Real Madrid verpflichtet türkisches Supertalent Arda Güler: Eine Mix aus Messi, Robben und Musiala

Arda Güler ist jetzt ein Königlicher. Real Madrid stach im Wettbieten um das türkische Supertalent auch den Erzrivalen aus Barcelona aus. Der 18-Jährige zeigte sich bei seiner ersten Pressekonferenz sehr selbstbewusst. Güler will es mit den größten Real-Legenden aufnehmen. Doch Vorsicht ist geboten: Große Versprechen aus der Türkei haben sich in den letzten Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Arda Güler

Fotocredit: Eurosport

Vergangenen Freitag wurde Arda Güler als Neuzugang von Real Madrid vorgestellt. Dabei flossen viele Tränen - in der spanischen Hauptstadt, aber auch im knapp 2.750 Kilometer entfernten Istanbul.
Als zur Eröffnung der traditionell pompösen Präsentation eines neuen "Madridistas" ein Video-Potpourri aus Gülers Tricks und Toren der jüngeren Vergangenheit gezeigt wurde, begann seiner Mutter an zu weinen. Ihr Sohnemann wischte ihr die Tränen vom Gesicht und gab der Mama einen Kuss. Eine rührende Szene vor einem großen Publikum.
Auch bei Fenerbahce Istanbul lief der Fernseher. Die Spieler versammelten sich nach dem Training zum gemeinsamen Mittagessen und wohnten der Vorstellung ihres ehemaligen Kollegen bei.
Dabei konnte Yigit Efe Demir seine Tränen nicht zurückhalten. Arda Güner ist sein bester Freund, beide spielten mehrere Jahre zusammen bei Fener. Jetzt ist der Buddy weg, Güler sucht mit 18 die größtmögliche Herausforderung im Fußball: Real Madrid.

Real Madrid sticht FC Barcelona im Kampf um Arda Güler aus

In einem Bieterwettstreit setzten sich die Königlichen gegen Erzrivale FC Barcelona durch. Dabei war Barça sogar früher dran. "Viele Klubs wollten mich und wir hatten zu einigen Kontakt", verriet Güler, "aber als Real Madrid in Erscheinung trat und mir mitteilte, dass ich hier spielen kann, hat der Rest an Angeboten für mich an Wert verloren."
Eigentlich hätte Real Güler für eine festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von 17,5 Millionen Euro verpflichten können. Doch der Spieler ist dem 14-maligen Champions-League-Sieger mehr wert. 20 Millionen Euro werden als Fixum überwiesen, mit Bonuszahlungen können noch zehn Millionen Euro dazukommen. Zudem sicherte sich Fenerbahce 20 Prozent Beteiligung, wenn Güler weiterverkauft wird.
Daran denkt Güler nicht, er hat fest vor, sich bei Real durchzusetzen und greift dabei ganz oben ins Regal. "Ich möchte hier eine Legende werden wie Alfredo Di Stéfano", sagte er. Real Madrid hat viele Legenden, der gebürtige Argentinier ist die größte.

Gülers Stärken: Technik, tiefer Körperschwerpunkt, brillanter linker Fuß

Neben Real und Barça waren auch zahlreiche Klubs aus der Premier League und angeblich auch Borussia Dortmund am türkischen Juwel interessiert. Was aber macht Güler so begehrenswert? Er kann im offensiven Mittelfeld alle Positionen bekleiden, wobei er sich rechts am wohlsten fühlt. Güler besticht durch eine feine Technik, den tiefen Körperschwerpunkt und einen brillanten linken Fuß.
Der niedrige Schwerpunkt und die perfekte Ballkontrolle ermöglichen ihm auch in hohem Tempo blitzschnelle Wendungen. Hat er genügend Raum, kommen eine starke Übersicht und ein präzises Passspiel zur Geltung. Führt er den Ball in Strafraumnähe, zieht er gerne in den rechten Halbraum und wählt dann zwischen einem Pass in die Tiefe und dem Torschuss.
Am 19. Juni erzielte Güler im EM-Qualifikationsspiel der Türkei gegen Wales (2:0), seinem viertem Einsatz in der A-Nationalmannschaft, so ein überragendes Tor. Von der rechten Strafraumecke schlenzte er den Ball mit Schmackes in den rechten Winkel. Es sind Treffer mit links wie diese, die ihm in seiner Heimat den Beinamen "türkischer Messi" eingebracht haben. Die Bewegung mit Ball von rechts Richtung Mitte und der Abschluss mit links erinnert auch an Arjen Robben.
Vergleicht man Güler mit Supertalenten aus seiner Generation, kommt er Bayerns Jamal Musiala nahe. Beide sind sich in ihrer Spielweise ähnlich und was Musiala mit rechts kann (Siegtor zur deutschen Meisterschaft in Köln), kann Güler mit links.
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Arda Güler erzielte gegen Wales sein erstes Tor für die A-Nationalmannschaft der Türkei

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Viele türkische Talente sind gescheitert

Daran ist sein Vater maßgeblich beteiligt. Ümit Güler wollte aus Arda einen Linksfüßer machen, "weil wir in unserer Familie keinen hatten", wie er 2022 in einem Interview mit "goal.com" verriet. "Ich habe ihm Luftballons und Fußbälle vor seinen linken Fuß gelegt, damit er ihn häufiger benutzt", so Ümit Güler.
Ardas Fähigkeiten sind herausragend, allerdings hat er in puncto Zweikampfhärte noch viel Luft nach oben. Steht ihm der Gegenspieler auf den Füßen, verliert er oft den Ball, weil er körperlich nicht dagegenhalten kann. "Ardas linker Fuß ist definitiv besser als meiner. Aber sein jetziger Körper ist wie mein Körper, als ich 14 war", sagte Türkeis Nationaltrainer Stefan Kuntz.
In seiner Heimat wird Güler dennoch bereits zum genialsten Kicker seit langer Zeit hochgelobt. "So einen Spieler gibt es nur einmal im Jahrhundert", schrieb die Zeitung "Hürriyet". Die fußballverrückte Türkei hat vor Güler schon viele (angebliche) Megatalente in den Olymp gehoben. Den Durchbruch geschafft hat kaum jemand. 2016 holte Borussia Dortmund den damals 18-jährigen Emre Mor in die Bundesliga - damals auch als türkischer Messi gebrandet.
Ein großes Versprechen, dass sich als Rohrkrepierer entpuppte. Mor fiel seitdem nicht durch sportliche Leistungen, sondern durch Arroganzanfälle abseits des Platzes auf. Sein lächerliches Foto, auf dem in er in einem Bling-Bling-Thron am Swimmingpool posiert, brachte ihm viel Spott ein.
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Emre Mor hatte bei Borussia Dortmund kein Glück

Fotocredit: Getty Images

Es reicht schon, der nächste Hakan Çalhanoğlu zu werden

"Messi der Türkei" - diesen Stempel bekam vor gar nicht langer Zeit auch Ömer Beyaz aufgedrückt. 2021 schnappte sich der VfB Stuttgart den offensiven Mittelfeldspieler ablösefrei von Fenerbahce. In zwei Jahren kam Beyaz auf ganze vier Einsätze in der Bundesliga und drei in der Zweiten Liga als Leihspieler vom 1. FC Magdeburg.
Der Hype um Güler ist auch dem Mann ein Dorn im Auge, der ihn 2019 aus der hoch angesehenen Jugendakademie von Genclerbirligi zu Fenerbahce holte und ihn jetzt an den erfolgreichsten Klub der Welt verlor: Fener-Präsident Ali Koc.
"Millionen von Fenerbahce-Fans haben Arda umarmt. Und er genießt viel Sympathie in den Städten, in denen wir unterwegs sind. Die Tatsache, dass Arda so begehrt ist, ist der Stolz des türkischen Fußballs. Aber die Vergleiche mit Messi bringen uns nicht weiter. Für den türkischen Fußball wäre es schon ein Segen, wenn Arda einmal so gut werden würde wie Hakan Çalhanoğlu", sagte Koc.
Doch Güler hat sich in Madrid mit seinem Di Stéfano-Legendenspruch gleich mal selbst unter Druck gesetzt. Wenn es um die Anzahl von Titeln geht, wirkt er dagegen fast schon bescheiden. Auf der Pressekonferenz nach seiner Vorstellung gab er an, mit Real zweimal die spanische Meisterschaft gewinnen zu wollen. Als ein Journalist daraufhin fragte, warum er nicht die acht Meistertitel von Lionel Messi mit Barça anstrebe, antwortete Güler: "Weil mein Idol Cristiano Ronaldo auch zwei gewonnen hat."
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Quelle: Perform

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