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Europa rätselt: Ist Rafael Benítez der richtige Trainer für Real Madrid?
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Publiziert 26/05/2015 um 15:53 GMT+2 Uhr
Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Rafael Benítez bei Real Madrid die Nachfolge von Carlo Ancelotti antreten wird. Aber ist das eine sinnvolle Wahl?
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Die Madridistas hätten gerne Jürgen Klopp, doch alle Anzeichen deuten auf Rafa Benítez hin. Nach der Entlassung von Real Madrids Trainer Carlo Ancelotti ist der aktuelle Coach des SSC Neapel der heißeste Nachfolgekandidat beim spanischen Rekordmeister.
Daran hat auch Ancelottis Berater Ernesto Bronzetti keinen Zweifel. "Benítez wird zu 99 Prozent Trainer von Real Madrid", sagte Bronzetti in einem Interview mit Rai Sport aus Italien.
Reals mächtiger Präsident Florentino Perez nährte diese Annahme auch mit der Ankündigung, den neuen Trainer in der kommenden Woche zu präsentieren – und dass dieser Spanisch sprechen werde. Alle Anzeichen deutet also darauf hin, dass Benítez bei die Nachfolge von Ancelotti antreten wird. Aber wie sinnvoll ist diese Entwicklung bei Real überhaupt?
WIR HABEN DAS INTERNATIONALE NETZWERK VON EUROSPORT BEFRAGT:
Ignacio Ruiz - Eurosport Spanien:
Benítez ist einer der besten Trainer Europas. Ob er dadurch der richtige Trainer für Real ist? Das ist schwer zu sagen. In der vergangenen Jahren haben die unterschiedlichsten Charaktere und Typen auf dem Trainerstuhl gesessen. Und allein Ancelotti war fähig, erfolgreich zu arbeiten und neben Titeln auch Fans, Mannschaft und Medien für sich zu gewinnen.
Der Neue wird genau daran gemessen werden: Erfolg in Bezug auf Titel, Team, Fans, Presse und Präsidium.
Maxime Dupuis –Eurosport Frankreich:
Benítez ist nicht der Heilsbringer für Real Madrid. Seit 2005 ist er in einer einzigen Traumblase gefangen: dem Champions-League-Sieg 2005 in Istanbul. Ich kann einfach nicht verstehen, wie man für ihn einen Carlo Ancelotti feuern kann?! Das ist völlig verrückt!
Falls Benítez vor rund zehn Jahren mal zu den besten Trainern der Welt gehört haben soll, dann schafft er es jetzt bestenfalls noch knapp in die Top 10. Real hätte an Ancelotti festhalten sollen.
Joshua Hayward – Eurosport UK:
Die jüngsten Leistungen von Benítez qualifizieren ihn nicht wirklich für die große Herausforderung, Reals Rückstand auf den FC Barcelona wieder zu egalisieren und Barca zu überholen. Benítez mag mit Neapel den italienischen Pokal und Supercup gewonnen haben. Doch er scheiterte in der Europa League an Dnipropetrovsk, hat in der Meisterschaft zudem 23 Punkte Rückstand auf Meister Juventus. Und er soll Real wieder ganz nach vorne bringen? – Das ist bizarr.
Jürgen Klopp wäre eine unterhaltsame Vorstellung, aber das wäre Klopp bei jedem Verein. Ob er aber mit dem Ego von Ronaldo und Co. umgehen könnte, steht auf einem anderen Blatt. Der Trainerjob bei Real ist so süß wie eine vergiftete Praline. Mit ziemlicher Sicherheit kostet er dich eines Tages deinen Kopf. Vielleicht gibt es für Real aktuell nur einen idealen Trainer: Präsident Florentino Perez. Niemand sonst kann wohl seine hohen Ansprüche erfüllen.
Mattia Fontana – Eurosport Italien:
Ist Rafa Benítez der richtige Coach für Real Madrid? – Nun, ich denke, er ist der schlechteste Coach für Real Madrid. Seine letzte Meisterschaft hat er 2004 gewonnen. Zudem ist er kein Freund von festen Stammformationen, was im Starensemble von Madrid zu Problemen führen könnte. Zudem klebt er an seiner 4-2-3-1-Formation. So eine taktische Denkweise ist aber zu starr für ein Team wie Real Madrid.
Ich wäre sehr für Jürgen Klopp als Nachfolger von Ancelotti. Er ist jung genug, um einen langen Weg zu gehen. Und er ist interessant genug, um im Unterhaltungszirkus von Madrid bestehen zu können.
Aleksandr Aksenov – Eurosport Russland:
Rafa Benítez ist für jeden Klub eine gute Wahl – für einen kurzen Zeitraum. Sein Engagement in Liverpool, bei Chelsea und dem SSC Neapel belegen das. Es heißt, Ancelotti müsse sich einer Operation unterziehen. Insofern wäre Benítez aus einem einfachen Grund eine gute Wahl: Er übernimmt, bis Ancelotti wohlgenesen 2016 wieder zurückkommt.
Natürlich gibt es auch für einen Klub wie Real Madrid den perfekten Trainer. Einer der Klasse hat, mit Stars und eitlen Klub-Bossen umgehen kann: Carlo Ancelotti.
Meric Gürsoy – Eurosport Türkei:
Nein. Rafael Benítez und Real Madrid, das passt nicht. Er ist zwar erfahren und hat Erfolge vorzuweisen. Aber um bei Real erfolgreich zu sein, muss auch die Chemie stimmen. Und hier passt Benítez nicht in die Erwartungshaltung von Real. Benítez baut seinen Erfolg langsam auf, diese Geduld wird es in Madrid nicht geben. Dort muss der schnelle Erfolg her.
Jürgen Klopp würde da etwas besser ins Konzept passen. Zwar sind seine Planungen auch eher perspektivisch ausgerichtet. Aber aufgrund seines Charmes würde er sich bei den Real-Bossen mehr Geduld verdienen als Benítez.
Michael Wollny - Eurosport Deutschland:
Ob und warum Rafael Benítez der Richtige für Real ist, muss Florentino Perez beantworten. Ich finde die gesamte Entwicklung falsch. In Madrid wird an einer überholten Hire-and-Fire-Mentalität festgehalten, der in der Vergangenheit bereits ein Erfolgstrainer wie Jupp Heynckes mit frisch gewonnenem Champions-League-Titel zum Opfer gefallen ist. In der Gegenwart ist so ein radikales Prozedere aber nicht mehr zeitgemäß, wenn gute Argumente fehlen, die über den Hinweis auf größenwahnsinnige Ansprüche hinausgehen.
Carlo Ancelotti ist ein Weltklassetrainer, der bei Real hervorragende Arbeit geleistet und seine eigene Handschrift hinterlassen hat. Funktionäre wie Florentino Perez sollten endlich mal erkennen, dass Geld zwar Tore schießt, eine absolute Titelgarantie aber nicht zu kaufen ist. Denn Gewinnen und Verlieren liegt nun mal in der Natur des Sports. Und wer heute mit Anstand verliert, qualifiziert sich morgen auch wieder für Siege. In diesem Punkt hat sich Ancelotti nichts zu Schulden kommen lassen. Bei Perez kann man das nicht behaupten.
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