Real Madrid: David Alaba mit Lob und Tadel konfrontiert - so läuft es für den Ex-Münchner

David Alaba verließ den FC Bayern im Sommer nach 13 Jahren und wechselte zu Real Madrid. Mit der Rückennummer 4 des legendären Sergio Ramos hat sich der Österreicher prompt festgespielt. Für seine bisherigen Leistungen erhält er meistens Zuspruch, dass bei den Königlichen aber alles, auch die Kritik, "einen Tick größer" ist als in München, musste er aber ebenfalls schon feststellen.

David Alaba wechselte im Sommer zu Real Madrid

Fotocredit: Getty Images

"Mein erster Clásico war besonders für mich", sagte David Alaba im Gespräch mit dem "kicker". Nachvollziehbar einerseits, weil die Begegnung zwischen seinem neuen Klub Real Madrid und Dauerkontrahent FC Barcelona die wohl meist beachtete der Welt ist. Ein Mythos, das Spiel der Spiele, das Fußball-Fans seit jeher in seinen Bann zieht.
Andererseits schrieb Alaba bei seiner Clásico-Premiere im legendären Camp Nou gleich eine eigene Geschichte. In der 32. Minute eroberte er zunächst den Ball am eigenen Strafraum, startete durch und wurde rund 16 Meter, halblinks vom gegnerischen Tor in Szene gesetzt, ehe er die Kugel unhaltbar für Marc-André ter Stegen wuchtig im langen Eck unterbrachte.
Sein erster Treffer für die Königlichen, ausgerechnet gegen Barça. Real siegte am Ende 2:1.
Die spanische und internationale Presse rückte im Anschluss Alabas Leistung in den Fokus. Die "Mundo Deportivo" schrieb: "Ramos' Erbe vereitelt Messis Thronfolger." Eine Anspielung auf Barcelona-Juwel Ansu Fati, der nach dem Abgang des Superstars die prestigeträchtige Nummer 10 von Messi übernommen hatte.

Alaba "Boss und Mann des Spiels"

Die "as" hatte ein "großartiges Spiel von Alaba“ gesehen, "L’Équipe" bezeichnete den 29-Jährigen als "Boss und Mann des Spiels", der "kaiserlich" agiert habe und die "Daily Mail" aus England mutmaßte, dass "Ramos stolz gewesen wäre."
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David Alaba

Fotocredit: Getty Images

Das Medienecho bestätigte das, was Alaba selbst im Rahmen seiner Vorstellung im Sommer erklärt und zuletzt noch einmal wiederholt hatte. Er sei nun "beim größten Klub" der Welt, schwärmte er damals auf seiner Antritts-Pressekonferenz, vor einigen Tagen sagte er in besagtem "kicker"-Interview: "Hier bei Real ist alles nochmal einen Tick größer, ohne despektierlich gegenüber Bayern zu sein." Einige Fans des FCB nahmen ihrem ehemaligen Liebling derlei Aussagen dennoch übel.
Dass es in Madrid aber auch anders laufen kann, die Gazzetten des Landes schnell mit Kritik bei der Hand sind, musste Alaba kurz nach seinem Gala-Auftritt feststellen. Die Blancos hatten sich Anfang November im Champions-League-Gruppenspiel zu einem 2:1 gegen Schatjor Donezk gemüht, der gebürtige Wiener gab während des Spiels keine gute Figur ab, verlor alle seine Zweikämpfe und sah beim zwischenzeitlichen 1:1 durch Fernando nicht sonderlich gut aus.

Presse-Kritik und Matthäus-Watschn: "Er ist kein Anführer"

Die "as" urteilte: "Alaba verlor den Überblick", die spanische Sportzeitung "Marca" stellte ihm ebenfalls ein mäßiges Zeugnis aus: "Alaba war nicht in Bestform." Kritik gab es auch aus seiner ehemaligen Wahlheimat Deutschland. DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus zog den naheliegenden Vergleich mit dem gen Paris abgewanderten Sergio Ramos, der jahrelang als unangefochtener Abwehrchef bei Real fungierte.
Dass Alaba die Vereinslegende gänzlich ersetzen könnte, glaubt Matthäus nicht. "Real Madrid hat ohne Sergio Ramos seine Persönlichkeit verloren", sagte der Ex-Profi, der mittlerweile vornehmlich als TV-Experte arbeitet, dem Sender "Vamos". Er führte aus, dass Alaba zwar "ein großartiger Spieler" sei, aber nicht über die Führungsqualitäten des Spaniers verfüge: "Er hat diese Persönlichkeit nicht. Er ist kein Anführer wie Ramos." Nun mögen Matthäus' Worte nicht zwingend böswillig gemeint gewesen sein, deutlich waren sie allemal.
Seit seiner Ankunft in der spanischen Hauptstadt sieht sich Alaba, der nicht nur Ramos' Rolle, sondern auch dessen Rückennummer 4 erbte, mit Ramos-Vergleichen konfrontiert. Ein klassischer Vorgang in der Fußball-Berichterstattung. "Ich bin hierher gekommen, um meine eigene Geschichte zu schreiben und mein Spiel zu spielen", sagte der Ex-Münchner kürzlich. "Ich kriege die Vergleiche hin und wieder mit, beschäftige mich aber nicht mit ihnen", so Alaba weiter. Außerdem seien er und Ramos "unterschiedliche Spielertypen, die man kaum miteinander vergleichen kann."

Alaba muss Ramos-Vergleiche aushalten

Aufhören werden die Vergleiche auch in Zukunft freilich nicht. Alaba hatte nach einer neuen Aufgabe, nach Größerem gestrebt, die Mechanismen des Geschäfts sind ihm geläufig. Er wird das ständige Suchen nach Parallelen oder Unterschieden aushalten müssen. Dass er dazu offenbar imstande ist, stellte er am vergangenen Wochenende eindrucksvoll unter Beweis. Im kleinen Stadtderby gegen Rayo Vallecano (2:1) leitete Alaba mit einem traumhaften Pass den Führungstreffer durch Karim Benzema ein. Bereits seine dritte Vorlage im Real-Dress.
Es mag sein, dass Alaba nicht über die Anführer-Attitüde seines Vorgängers verfügt – und dass noch nicht alles perfekt beim neuen Klub läuft. Alaba hat sich dennoch schnell unverzichtbar gemacht. Lediglich einmal musste er verletzungsbedingt passen, ansonsten stand er in allen 15 weiteren Pflchtspielen über die volle Distanz auf dem Platz. Sein erstes ganz großes Highlight verbuchte er auch schon. Ein Tor im wohl meist beachteten Fußball-Duell des Planeten.
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Quelle: Perform

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