FC Liverpool gewinnt den Carabao Cup gegen Chelsea: Klopps größtes Vermächtnis mit der Kinder-Bande

Jürgen Klopp gewinnt auf seiner Abschiedstournee mit dem FC Liverpool die erste von vier möglichen Trophäen. Den Titel im Carabao Cup durch einen Finalsieg gegen Chelsea (1:0) bezeichnete der Coach als "mit Abstand speziellesten meiner 20-jährigen Trainerkarriere". Mit seinem Mut, eine Handvoll Teenager reinzuwerfen, ist Klopp endgültig zur Reds-Legende aufgestiegen - ob er will oder nicht.

Klopp auf Wolke sieben: "Absolut außergewöhnlich"

Quelle: Perform

Virgil van Dijk wusste nicht so recht, wohin mit seinen Emotionen. Nach Abpfiff reckte Liverpools Siegtorschütze mit geschlossenen Augen beide Fäuste in den Himmel, unmittelbar gefolgt von tränenreichen Umarmungen inmitten einer Spielertraube.
Es war "nur" das Finale des Carabao Cups, einem Wettbewerb, der in England eher belächelt und als nettes Zubrot neben Premier League und FA Cup gesehen wird und den die Trainer der Großklubs gerne benutzen, um Spielern aus der zweiten Reihe Spielpraxis zu geben.
Für den Liverpool Football Club hat der Sieg im Finale gegen Chelsea aber eine ganz besondere Bedeutung - in zweierlei Hinsicht. Nach einer Saison voller Rückschläge, in der erstmals seit seiner Ankunft in Liverpool im Oktober 2015 Zweifel an Jürgen Klopp aufkamen und langjährige Stammkräfte wie van Dijk, Mohamed Salah oder Trent-Alexander Arnold körperlich und mental ausgelaugt wirkten, sind die Reds zurück im Kreis der Trophäensammler.
Van Dijk verspürte nach dem Sieg enorme Genugtuung. "Sie dachten, ich bin am Ende", sagte der Niederländer in einem kurzen Videoclip, der in der Liverpooler Kabine aufgenommen und auf den sozialen Kanälen des Klubs verbreitet wurde. Van Dijks Mimik nach diesem Satz hinterlässt eine eindeutige Botschaft an seine Kritiker: Da habt ihr euch wohl geschnitten ...

Liverpool fehlen elf verletzte Spieler

Das Titel-Comeback der Reds ist angesichts der außergewöhnlichen Umstände im Finale umso bemerkenswerter. Elf (!) Spieler, die im erweiterten Kreis der Stammelf sind, fehlten verletzt. Darunter Salah, Alexander-Arnold, Darwin Núñez, Dominik Szoboszlai, Diogo Jota, Thiago und Alisson. Zudem musste Ryan Gravenberch nach einem harten Tritt auf den Knöchel von Caicedo bereits nach 28 Minuten ausgewechselt werden.
Mit Conor Bradley stand ein 20-jähriges Talent aus dem eigenen Stall als Rechtsverteidiger in der Startelf. Im Laufe des Spiels wechselte Klopp mit Bobby Clark (19) Jayden Danns (18) Jarell Quansah (21) James McConnell (19) vier weitere Spieler aus der Liverpool-Akademie ein.
"Die Kinder von Jürgen Klopp besiegen die blauen Milliardärsflaschen", urteilte TV-Experte Gary Neville despektierlich in Richtung Chelsea. Das Pendel in der Berichterstattung über das Finale schlägt in den englischen Medien aber klar zugunsten Klopps Kinder-Bande aus.
Der Coach wird für seinen Mut, in der Crunchtime eines Endspiels einen Teenager nach dem anderen reinzuschmeißen, bewundert. "Liverpools furchtlose Youngster sind Jürgen Klopps größtes Vermächtnis", titelte der "Telegraph".
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Klopp: "Mein Vermächtnis ist mir völlig egal"

Quelle: Perform

Klopp bringt Geist und Identität in Liverpool zurück

Klopps Erbe ist nicht der zehnte Liverpooler Triumph im Ligapokal, so willkommen er auch sein mag, und auch nicht das Aufrechterhalten des möglichen Quadrupels mit Liga, FA Cup und Europa League, Es ist sein Glaube an die Reds-Kids aus Kirkby, wo die Talente geschliffen werden. "Klopp hat den Geist und die Identität zurückgebracht. Das ist Liverpool", schrieb die "Daily Mail".
"Es war unglaublich. All die jungen Leute auf dem Platz... Ich bin so stolz auf die Mannschaft. Wir haben es gemeinsam geschafft - den widrigen Umständen zum Trotz", sagte "Papa" van Dijk bei der "BBC".
Klopp sprach von einem "überwältigen Gefühl". "Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas schon mal gegeben hat. Was hier passiert ist, ist der absolute Wahnsinn. Wir brauchten hinten raus frische Beine. Die Jungs haben den Job erledigt. Was für eine Akademie voller Charakter", sagte er auf der Pressekonferenz.
Der Coach ist nach eigener Aussage schon länger von Clark, Danns und Co. überzeugt. "Sie haben sehr viel Zeit mit uns trainiert. Sie sind eine Qual, um ehrlich zu sein! Sie wollen alle Minuten", verriet Klopp. Gegen Chelsea hatte er aufgrund des Personalmangels gar keine andere Wahl, als den "Nervensägen" diesen Wunsch zu erfüllen.
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Kapitän Virgil van Dijk feiert mit Jayden Danns und Bobby Clark

Fotocredit: Getty Images

Klopp kritisiert Terminplan

Persönlich wollte sich Klopp den Sieg nicht auf die Fahnen schreiben. "Mich könnte nichts weniger interessieren als mein mögliches Vermächtnis. Ich habe hier einen Job zu erledigen und werde bis zu meinem letzten Tag hier alles geben, dass es ein vernünftiger Job ist", sagte Klopp.
Im Moment der großen Emotionen richtete er seinen Blick nach vorne. Schon am Mittwoch ist das nächste Pokalspiel - im FA Cup gegen Southampton. Für Klopp die passende Gelegenheit, mal wieder Giftpfeil auf die Terminplaner abzufeuern.
"Offenbar will niemand in diesem Land eine Mannschaft sehen, die beide Pokale in einer Saison gewinnt. Deshalb setzen sie die nächste Runde im FA Cup drei Tage nach einem Finale an", sagte er. "Ich habe keine Ahnung, wen ich am Mittwoch aufstellen kann. Aber es werden schon ein paar Jungs im Liverpool-Trikot auflaufen."
Notfalls halt wieder ein paar Kids aus Kirkby.
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Quelle: Perform

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