Es ist noch nicht allzu lange her, da lag der FC Barcelona am Boden, war nur noch ein Schatten seiner selbst. Ronald Koeman flog und Vereinslegende Xavi Hernandez übernahm als Trainer.
Ein kompliziertes Unterfangen, an dem sich junge Coaches auch schnell verbrennen können - doch Xavi, dessen Erfahrungen als Trainer sich auf etwas mehr als zwei Jahre und 91 Spiele bei Al-Sadd SC in Katar beschränkten, brachte den taumelnden Riesen wieder auf den rechten Weg.
Auch wenn Barca in dieser Saison mit den Titelkämpfen in La Liga, Champions League und Copa del Rey nichts mehr zu tun haben wird, ist die Wandlung vom Häufchen Elend zurück zum stolzen Katalonien-Klub bemerkenswert.
La Liga
Trennung nach 14 Jahren? Xavi plant nicht mehr mit altem Weggefährten
14/06/2022 AM 18:37
Wie konnte das gelingen?

Xavi Hernandéz: Mit einer Prise Klopp zum Erfolg

Andres Weiss, La-Liga-Experte von Eurosport Spanien in Madrid, sieht vor allem die neue Spielweise der Katalanen als Grund für den Aufschwung: "Es ist der neue Spielstil, den Xavi seinem Team eingebläut hat, der Barcelona so gut spielen lässt."
Seit zwölf Ligaspielen ist Barca nun ohne Niederlage, neun der Duelle in diesem Zeitraum wurden gewonnen, darunter auch die vergangenen fünf Ligaspiele mit einem Torverhältnis von 18:2.
Der Auftritt der Blaugrana in beim Clásico in Madrid (4:0) war dabei der absolute Höhepunkt.

Xavi Hernández und Carlo Ancelotti im Clásico

Fotocredit: Getty Images

Auffällig: Xavi hat das unter Pep Guardiola so perfekte Gegenpressing in Barcelona wieder salonfähig gemacht. "Es ist der Stil des Fußballs, den auch Klopp verwendet", beschreibt Weiss. Die Mannschaft sei auffällig stark bei Kontern, schalte blitzschnell um und übe einen hohen Dauerdruck auf die gegnerische Verteidigungslinie aus.
In der Tat ähnelt das neue Barcelona in gewissen Teilen schon wieder dem Team, das Xavi als Spieler selbst jahrelang (1998 - 2015) prägte. Womöglich ist es exakt dieser Erfolg, der noch nicht allzu lange her und in den Köpfen der Spieler noch präsent ist, der Schlüssel, weshalb Xavis Spielidee so gut funktioniert.

Xavi packt die Spieler anders an

Ein weiterer Punkt ist sein Führungsstil, die der 42-Jährige gegenüber seinen Spielern wählt. Aus dem Umfeld des Klubs ist immer wieder zu hören, dass der respektvolle Umgang miteinander über allem steht. "Er behandelt seine Spieler fast schon liebevoll", bestätigt auch Weiss und bringt den so oft gescholtenen Ousmane Dembélé als Beispiel an.
Noch im Winter hieß es von offizieller Seite des Vereins, dass man den streitbaren Franzosen gerne unverzüglich loswerden wolle: "Wir haben ihm und seinen Agenten gesagt, dass er sofort gehen muss, weil wir engagierte Spieler wollen und hoffen, dass ein Transfer vor dem 31. Januar zustande kommt", wurde Sportdirektor Mateu Alemany auf den offiziellen Social-Media-Accounts des Klubs zitiert.

Xavi Hernández und Ousmane Dembélé

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Abgesprochen mit dem Trainerstab sei, dass Barcelona ihn "nicht mehr berufen" werde. Xavi genieße hierbei die volle Unterstützung des Vereins. Im Kader fehlte der 24-Jährige im Anschluss an die Ankündigung des Funktionärs aber nur zwei Mal - im Achtelfinale der Copa del rey (2:3 gegen Athletic Bilbao) und im Ligaspiel gegen Deportivo Alavés (1:0). Anschließend kehrte Dembélé zurück und dreht seit dem komplett auf.
Ein Treffer und sieben Assists in den vergangenen sechs Ligaspielen bezeugen das. Und inzwischen gibt es sogar Berichte, dass Barcelona ihn gerne über den Sommer hinaus halten wolle. Ob das angesichts der vielen Scherben der Vergangenheit funktionieren kann, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

FC Barcelona: Umbruch hat gerade erst begonnen

Gerüchte um einen Abgang Dembélés halten sich jedenfalls hartnäckig. Vor allem PSG soll interessiert sein, sollte mit Kylian Mbappé der "Local Hero" im Sommer den Weg nach Madrid einschlagen.
Das Gesicht Barcelonas wird sich weiter verändern, der Umbruch ist angesichts der schwachen Hinrunde und der weiterhin finanziell sehr angespannten Lage nötig und sinnvoll.
Im vergangenen Winter kamen bereits Pierre-Emerick Aubameyang vom FC Arsenal und Ferran Torres von Manchester City an die katalonische Küste, im Sommer könnten dank eines neuen Sponsoren-Deals mit dem Streamingdienst Spotify weitere Hochkaräter folgen.

Aubameyang and Ferran Torres

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Unter anderem steht der ablösefreie Antonio Rüdiger als Verstärkung für die Innenverteidigung auf der Liste, aber auch die Namen Robert Lewandowski und Mohamed Salah tauchten schon im Zusammenhang mit Barca in den Medien auf.
Wie realistisch vor allem Transfers von Weltstars wie Lewandowski und Salah sind, dürfte ein Blick in die Bilanzen des hochverschuldeten Klubs relativ schnell deutlich machen. Den Anhängern der Blaugrana dürfte ohnehin egal sein, ob jetzt Superstars kommen oder nicht - so lange Legende Xavi an der Seitenlinie steht und Siege einfährt.
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