Toni Kroos von Real Madrid beendet nach der EM 2024 seine Karriere: Der Legendenstatus ist ihm sicher
VonThomas Gaber
Publiziert 21/05/2024 um 18:34 GMT+2 Uhr
Toni Kroos wird seine Fußballschuhe nach der EM 2024 an den Nagel hängen - die laut eigener Aussage "mit Abstand schwierigste Entscheidung meines Lebens". Der Körper würde ein weiteres Jahr bei Real Madrid locker verkraften, aber der Kopf hat in diesem Fall die Entscheidungshoheit. Unabhängig vom Ausgang des letzten Kapitels seiner Reise wird Kroos als Legende in die Geschichte eingehen.
Baldiger Ruhestand: Kroos fällt Entscheidung
Quelle: Perform
Mit seiner Entscheidung, nach der EM mit dem Profifußball aufzuhören, hat Toni Kroos den Familienfrieden riskiert. Während Tochter Amelie glücklich ist, dass sie Daddy endlich auf dem Pferd reiten sieht, waren seine Söhne alles andere als begeistert.
"Leon ist - gelinde gesagt - kein Fan dieser Entscheidung", berichtete Kroos in seinem Podcast "Einfach mal Luppen". Leons jüngeren Bruder Fin könne Kroos gerade noch abpassen, damit er den Papa "nicht verprügelt".
Aber nicht nur in den eigenen vier Wänden hat Kroos negative Vibes ausgelöst. "Du weißt, dass ich sauer bin", kommentierte Real-Kollege und Freund David Alaba.
Der Fußball verliert einen seiner größten Stars der letzten zwei Dekaden. Fünfmal gewann Kroos die Champions League, am 1. Juni könnte im Finale gegen Borussia Dortmund Nummer sechs folgen. Erfolgreicher war in der Königsklasse schon jetzt niemand. Sechs Titel bei der FIFA-Klub-WM hat nur ein Spieler - Toni Kroos. Mit dem FC Bayern und Real Madrid heimste er insgesamt 33 Titel ein und wurde 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister.
Toni Kroos und Real Madrid - Liebe auf den ersten Blick
Kroos' Stern ging 2007 in München auf. Als Einwechselspieler bereitete er beim 3:2-Sieg im UEFA-Cup in Belgrad zwei Tore vor. Ui Hoeneß holte den damals 17-Jährigen umgehend auf den Boden zurück. "Den Freistoß werden wir zwei wohl auch noch schaffen, oder?", raunzte der Manager des FC Bayern einen Journalisten an, der es gewagt hatte, Kroos als "Matchwinner" zu bezeichnen.
Weil er sich 2014 mit den Bayern nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen konnte, wechselte Kroos zu Real Madrid und fand dort sein Glück.
"Ich hatte nicht das Gefühl, erst gut spielen zu müssen und dann geliebt zu werden. Ich bin mit offenen Armen in die Real-Familie aufgenommen worden. Was mir dort an Vertrauen, Wertschätzung und auch an Liebe entgegengebracht wurde, werde ich nie vergessen", sagte Kroos.
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Nicht immer auf einer Wellenlänge: Uli Hoeneß (l.) und Toni Kroos
Fotocredit: Imago
Perfekter Zeitpunkt fürs Karriereende
Jahr für Jahr behauptete er sich bei den Königlichen erfolgreich gegen die namhafte Konkurrenz, als Metronom im Mittelfeld verdiente er sich Respekt und Anerkennung. Umso schwerer fällt ihm nun der Abschied.
"Wenn man wie ich mit sechs Jahren angefangen hat, Fußball zu spielen und das 28 Jahre lang einigermaßen hinbekommt und der Fußball immer im Mittelpunkt stand, ist das eine folgenschwere Entscheidung", sagte Kroos. Zumal er physisch in exzellenter Verfassung ist.
"Wenn ich meine Körper frage, ob noch nach der EM ein Jahr drin ist, lautet die Antwort: Ja, ist drin. Aber der Kopf hat halt anders entschieden", so Kroos, der glücklich und stolz ist, "meine Entscheidung selbst zu treffen."
"Ich wollte immer auf dem Höhepunkt meines Schaffens gehen. Jetzt ist gefühlt ein Zeitpunkt, der sich irgendwie perfekt anfühlt", ergänzte er.
"Das Leben ohne Toni wird schwieriger sein"
Von Uli Hoeneß einst als "Querpass-Toni" verunglimpft, lieferte Kroos ein Jahrzehnt lang herausragende Leistungen auf der größtmöglichen Bühne ab. "Zehn Jahre Real Madrid - lecko mio. Das hätte ich nie erwartet, als ich 2014 hierher kam", sagte Kroos.
Nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen, den Rhythmus im Aufbauspiel der Königlichen zu bestimmen und seine chirurgisch genauen Diagonalbälle zu verteilen. Kroos spielte auch in einem Champions-League-Finale so, als würde er mit seinen Kindern im Garten kicken.
"Das Leben ohne Toni wird schwieriger sein", titelte die Zeitung "AS". Real-Präsident Florentino Perez adelte Kroos als einen der "größten Spieler, die je dieses Trikot getragen haben" und Vinicius jr. sprach von einem "schrecklichen Tag für den Fußball".
Das große Finale steht noch an
Letztlich können alle Fußball-Fans dankbar sein, dass Kroos nicht schon 2023 aufgehört hat. "Es war die goldrichtige Entscheidung, weiterzumachen. Ich habe eine komplette Saison ohne Verletzung gespielt und großen Spaß gehabt", so Kroos.
Das ganz große Finale hat sich Kroos für den Schluss aufgehoben. Innerhalb von sechs Wochen kann er zum sechsten Mal Champions-League-Sieger und zum ersten Mal Europameister werden. Doch der Ausgang des letzten Kapitels seiner Reise ändert nichts an seinem Legendenstatus.
Toni Kroos hört auf - lecko mio, was für eine Karriere!
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Quelle: Perform
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