FC Barcelona: Xavis Baustellen beim wankenden Riesen - das muss die Klub-Legende nun anpacken
Xavi Hernández soll beim FC Barcelona als Trainer das Erbe von Johan Cruyff und Pep Guardiola fortsetzen. Kaum angefangen, haften an ihm jedoch schon fast unrealistische Erwartungen. Der 41-Jährige kämpft gleich an mehreren Fronten und soll das Team sportlich zu verbessern, während weitere Spieler verkauft werden müssen. In einer ganz speziellen Frage muss Xavi derweil die richtige Balance finden.
Xavi (r.) mit Joan Laporta - FC Barcelona
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Johan Cruyff, einst selbst erfolgreicher Spieler beim FC Barcelona, gab sein Wissen als Trainer der Blaugrana an den Spieler Pep Guardiola weiter. Als dieser dann als Barça-Coach arbeitete, lehrte er seinen ehemaligen Teamkollegen Xavi. Nun soll ebenjener Xavi die Barça-Tradition fortführen.
In der vergangenen Woche stellte der Verein den 41-Jährigen als neuen Übungsleiter und Nachfolger des glücklosen Ronald Koeman vor. Dabei möchte Xavi vor allem seinem früheren Boss Guardiola, der eine erfolgreiche Ära in Barcelona geprägt hatte, nacheifern. "Für mich ist er der beste Trainer der Welt, von daher kann es für mich nur eine Auszeichnung sein, mit ihm verglichen zu werden", schwärmte der Rückkehrer von Guardiola.
Der City-Trainer sei laut Xavi "ein Meister" in puncto Ballbesitz-Fußball und Pressing gewesen, das berüchtigte Tiki-Taka ist eng an Guardiolas Namen geknüpft. Xavi möchte eine ähnliche Spielphilosophie etablieren.
Dabei muss Xavi aber zunächst einmal an mehreren Fronten kämpfen. Der FCB steht nach jahrelanger Misswirtschaft finanziell auf wackligen Beinen, der Schuldenberg wird auf 1,35 Milliarden Euro beziffert.
Aus sportlicher Sicht läuft es auch nicht rund: In der Liga belegt der 26-malige Meister nur Rang neun, der Rückstand auf Tabellenführer Real Sociedad beträgt bereits elf Punkte.
Ein Blick auf die größten Barça-Baustellen.
Talente richtig fördern
Barcelona steht für Talentförderung der Extraklasse, die Nachwuchs-Akademie La Masia genießt einen hervorragenden Ruf. Lionel Messi wurde dort geformt, Andrés Iniesta ebenfalls. Xavi selbst wechselte als Elfjähriger in die berüchtigte Schmiede.
Zwar büßte La Masia in den vergangenen Jahren etwas von ihrem alten Glanz ein, brachte aber nach wie vor regelmäßig echte Juwele hervor. Ansu Fati (19), mittlerweile mit der prestigeträchtigen Nummer 10 von Messi ausgestattet, spielt in Barcelona seit er zehn Jahre alt ist, Eigengewächs Gavi ist mit 17 Jahren schon nicht mehr aus dem Profi-Kader wegzudenken.
Weitere Top-Talente wie Pedri (18), der längst unangefochtener Stammspieler ist oder der gebürtige Wiener Yusuf Demir (18) wurden zwar nicht in La Masia ausgebildet, zählen aber dennoch zu den verheißungsvollsten Youngstern Europas.
Allerdings verpassten es die Verantwortlichen in der jüngeren Vergangenheit, seine zahlreichen Rohdiamanten behutsam an die erste Mannschaft heranzuführen. So wurde vor allem Fati nach dem Abgang von Messi mit einer enormen Last bepackt.
Er ist es nun, von dem die Wunderdinge erwartet werden, für die zuvor "La Pulga" gesorgt hatte. Zwar traf der spanische Nationalspieler in acht Pflichtspielen bereits viermal, allerdings wird Fati immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Derzeit laboriert er an einer Oberschenkelverletzung, die ihn wohl bis Anfang Dezember außer Gefecht setzt.
Pedri bestritt in der vergangenen Saison bereits 52 Pflichtspiele für Barcelona. Im Anschluss stand er bei der Europameisterschaft in allen sechs Partien für Spanien über 90 Minuten auf dem Feld und kam dann auch noch bei den Olympischen Spielen in Tokio sechsmal zum Einsatz. Pause? Fehlanzeige.
Kaum verwunderlich also, dass der Mittelfeldspieler seit September aufgrund einer Muskelverletzung ausfällt.
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Pedri ist der Lichtblick beim FC Barcelona
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Grundsätzlich ist Xavi gut beraten, weiter verstärkt auf La Masia zu bauen. Einerseits, weil der Klub nicht über die finanziellen Mittel verfügt, neue Stars zu holen, andererseits, weil die Expertise bereits auf dem eigenen Vereinsgelände vorhanden ist. Dass er ein großer Fan seiner ehemaligen Schule ist, machte er gleich zu Beginn seiner Amtszeit deutlich.
"Wir haben viele Spieler aus La Masia - ihr Engagement ist anders, als das anderer Spieler. Sie unterstützen den FC Barcelona. Als wir früher Titel gewonnen haben, hatten wir immer viele Spieler aus La Masia", sagte er und ergänzte: "Das ist sehr wichtig. Es ist sehr wichtig, solche Spieler zu haben. Wir haben viele junge Spieler, viele Talente - eine sehr gute Generation."
Diese gelte es nun zu fördern. Er selbst habe von seinen damaligen Trainern profitiert, nun wolle er sein Wissen an die Jugend weitergeben: "Jetzt ist der Moment, an dem ich den Spielern helfen muss. Ich habe Erfahrung, kenne den Klub, kenne das Umfeld. Ich kann den Spielern während dieser Phase helfen."
Xavi muss aber auch eine vernünftige Balance finden.
Defensive stabilisieren
Die Hintermannschaft des FC Barcelona war einst bei Stürmern gefürchtet. 2021 ist die Defensivabteilung allerdings im Mittelmaß angekommen, präsentiert sich ungewohnt fehleranfällig. Gerard Piqué wirkt müde und ausgelaugt, seine Gegenspieler laufen ihm regelmäßig davon, einen sattelfesten Nebenmann sucht er in der Innenverteidigung vergeblich.
Auch Routinier Sergio Busquets (33), der einst etliche Schlachten an Xavis Seite schlug, ist merklich in die Jahre gekommen, ähnlich wie Piqué kann er das hohe Tempo seiner Kontrahenten nicht mehr mitgehen. Der normale Lauf der Dinge im Fußball, wenn Spieler in ein höheres Alter kommen. Der 32-jährige Jordi Alba kann nach vorne zwar nach wie vor Akzente setzen, im Spiel nach hinten hat aber auch er durchaus Probleme.
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Gerard Pique - FC Barcelona
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Sergi Roberto (29), mittlerweile auch ein Urgestein, wurde bei der schmerzlichen 0:3-Niederlage vor heimischer Kulisse gegen den FC Bayern von den eigenen Fans für seine schlechte Leistung ausgepfiffen. Dass es nicht rund läuft belegen auch die Zahlen: Nach zwölf Ligaspielen schluckten die Katalanen bereits 15 Gegentore, in der Champions League musste Marc-André ter Stegen in vier Spielen sechsmal hinter sich greifen. Zuletzt wahrte er in Hin- und Rückspiel gegen Dynamo Kiew immerhin die Weiße Weste.
Doch wie kann Xavi die Sicherheit zurückbringen? Sein angekündigter Spielstil, der viel Ballbesitz und hohes Pressing vorsieht, könnte schnell zum Problem werden, da schnelle Innenverteidiger im Team rar sind. Schon unter Koeman, der weniger offensiv ausgerichtet agierte, sah die Mannschaft bei Kontern oftmals nur die Rücklichter des Gegners.
Zunächst möchte Xavi offensichtlich das Selbstvertrauen seiner alten Weggefährten stärken, vermitteln, dass er auf sie setzt. "Von ihnen werde ich mehr verlangen als von den anderen", sagte er mit Blick auf Piqué, Busquets, Alba, Roberto, aber auch ter Stegen. Besagte Jungs müssten fortan "den Laden schmeißen. Sie werden noch mehr Macht in der Kabine haben."
Inwiefern der Vertrauensbeweis im Spiel Früchte trägt, wird sich schon bald zeigen.
Spieler aussortieren
In Barcelona wurde offenbar in den vergangenen Jahren selten aufs Festgeldkonto geschaut, ansonsten hätte die alte Vereinsführung schnell gemerkt, dass Transfers der Größenordnung eines Antoine Griezmann (kam im Sommer 2019 für 120 Millionen Euro von Atlético Madrid) eigentlich nicht stemmbar gewesen wären.
Auch zuvor saß der Geldbeutel locker, Ousmane Dembélé kam 2017 für 135 Millionen Euro aus Dortmund, ein halbes Jahr später überwies Barcelona für Philippe Coutinho die gleiche Summe nach Liverpool. Alle drei Genannten konnten nicht überzeugen, Griezmann ist schon wieder zurück bei Atlético, die im kommenden Sommer angeblich eine Kaufpflicht über 40 Millionen Euro haben. Sprich: Die Blaugrana haben – überspitzt formuliert – 80 Millionen Euro Verlust gemacht.
Obwohl Barça mit 1,35 Milliarden Euro in der Kreide steht, wird medial weiterhin über Neuzugänge spekuliert, wobei auch Namen wie Erling Haaland immer wieder die Runde machen. In erster Linie braucht der Verein aber vor allem eins: Einnnahmen.
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Philippe Coutinho vom FC Barcelona
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Die einzige Möglichkeit, schnell an Geld zu gelangen, sind Spielerverkäufe. Kandidaten gibt es reichlich. "El Chiringuito" veröffentlichte kürzlich die angebliche Xavi-Streichliste: Neto, Samuel Umtiti, Martin Braithwaite, Luuk de Jong, Clement Lenglet und Coutinho sollen den Verein zeitnah verlassen.
Dies könnte sich aber schwierig gestalten. Bereits im Sommer wurden Umtiti und Coutinho als potenzielle Verkaufskandidaten gehandelt, einen Abnehmer fand Barcelona allerdings nicht.
Am Wochenende sagte Xavi, dass es sich bei seinem neuen Job um "die größte Herausforderung" seiner Karriere handele. Aus monetärer Sicht kam er seiner großen Liebe schon einmal entgegen, wird im Vergleich zu seiner alten Arbeitsstelle bei Al-Sadd Sport Club in Katar weniger Gehalt einstreichen. Die Hälfte der Vertragsauflösungsstrafe, die aufs Konto seines Ex-Klubs wanderte, berappte er sogar selbst.
Barcelona in Zusammenarbeit mit Präsident Joan Laporta finanziell wieder zu festigen, dürfte neben der Herausforderung, die Mannschaft aus dem sportlichen Tal zu führen, die wohl größte Aufgabe werden.
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