bereits in der 32. Minute: Er eroberte den Ball am eigenen Strafraum, leitete den Konter gegen aufgerückte Barça-Spieler selbst ein und ging nach. Er zog einen Sprint über 70 Meter auf links an und bekam den Ball von Rodrygo in den Fuß gespielt. Alaba zog aus 15 Metern mit links ab und hämmerte die Kugel halbhoch ins rechte Eck - sein erstes Tor für Real Madrid und das auswärts im Clásico.
"Alaba spielt ja eigentlich in der Innenverteidigung und ist nicht unbedingt in dieser Zone zu finden. Aber der Torabschluss ist eine Qualität, die er besitzt, und er hat super abgeschlossen", sagte Ancelotti. Ein passendes Lob an diesem Sahne-Tag für Alaba.

2. Was ist aus der Barça-Offensive geworden?

Man muss die alte Leier eigentlich nicht mehr spielen. Lionel Messi ist nicht mehr da - fertig. Der FC Barcelona hat seit dem Abgang des Superhelden schon genug gelitten.
Der Clásico bedeutet jedoch eine weitere harte Zäsur für Barça. Es war der erste der Post-Messi-Ära und es wurde offensiv ein mittleres Desaster.
Dabei machten die Gastgeber im Angriff zunächst gar keinen so schlechten Job. In den ersten 20 Minuten eroberten sie viele zweite Bälle, das Gegenpressing funktionierte. Barça macht das Spiel breit und kam auch mal über die Flügel durch.
Doch spätestens am Real-Sechzehner war Schluss. Egal, was Barcelona auch versuchte - tiefe Bälle, Flanken, Dribblings, Querpässe auf nachrückende Mittelfeldspieler - es klappte nahezu nichts. Reals Defensive musste sich gar nicht besonders anstrengen, um Barça vom eigenen Tor fernzuhalten. Gut stehen, Passwege dichtmachen - das genügte.
"Wir haben viel versucht in der Offensive, aber wir kamen einfach nicht durch. Der letzte Pass ist uns nicht gelungen", analysierte Koeman.
Und wenn doch mal einer durchkam, wurde die Torchance kläglich vergeben. In der 26. Minute konnte sich Memphis Depay auf links durchsetzen und den Ball in die Mitte zu Ansu Fati passen. Von dessen Fußspitze tropfte der Ball vor die Füße von Sergino Dest, der die Kugel aber mutterseelenallein vor Real-Keeper Thibaut Courtois aus acht Metern weit über den Kasten bolzte.
"Wir hatten unsere Chancen, müssen aber vor dem Tor cooler bleiben. Sonst kannst du Real Madrid nicht schlagen", kritisierte Kapitän Sergio Busquets.
Bei aller Tristesse gab es für die Barça-Fans wenigstens einen Lichtblick. Ihre Mannschaft zeigte Leidenschaft und viel Einsatz. Das gehört sich auch so im Clásico, war aber in dieser Saison nicht immer so. Von zehn Feldspielern aus der Startelf lernten immerhin sieben das Fußballspielen in La Masia. Es gibt sie noch, die Hoffnungsschimmer beim FC Barcelona.

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3. Clásico mal anders

Verdammt hart geführte Zweikämpfe, üble Fouls, Tätlichkeiten, Rote Karten, Rudelbildungen und weitere Gehässigkeiten – der Clásico war in vielen Ausgaben der letzten Jahre mehr Skandal denn Spektakel.
Gewiss, es gab auch zahlreiche überragende sportliche Momente. Legendäre Tore. atemberaubende Spielzüge. Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Über viele Jahre gehörten Real und Barça ins oberste Regal des europäischen Fußballs. Aber es wurde eben auch immer wieder (nach)getreten. Erst auf dem Platz und hinterher verbal. Das hat mitunter schon genervt.
Der 246. Clásico war in dieser Hinsicht ganz anders – und sehr angenehm. Die Spieler gingen nicht wie die Hyänen aufeinander los, es gab in 97 Minuten nicht ein einziges grobes Foul. Schiedsrichter José Sánchez Martínez verteilte nur zwei Gelbe Karten – eine wegen Meckerns an Piqué, die andere wegen Zeitspiel an Ferland Mendy.
Beide Teams gingen beherzt zu Werke und schenkten sich gegenseitig keinen Zentimeter Raum. Aber es blieb alles über die Maßen fair.
An einen Clásico ohne Messi und Ronaldo muss man sich erst gewöhnen, aber auch ohne die Halbgötter kann es ein sehr ansehnlicher Kick werden.
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