Taktik-Check: So funktioniert das Turbo-Trio "MSN" mit Messi, Suarez, Neymar beim FC Barcelona

Lionel Messi, Luis Suarez und Neymar - oder kurz "MSN": Mit dem südamerikanischen Trio besitzt der FC Barcelona die spektakulärste und wohl durchschlagskräftigste Sturmreihe der jüngeren Fußballgeschichte. Vor dem Spitzenspiel der Katalanen gegen Atletico Madrid (Samstag, 16:00 Uhr im Liveticker) erklärt Eurosport.de, warum die drei Superstars so gut harmonieren.

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Die ganze Fußballwelt feiert "MSN". Fast jede Woche verzaubern Messi, Suarez und Neymar ihre Anhänger, beeindrucken die neutralen Zuschauer - und frustrieren die Anhänger des Erzrivalen.
Bei all den Rekorden, die sie aufstellen und all den Lobeshymnen, die auf sie gesungen werden, wird in der medialen Berichterstattung jedoch häufig ein wichtiger Punkt vergessen: Warum funktioniert das Trio eigentlich so harmonisch?

Der Standardaufbau über rechts

Im 4-3-3 des FC Barcelona besetzt Neymar die linke Außenbahn, Suarez das Sturmzentrum und Messi die rechte Seite. Dabei interpretieren sie ihre Rollen jedoch nicht nur ungewöhnlich, sondern auch hervorragend aufeinander abgestimmt.
Barca baut das Spiel hauptsächlich über die halbrechte Seite auf. Dort lässt sich Messi immer wieder fallen, um sich mit dem Ball in Richtung Spielfeldmitte zu drehen. Ivan Rakitic (rechter Achter) oder Dani Alves (Rechtsverteidiger) besetzen dafür den Raum auf der rechten Seite, um den Gegner vor Zuordnungsprobleme zu stellen.
Während sich Suarez aus dem Sturmzentrum heraus in die Schnittstelle zwischen dem gegnerischen Innen- und Linksverteidiger orientiert, bleibt Neymar auf der linken Seite in einer extrem breiten Position. Die regelmäßige Folge: Suarez und Neymar beschäftigen zu zweit die komplette Viererkette des Gegners.

Messi und die Schnittstellen

Wenn Messi dann Tempo aufnimmt und gegen die defensiven Mittelfeldspieler des Gegners ins Dribbling geht, gibt es zwei Möglichkeiten. Oftmals startet Neymar diagonal im Rücken des gegnerischen Rechtsverteidigers und zieht zum Tor.
Dabei stellt der Brasilianer kurz Blickkontakt mit Messi her, der mit seinem Antritt die komplette Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Einen Sekundenbruchteil später folgt regelmäßig der Pass durch die Schnittstelle - natürlich so, dass Neymar direkt aus vollem Lauf mit dem starken rechten Fuß abschließen kann.
Die zweite Variante ist, dass Neymar an der Auslinie kleben bleibt und Messi durchs Zentrum bis nach halblinks dribbelt. Von dort aus spielt er den Ball raus zu Neymar und startet selbst durch die Schnittstelle zwischen Innen- und Außenverteidiger. Nun kann "La Pulga" direkt wieder geschickt werden und zum Abschluss kommen.
Durch den Laufweg öffnet Messi jedoch auch den Raum im Zentrum, in den Neymar dribbeln kann. Aus halblinker Position sucht der Brasilianer entweder selbst den Abschluss oder lupft den Ball über die Abwehrkette auf den lauernden Suarez - der die Bälle gerne und oft volley nimmt.

Teilzeitkräfte in der Defensive

Die größten Offensivkönner nehmen sich heutzutage bis auf wenige Ausnahmen kaum noch komplett aus dem Defensivspiel heraus, dennoch genießen sie oft einen Sonderstatus. Doch Luis Enrique kann es natürlich nicht dulden, dass alle drei Ausnahmespieler nach Ballverlust vorne stehen bleiben.
Dennoch gelingt es dem Trio, sich genügend Auszeiten zu nehmen, um in den entscheidenden Situationen frisch für die womöglich entscheidende Situation zu sein. Weil sich Messi, Suarez und Neymar in Ballbesitz ohnehin weit und oft von ihren Grundpositionen entfernen, stehen sie bei Ballverlusten in der Regel recht nah beieinander.
So können sie schnell ins Gegenpressing übergehen - dieses kurze Intervall von maximal fünf Sekunden ist deutlich angenehmer als ständige Sprints zurück in die eigene Hälfte. Kann der Gegner sich schnell befreien und ins Mittelfeld spielen, wechseln sich die drei Stürmer ab: Einer geht zurück auf den ballfernen Flügel, während ein anderer sich am gegnerischen Sechser orientiert, um Rückpässe abzufangen. Der verbleibende Spieler aus dem Trio darf sich vorne ausruhen – und sich natürlich gleich wieder für einen möglichen Konter in Position bringen.

Individualisten - und Teamplayer!

Ein nicht zu unterschätzender Faktor für die große Harmonie des Trios ist zudem das Ausblenden jeglicher persönlicher Eitelkeiten. Wer die Tore schießt, ist schlichtweg egal: Vor dem Tor wird der Ball immer wieder quer gespielt, bei vielen Treffern muss der Ball einfach nur über die Linie gedrückt werden.
Auch bei Standardsituationen sieht man, dass es keinen Neid unter den Superstars gibt: So „schenkt“ Messi Neymar hier und da einen Elfmeter, um sich für die gute Leistung zu belohnen, auch bei direkten Freistößen um den Strafraum herum wechseln sie sich munter ab.
"MSN" ist also das beste Beispiel dafür, dass Teamplayer und Individualisten nicht zwingend Gegensätze seien müssen – denn sie vereinen diese beiden Spielertypen. Genau das macht es schier unmöglich, den FC Barcelona über 90 Minuten hinweg in Schach zu halten. Ein Sieg gegen Atletico könnte angesichts der Konstellation in der Tabelle und einem Spiel in der Hinterhand eine kleine Vorentscheidung im spanischen Titelrennen sein.
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