Marc-André ter Stegen lässt Streit mit dem FC Barcelona zum "offenen Krieg" eskalieren: Torhüter setzt Karriere aufs Spiel

Was fast elf Jahre lang eine innige Liebesbeziehung war, ist zu einer schmutzigen Schlammschlacht eskaliert: Marc-André ter Stegen befindet sich seit Wochen im aktiven Widerstand gegen den FC Barcelona. Gekränkt durch seine Degradierung zur Nummer drei wirft der deutsche Nationaltorhüter seinem Arbeitgeber immer neue Knüppel zwischen die Beine. Am Ende könnte ihn das die Karriere kosten.

Marc-André ter Stegen spielt seit 2014 beim FC Barcelona

Fotocredit: Getty Images

Mit Joan García, Wojciech Szczesny und Marc-André ter Stegen hat der FC Barcelona gleich drei Torhüter von internationalem Format im Kader. Dumm nur, dass aktuell keiner spielen kann und die Ligasaison 2025/26 bereits am 16. August startet.
García ist als Neuzugang und Szczesny infolge seines Anschlussvertrages (noch) nicht spielberechtigt, ter Stegen ist verletzt und wurde obendrein aussortiert. Aus diesem Grund hat der Verein auch Iñaki Peña den Wechselwunsch verweigert - die aktuelle Nummer vier soll sich bereithalten, gegen RCD Mallorca zwischen den Pfosten zu stehen.
Einerseits ist die Torhüter-Posse hausgemacht. Weil das Geld an allen Ecken und Enden fehlt, müssen die Katalanen seit Jahren aufgrund der Richtlinien von La Liga um die Spielberechtigung neuer Spieler bangen.
Andererseits hat ter Stegen seine Finger im schaurigen Spiel. Der Torhüter nutzt jede Gelegenheit, seinem Arbeitgeber zu schaden. Fragen und Antworten zum "offenen Krieg" ("El Mundo Deportivo") zwischen ter Stegen und dem FC Barcelona.

ter Stegen vs. Barça: Wie konnte es so weit kommen?

Die Faktenlage war - zum Leidwesen ter Stegens - eigentlich klar: Neuzugang García wird neue Nummer eins, Szczesny Nummer zwei. Ter Stegen wurde von Barça aufs Abstellgleis gestellt in der Hoffnung, der Torhüter würde sich einen neuen Verein suchen. Dadurch hätte sich der Verein viel Geld gespart, was nötig ist, um die Spielberechtigung für die neuen Spieler zu bekommen.
Doch Barça machte die Rechnung ohne ter Stegen. Erst weigerte er sich, den Klub zu verlassen. Dann veröffentlichte er in mehreren Social-Media-Posts ein eigenes ärztliches Bulletin über seine Rückenverletzung und dem zu erwartenden Heilungsprozess. Die behandelnden Ärzte hielt ter Stegen aus der Angelegenheit heraus, genauso wie den Verein.
Knackpunkt ist der von ter Stegen genannte Zeitraum seines Ausfalls: drei Monate. Kritiker werfen ihm vor, diese Dauer ganz bewusst gewählt zu haben. Denn: In Spanien kann ein Klub bis zu 80 Prozent des Gehalts eines Spielers zur Einschreibung anderer Spieler nur dann verwenden, wenn dieser mindestens vier Monate ausfällt.
Bei kolportierten 14 Millionen Euro Jahresgehalt für ter Stegen ein dicker Batzen, der locker reichen würde, um García und Szczesny zu registrieren.
Da es sich bei Stegens Prognose über den Heilungsverlauf freilich nicht um ein offizielles ärztliches Dokument handelt, ging der Verein davon aus, immer noch am längeren Hebel zu sitzen. Eine Einschätzung über den Ausfall eines Spielers übernimmt in Spanien final die medizinische Kommission der Liga. Dafür erhält sie vom jeweiligen Verein alle relevanten Unterlagen des Patienten - ein Routinevorgang.
Doch erneut brüskierte ter Stegen seinen Arbeitgeber, indem er die Herausgabe der Krankenakte einfach verweigerte. Infolgedessen leitete der FC Barcelona ein internes Disziplinarverfahren gegen ter Stegen ein.

Wie ist der aktuelle Stand?

Die Situation ist völlig verfahren. Eine Lösung zwischen den Beteiligten ist ohne Rechtsstreit nicht in Sicht. Das von Barcelona mittlerweile bestätigte eingeleitete Disziplinarverfahren gegen ter Stegen lässt den Streit weiter eskalieren.
Juristisch gesehen ist ter Stegens Weigerung, die Krankenakte weiterzuleiten, aufgrund seines Rechts auf ärztliche Verschwiegenheit nicht verwerflich. Allerdings könnte ter Stegen dies durch seine eigene Publikation über Inhalt und Dauer der Verletzung eingeschränkt haben.
Rechtsexperten attestieren dem FC Barcelona die Möglichkeit, ter Stegen wegen vereinsschädigenden Verhaltens zu verklagen. Demnach riskiert der Torhüter eine außerordentliche Kündigung.

Wie steht Trainer Hansi Flick zu ter Stegen?

Der Coach soll Ende der letzten Saison ter Stegens Verhalten missbilligt haben. Konkret geht es um ter Stegens öffentlich geäußerte Forderung, nach überstandener halbjähriger Verletzungspause den Nummer-eins-Status von Szczesny zurückzuerhalten. Flick wertete dies laut "Sport" als "respektlos" gegenüber Szczesny.
Zudem verweigerte ter Stegen als Kapitän der Mannschaft die obligatorische Rede auf der Meisterfeier - in den Augen von Flick ein weiterer Affront gegen den Teamgedanken.
Mit dem Plan, Joan Garcia von Stadtrivale Espanyol zu verpflichten, entschied sich Flick dann auch sportlich gegen ter Stegen. Die Degradierung zur Nummer drei noch hinter Szczesny wurde in spanischen Medien als "Denkzettel" für ter Stegens Handeln interpretiert. Das Tischtuch zwischen Trainer und Spieler ist zerschnitten.
picture

Tischtuch zerschnitten: Hansi Flick (l.) im Gespräch mit Marc-André ter Stegen

Fotocredit: Getty Images

Was bedeutet ter Stegens Situation für seine Karriere?

Egal, wie die Geschichte ausgeht: Marc-André ter Stegen wird als Verlierer hervorgehen. Er hat sich mit der offen ausgetragenen Konfrontation gegen Barcelona massiv selbst geschadet und potenzielle neue Arbeitgeber abgeschreckt - unabhängig von seiner Rückenverletzung.
In den spanischen Medien werden ter Stegen unisono Egoismus und Rachegelüste gegenüber dem Klub und García vorgehalten. "Er betrachtet das Tor als sein Eigentum", schrieb "El Mundo Deportivo" und "Sport" nannte ihn "unsolidarisch und grausam mit einem Teamkollegen (García)". Ein Verhalten, das eines Kapitäns unwürdig sei.
Laut dem Magazin "Der Spiegel" hat sich ter Stegen in eine "Sackgasse aus Stolz" verrannt. Für den FC Barcelona wird er nicht mehr spielen und ein neuer Verein ist aktuell nicht in Sicht.
Auch für seinen Traum, 2026 endlich im Tor der deutschen Nationalmannschaft bei einem großen Turnier zu stehen, könnte sein Krieg gegen Barça weitreichende Folgen haben. Ohne regelmäßige Einsätze im Verein ist er kein Kandidat für die Mammut-WM in den USA, Kanada und Mexiko.
picture

Wirtz, Ekitike, Cherki: Die Newcomer der Premier League

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung