Der stolze FC Valencia geht am Stock: Fledermäuse im Sinkflug: Misserfolg, Geldsorgen, Dauerstress mit dem Besitzer
VonThomas Gaber
Update 22/11/2024 um 08:43 GMT+1 Uhr
2001 und 2002 hatte der FC Valencia eine Hand am Champions-League-Pokal, 2004 schnappte man Real Madrid und dem FC Barcelona die Meisterschaft weg. Doch diese glorreichen Zeiten der Fledermäuse liegen lange zurück: Sportlicher Misserfolg, Geldsorgen und Dauerstress mit dem Besitzer haben den stolzen Klub in Würgegriff. Zudem traf die Flutkatastrophe in der Region den Klub besonders hart.
Der FC Valencia ist Tabellenletzter in Spanien
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Der Fußball stand still in Spanien, zumindest für einen kurzen Moment. Quer durch die Liga zeigten die Klubs große Anteilnahme und Solidarität mit den Opfern der verheerenden Flutkatastrophe in der Region Valencia Ende Oktober.
Viele Stimmen, darunter die der Trainer Hansi Flick (FC Barcelona) und Diego Simeone (Atlético Madrid) wurden laut, man möge den Spielbetrieb doch aussetzen. Diesem Vorschlag kam der Ligaverband nicht nach, lediglich die Spiele mit Teams aus den betroffenen Gebieten wurden verschoben.
Darunter ist der FC Valencia, den die Jahrhundertflut in Spanien auch persönlich getroffen hat. José Castillejo, ein ehemaliger Spieler des Klubs, kam im Alter von 28 Jahren ums Leben.
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"Unser Schmerz über den Verlust von Castillejo ist unermesslich. Wir sind in Gedanken bei seiner Familie und seinen Freunden und allen anderen Opfern dieser verheerenden Flut", ließ der Verein mitteilen.
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Solidarität mit Valencia: Die Real-Stars Aurélien Tchouaméni (l.) Antonio Rüdiger
Fotocredit: Getty Images
Valencia zum ersten Mal seit 70 Jahren wieder Tabellenletzter
Laut Jorge Ordas von Eurosport Spanien hat die Naturkatastrophe dem FC Valencia stark zugesetzt. "Das hat die Situation der Mannschaft außerhalb des Sports noch verschlimmert", sagt Ordas: "Die Moral in der Region ist auf dem Tiefpunkt und der Fußball zur unwichtigen Nebensache geworden. Hinzu kommt, dass die Spielverschiebungen die Spieler aus dem Rhythmus gebracht haben."
Über viele Jahre waren die Fledermäuse das Aushängeschild im Comunidad Valenciana. Doch die großen Erfolge liegen schon 20 Jahre zurück. 2004 wurden Valencia letztmalig spanischer Meister, im Jahr drauf kam der Gewinn des UEFA-Supercups hinzu. Das letzte Europacupspiel absolvierte Valencia im März 2020.
Aktuell sind die Schwarzweißen mit nur einem Saisonsieg Tabellenletzter in Spanien, erstmals seit 70 (!) Jahren. Schon in der Saison 2023 entging man nur knapp dem Abstieg, ehe 2024 immerhin Platz neun in der Endabrechnung erreicht wurde.
Verletzungssorgen und nur ein echter Star
Doch das Rad hat sich zurückgedreht. Die von Trainer Ruben Baraja auf Defensive getrimmte Mannschaft kassiert im Schnitt 1,55 Gegentore - zu viel. 2023/24 waren es über die gesamte Saison hinweg nur 1,18 gewesen.
Kapitän José Gayá fiel lange aus, seine Verteidigerkollegen Mouctar Diakhaby (Außenbandverletzung) und Thierry Correia (Kreuzbandriss) kehren erst 2025 zurück. Der einzige echte Star im Team ist Torhüter Giorgi Mamardashvili, der bei der EM 2024 mit Georgien begeisterte.
Die Gründe für den sportlichen Niedergang reichen mehrere Jahre zurück. "Der Verein hat sich sukzessive von seinen besten Spielern getrennt, ohne sich zu verstärken, und hat hauptsächlich Spieler aus den Jugendmannschaften eingesetzt", schildert Ordas: "So wurden einige interessante Talente entdeckt, aber nicht alle sind der Aufgabe und der Verantwortung gewachsen, einen traditionsreichen Verein zu retten. All dies hat dazu geführt, dass die Fans wütend auf den Eigentümer geworden sind, was die Atmosphäre erschwert hat."
Nur Ärger mit Klubbesitzer Lim
Seit 2014 ist Peter Lim, Unternehmer aus Singapur, der starke Mann an der Spitze des FC Valencia. Doch eigentlich hat es von Anfang an nur Ärger gegeben.
"Der Hauptgrund ist, dass Lim als eine Art 'Retter' kam und das Gegenteil bewirkt hat: Er ist der Mann, der den Verein in den Ruin führen wird", prophezeit Ordas: "Das neue Stadion ist erst halb gebaut, dem Kader fehlt es an Qualität und die wirtschaftliche Situation ist nicht einfach. Das alles belastet das Verhältnis zu Lim erheblich."
Dies verdeutlicht eine Geschichte, die sich vor kurzem in Singapur abgespielt hat. Auf seiner Hochzeitsreise nach Singapur hatte ein Brautpaar vor einem Anwesen Lims ein Schild mit dem Text "Lim go home" nach oben gehalten. Zusätzlich wurde ein "Lim Out"-Sticker an die Haustüre geklebt.
Die Aktion blieb nicht ohne Konsequenzen, da das Bild in den sozialen Medien geteilt wurde. Kurz bevor die frisch Vermählten Singapur wieder verlassen wollten, wurden ihnen am Flughafen die Reisepässe entzogen. Die beiden Valencia-Fans mussten zurück ins Hotel und wurden unter Hausarrest gesetzt. In Singapur gibt es strenge Gesetze, die kritische Äußerungen und Versammlungen einschränken.
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Proteste gegen Klubbesitzer Peter Lim sind in Valencia an der Tagesordnung
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Valencia-Spieler wegen sexueller Übergriffe festgenommen
Mittlerweile ist das Paar zurück in Valencia, wo die Proteste gegen Lim zuletzt wieder zunahmen. Nach der 2:3-Niederlage gegen Las Palma Mitte Oktober wollte eine Gruppe Randalierer den VIP-Bereich des Estadio Mestalla stürmen und zündete danach mehrere Container in Stadionnähe an.
Die Wut der Anhängerschaft richtet sich zusätzlich gegen die Mannschaft und insbesondere gegen Rafa Mir, einen Leihspieler vom FC Sevilla, der bei Valencia ausgebildet wurde. Im September wurde der Stürmer wegen sexueller Übergriffe festgenommen. Der Verein suspendierte Mir, der sich zudem vor Gericht verantworten muss.
Der stolze FC Valencia, einst als hartnäckiger Herausforderer von Real, Barça und Atlético in Spanien gefürchtet und geliebt, kämpft Ende 2024 an vielen Fronten. Den Fans, die infolge der Flut so viel Leid ertragen mussten, ist es zu gönnen, dass die Fledermäuse wieder steigen.
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Quelle: SNTV
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