Atlético Madrid könnte mit Trainer Diego Simeone wieder Real Madrid und Barcelona abhängen

Stell dir vor, du bist Erster, und keiner kriegt's mit: Obwohl sich Atlético Madrid an die Tabellenspitze der Primera Division geschlichen hat, läuft der Klub weiter unter dem Radar. Den "Rojiblancos" selbst dürfte das ganz recht ein. Diego Simeones Mannschaft hat sich erneut gewandelt, diesmal nicht nur personell. Carlo Ancelotti lobt, ein wunder Punkt könnte Atlético aber alles kosten.

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Was war das für ein Getöse, um Himmels Willen, man musste ja meinen, die fußballerische Apokalypse wäre nah! Real Madrid hat Minderjährige verpflichtet, obwohl es nicht durfte, eine Transfersperre über eineinhalb Jahre wurde verhängt und aufgeregt debattiert. Ein Kaufrausch in der noch laufenden Wechselperiode, von Paul Pogba bis Robert Lewandowski, alles schien und scheint plötzlich möglich.
Der Aufschrei über die reale Buße vergaß mehr oder weniger, dass auch Atético betroffen ist, in identischer Weise. Und irgendwie passt das natürlich, denn: Wer ist schon Atlético? Der kleine Madrider Verein, nicht so glamourös wie die mondänen "Königlichen", bei weitem nicht. Ein Mauerblümchen in Kickstiefeln.
Ach ja, Tabellenführer der Primera Divison sind sie zufälligerweise auch.
Wie Real fechtet Atlético die Transfersperre an, "die Fans müssen ruhig bleiben", warnt Präsident Enrique Cerezo.
Im Schatten von Real und des FC Barcelona sind die "Rojiblancos" mal wieder ein Geheimtipp, der nicht geheim sein sollte, aber geheimer denn je ist. Die Blätterwälder rauschen bei anderen, Atlético findet nicht die Beachtung, die es verdient hätte - und wohl gar nicht will.

Ancelotti verrät seine Probleme gegen Atlético

Trainer Diego Simeone hat es erneut hingekriegt, seine Truppe in Topform zu bringen, und das ist noch bemerkenswerter, weil er jedes Jahr neu ansetzen muss. "Das Geniale an ihm ist, dass er die Motivation immer aufrechterhält, egal, mit welchem Kader er arbeitet", würdigt der künftige Bayern-Coach Carlo Ancelotti bei "goal.com". Am Sonntag arbeitete Simeone jedenfalls mit einem Kader, der Las Palmas 3:0 bezwang.
Der 45-jährige Argentinier steht Atlético seit Ende 2011 vor, er verleiht Kontur und Profil, viele halten ihn für einen der besten Trainer der Welt. 2014 gewann er mit dem Klub die Meisterschaft, die erste seit 1996 (damals war er noch als Profi beteiligt). Einen "Sieg der kleinen Leute", nannte Filipe Luis die historische Errungenschaft, ehe er sich verabschiedete, gemeinsam mit Diego Costa und Thibaut Courtios zu Chelsea. Ein Jahr später verlor Simeone die Führungsfigur Arda Turan an Barcelona.
Reichte es 2014 fast zum Champions-League-Triumph - Atlético unterlag erst in der Verlängerung gegen Ancelottis Real -, wurde die Vorsaison als Dritter abgeschlossen, trotz des Aderlasses. Im aktuellen Arbeitsjahr hievte sich der "Arbeiterverein" am 18. Spieltag an die Spitze, wobei Barca ein Spiel weniger absolviert hat. Im Pokal (Viertelfinale gebucht) und der Champions League (im Achtelfinale gegen Eindhoven) ist Atlético ebenfalls in der Verlosung.
"Das Team spielt um Titel mit, weil es eine Einheit ist. Es tritt äußerst entschlossen auf", erklärt Ancelotti und verrät:
Das ist nach wie vor so, acht Gegentreffer in 20 Partien verdeutlichen, wie unangenehm sie zu bespielen sind. "Wir wollen lästig sein, die Gegner sollen sich geplagt fühlen, wenn sie gegen uns antreten. Das haben wir geschafft", raunt Simeone. Allerdings weiß nicht nur er: "Am schwierigsten ist es, kontinuierlich dabei zu bleiben."

Griezmann wurde für Bayern interessant

Vor allem, weil die personelle Fluktuation eben erheblich ist. Im Sommer kamen neben den Großeinkäufen Jackson Martinez (für 35 Millionen aus Porto) und Stefan Savic (Florenz) eine Reihe junger Akteure, darunter Bernard Mensah (20), Luciano Vietto (21), Yannick Ferreira Carrasco (21) und Matias Kranevitter (22). Entwicklungsfähig bedeutet jedoch auch: lernbedürftig. Die Neuen müssen sich an den speziellen Simeone-Stil adaptieren.
Atléticos Spiel basiert auf zwei Ästen, Disziplin und Individualität. Die Achse kurbelt sich um Verteidiger Diego Godin, Taktgeber Koke sowie Angreifer Antoine Griezmann, der Franzose soll inzwischen für Bayern, Chelsea und Paris interessant sein. 18 Tore hat er wettbewerbsübergreifend geschossen, doch die Kluft zum Zweiten dieser Rangliste (Saul Niguez, fünf) bildet Atléticos wunden Punkt ab: Es hapert offensiv.
Carrasco überzeugt, Martinez nicht, Ikone Fernando Torres ist nur Joker. Ganze 30 Treffer gelangen bisher in der Liga, Barca steht bei 50, Real bei 57. Simeones Team siegt oft, aber ebenso oft ohne Schleifen und Girlanden, 1:0, 2:0, 2:1. Lediglich zweimal, gegen Las Palmas und am 2. Spieltag in Sevilla, sprangen mehr als zwei Tore heraus.

Mehr Ballbesitz, weniger Konter

Hängt das mit der abgewandelten Ausrichtung zusammen? "In dieser Saison hat sich Atlético etwas verändert", analysiert Ancelotti.
Ballbesitz wurde elementarer, die Konterstärke leicht zurückgefahren. Simeones Orchester weist nun eine andere Statik auf, es benötigt Zeit, umso erstaunlicher ist die exzellente Zwischenbilanz.
"Real und Barcelona haben die größeren Chancen, die Liga zu gewinnen, denn sie haben die besseren Fußballer", glaubt Simeone. Naja: Dann muss Atlético halt wieder lästiger werden.
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