Drei Dinge, die im Derby zwischen Atlético und Real Madrid auffielen: Schwacher Jude Bellingham im Glück
VonThomas Gaber
Publiziert 25/09/2023 um 00:28 GMT+2 Uhr
Real Madrid verlor das 233. "Derbi madrileño" bei Atlético 1:3, weil Antonio Rüdiger und David Alaba eklatante Schwächen bei hohen Bällen offenbarten. Atlético spielt ausgerechnet im Derby Atlético-Fußball nahe der Perfektion, während Reals Überflieger Jude Bellingham Grenzen aufgezeigt bekommt und nach einer überflüssigen, hässlichen Aktion viel Glück hat. Drei Dinge, die auffielen.
Jude Bellingham von Real Madrid
Fotocredit: Getty Images
Vor dem Duell am Sonntagabend hatte Atlético nur zwei der letzten 20 Derbys gegen Real gewonnen, darunter das bedeutungslose 2:1 im Champions-League-Halbfinale 2017.
Entsprechend erleichtert reagierte Diego Simeone auf den verdienten 3:1-Sieg im Estadio Wanda Metropolitano.
"Wir sind sehr glücklich. Der Sieg war sehr wichtig für uns, meine Mannschaft hat über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht", sagte Atléticos Trainer.
Real verpennte die Anfangsphase und lief einem frühen 0:2-Rückstand hinterher. Jude Bellingham konnte dem Spiel der Königlichen diesmal nicht seinen Stempel aufdrücken - ganz im Gegensatz zu Toni Kroos.
Drei Dinge, die im Madrider Derby auffielen.
1.) Atlético spielt wieder Atlético-Fußball
Beton anrühren, eklig verteidigen und bei Ballgewinn die Kontermaschine anwerfen - diesen Stil hat Atlético Madrid unter Trainer Diego Simeone im letzten Jahrzehnt perfektioniert. Nicht schön, oft auch langweilig - aber überwiegend erfolgreich. Mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln hamsterten die Rojiblancos seit Simeones Amtsantritt 2011 acht Titel.
Simeones Derbybilanz liest sich dagegen mau. Vor dem Spiel am Sonntagabend gewann er von 33 Duellen mit den Königlichen nur sechs, kassierte aber 17 Niederlagen.
Die Bilanz wurde beim 3:1-Sieg etwas aufgebessert. Eine Woche nach der 0:3-Pleite in Valencia, laut Simeone "unser schlechtestes Spiel meiner Amtszeit", besann sich Atlético auf das, was sie stark macht: eklig verteidigen und schnell kontern. Das gelang ausgerechnet im Derby überragend.
Das Umschaltspiel war atemberaubend. Direkt, schnörkellos, vertikal, chirurgisch genau. Vor allem über die linke Seite mit Saúl und Samuel Lino baute Atlético geniale Angriffe auf. Real hatte in der ersten Halbzeit große Schwierigkeiten, die Gegenstöße zu unterbinden.
Gönnte sich der eifrige Lino mal eine Pause, drehten Marco Llorente und Antoine Griezmann auf rechts auf. Vollendet wurden die Offensivaktionen meist mit scharfen Flanken in die Mitte. Alle drei Tore erzielte Atlético per Kopf und profitierte dabei von einer katastrophalen Abwehrarbeit von Real. Die Innenverteidiger David Alaba und Antonio Rüdiger standen jedes Mal komplett falsch.
"Die drei Tore waren eine Fotokopie. Eine Pause, um die Innenverteidiger zu öffnen, und wir waren nicht gut aufgestellt. Wir waren bei keinem der drei Tore kompakt", monierte Ancelotti.
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Antoine Griezmann erzielt das 2:0 für Atlético - weit und breit kein Gegenspieler
Fotocredit: Getty Images
2.) Bellingham bekommt Grenzen gesetzt
Dortmund-Import Jude Bellingham war in den ersten Saisonspielen ein absoluter Volltreffer für Real. Sechs Einsätze, sechs Tore, beste Kritiken. Der 20-Jährige wurde schon mit Klublegende Zinédine Zidane verglichen.
Im Derby bekam Bellingham nun erstmals Grenzen aufgezeigt. Die Atlético-Verteidiger standen ihm ständig auf den Füßen, wodurch der Engländer auf seiner Position als zweite Spitze neben Rodrygo nur selten zur Entfaltung kam.
Die Königlichen spielten kein schlechtes Derby und hatten mehrere Phasen, in denen sie Atlético sogar dominierten. Doch die Angriffe endeten meist am Strafraum, gefährlich war Real nur bei Fernschüssen.
Bellingham stand bei zwei Szenen im Mittelpunkt: Kurz vor Atleticos Führungstor wurde der Engländer an der Sechzehnerlinie gefoult, Schiedsrichter Javier Alberola Rojas ließ jedoch weiterspielen.
In der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit verlor Bellingham die Beherrschung und grätschte Ángel Correa auf Höhe der Mittellinie von der Seite ins Standbein. Ein völlig unnötiges, überhartes Einsteigen, eine schwere Verletzung des Gegenspielers in Kauf nehmend. Eine klare Rote Karte, doch Rojas ließ Gnade vor Recht ergehen und gab nur Gelb.
Sein erstes Madrider Derby sollte Bellingham ganz schnell abhaken.
3.) Kroos sticht Modric aus
Reals "alte Herren" sind in dieser Saison nicht immer erste Wahl bei Real-Coach Carlo Ancelotti. Im Derby wollte der Italiener auf Toni Kroos und Luka Modric jedoch nicht verzichten.
Passspiel, Ballbehandlung und Übersicht sind bei beiden Mittelfeldstars immer noch makellos. Doch während Modric kaum Akzente setzen konnte, keinen seiner vier Zweikämpfe gewann und infolge einer "nicht guten Leistung" (Ancelotti) in der Halbzeit ausgewechselt wurde, war Kroos Dreh- und Angelpunkt im Real-Spiel.
Kroos brachte 78 von 79 Pässen an den Mann und entschied 75 Prozent seiner Zweikämpfe für sich. Gegen das engmaschige Abwehrnetz der Rojiblancos waren Kroos' Diagonalbälle auf die Flügel sehr gefragt.
Der 33-Jährige krönte seine starke Leistung in seinem 424. Pflichtspiel für Real mit einem Tor. Ballannahme und Verwertung aus 20 Metern waren eine Augenweide. Die Derbypleite verhindern konnte aber auch ein glänzend aufgelegte Kroos nicht.
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Quelle: Perform
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