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Xavi exklusiv: "Thiago und Javi Martínez werden meine Generation ablösen"
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Publiziert 29/10/2015 um 14:35 GMT+1 Uhr
Xavi hat jahrelang die spanische Nationalmannschaft und den FC Barcelona geprägt. Im exklusiven Interview mit eurosport.com erklärt der 35 Jahre alte Katar-Export, dass er zwei Bayern-Stars seine Nachfolge zutraut, wieso Barça 2016 noch stärker wird und Piqué mehr Respekt bekommen sollte.
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Xavi, Sie spielten jahrelang Seite an Seite mit Lionel Messi beim FC Barcelona. Was meinen Sie, wie sehr geht der verletzte Messi seiner Mannschaft aktuell ab?
Xavi: Aus meiner Sicht macht Barça gerade einen guten Eindruck, auch wenn Messis Verletzung schon ein schwerer Schlag ist. Aber die Mannschaft ist gut genug, dass sein Fehlen gar nicht auffällt. Natürlich hat die Niederlage gegen Sevilla Anfang des Monats für Aufregung gesorgt, aber Barcelona hätte das Spiel gewinnen können und hatte einfach Pech. An sich ist die Mannschaft stark, auch wenn das Verletzungspech für eine negative Dynamik gesorgt hat. Doch Barça hat einen großartigen Trainer, herausragende Persönlichkeiten und die richtige Einstellung: Deshalb besteht kein Zweifel daran, dass die Mannschaft auf dem richtigen Weg ist.
Was denken Sie: Wie wird Ihr designierter Nachfolger Arda Turan das Gefüge bei Barça beeinflussen, wenn er nach abgelaufener Transfersperre im Januar mitwirken darf?
Xavi: Er wird eine sehr wichtige Rolle spielen – und das gilt übrigens auch für Aleix Vidal, über den kaum gesprochen wird. Denn beide sind sehr vielseitig und können im Mittelfeld auf jeder Position eingesetzt werden, Arda zudem auch in der Spitze und Aleix in der Abwehr. Arda ist ein herausragender Fußballer und wird Barça viel Freude machen – aber wir müssen uns noch bis Januar gedulden.
Unterstützung für Pique
Gerard Pique ist zuletzt im Nationalteam mit Buhrufen bedacht worden: Wäre es der richtige Zeitpunkt, um seine Karriere in der Nationalelf zu beenden?
Xavi: Nein – es ist die richtige Zeit, nicht mehr ausgebuht und stattdessen mehr unterstützt zu werden. Denn schließlich ist er ein Vertreter unserer Nationalmannschaft. Die Leute, die da jetzt gegen ihn Stimmung machen, sind Fans von Real Madrid, die ihm seine Worte im Camp Nou nachtragen – so einfach ist das. Er ist einer der besten Abwehrspieler der Welt und wird das auch noch eine Weile bleiben. Ich finde, er sollte mehr Respekt bekommen.
Sie haben die „Goldene Generation“ Spaniens zu zahllosen Erfolgen geführt – wer aus der jüngeren Spielergeneration könnte diese Rolle nun übernehmen?
Xavi: Isco, Thiago oder auch Javi Martínez – diese Jungs werden unsere Generation ablösen, sie tun es ja schon jetzt. Sie haben enorme Qualität und werden das bei der Europameisterschaft in Spanien beweisen. Der Titel wird schwierig, denn das hängt an vielen Kleinigkeiten, aber Spanien ist absolut konkurrenzfähig, gar keine Frage.
Casillas-Abschied schmerzt
Der Abschied von Iker Casillas in Madrid verlief ganz anders als Ihrer in Barcelona – wie haben Sie seinen “Rauswurf“ bei Real erlebt?
Xavi: Die Art, wie da mit ihm umgegangen wurde, hat Iker schon zugesetzt. Er hatte das Pech, Madrid zu einem Zeitpunkt zu verlassen, als Real keinen Titel geholt hatte – da wurde er nicht so gewürdigt, wie das bei mir der Fall war: Als ich mich aus Barcelona verabschiedet habe, konnte ich das mit einem Triple tun. Es tut mir leid für ihn, denn er war eine Ikone von Real Madrid und ist es noch immer in der Nationalmannschaft. Außerdem ist er einer der besten Keeper der spanischen Geschichte und mein Freund, deshalb schmerzt mich, wie sein Abschied gelaufen ist. Aber im Fußball hängt viel von den aktuellen Zusammenhängen ab, die Leute scheinen kaum noch über ein Gedächtnis zu verfügen.
Haben Sie mit ihm gesprochen, seit er in Porto spielt – ist er jetzt glücklicher?
Xavi: Ja, auf jeden Fall! Er ist entspannt und glücklich, genießt die Wertschätzung dort – die ist höher als in seinen letzten Jahren bei Real. Außerdem zeigt er seine Klasse als Keeper und Ausnahmefußballer.
Messi nicht zu toppen
Wer wird der heißeste Anwärter auf den Ballon d’Or, wenn die Ära von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo irgendwann ein Ende nimmt?
Xavi: Also dieses Jahr gewinnt wieder Messi, keine Frage. Das Triple spricht für sich und seine Leistungen waren spektakulär und nicht zu toppen. Wenn Lionel auf seinem üblichen Niveau spielt, gewinnt er den Ballon d’Or.
Und was ist, wenn Messi und Ronaldo nicht mehr spielen?
Xavi: Dann wird es schwierig, denn sie haben dieses Klassement viele Jahre dominiert und die letzten sieben Trophäen unter sich ausgemacht. Nach ihnen könnten Luis Suárez oder Neymar an der Reihe sein – Spieler, die den Unterschied ausmachen und viele Tore erzielen.
Chelsea wird Wende schaffen
Wie beurteilen Sie die Situation bei Chelsea, die Mourinho-Mannschaft hat große Mühe…
Xavi: Mich überrascht, dass sie solche Schwierigkeiten haben – denn sie haben einen starken Kader. Aber ich bin überzeugt, dass sie bald ihr übliches Niveau zeigen werden. Chelsea hat tolle Spieler, einen herausragenden Trainer und sind Titelverteidiger in der Premier League: Die Mannschaft hat sich nach der Meisterschaft nur wenig verändert und deshalb überrascht mich der schlechte Start sehr. Doch ich bin sicher, dass Chelsea die Wende schaffen wird.
Hat es Sie überrascht, dass Pedro und Cesc Fàbregas zu Chelsea gewechselt sind, nachdem es doch viele Animositäten gegenüber José Mourinho gab, als dieser noch Real-Coach war?
Xavi: Das hat mich gar nicht überrascht. Beide wollten Barcelona verlassen, Cesc vor einem Jahr und Pedro jetzt, vielleicht um mehr Einsatzzeit zu bekommen und stärker im Rampenlicht zu stehen. Beides haben sie nun bei Chelsea und Mourinho. Das ist eine gute Sache für sie, denn es ist ein großer Klub und Mourinho ist auf seine ganz eigene Art ein großartiger Trainer.
Wie ist Ihre Meinung zu Rafa Benítez, lässt er so defensiv spielen wie oft gesagt wird?
Xavi: Das ist schwierig zu sagen, denn er hat ja erst angefangen. Wenn man ans letzte Jahr denkt: Da wurde Luis Enrique auch viel kritisiert, doch am Ende haben wir alles gewonnen. Die Leute müssen Geduld haben, denn im Fußball können sich die Dinge schnell ändern. Die ganzen Medien brauchen immer Themen und Gesprächsstoff und wenn Real oder Barca nicht siegen, schrillen sofort die Alarmglocken. Aber wir sollten Benítez einfach Zeit geben, Real nach seinen Vorstellungen zu entwickeln und dann schauen, was dabei herauskommt.
United oder Liverpool
Wenn Sie in der Premier League spielen könnten – welches Team würden Sie auswählen?
Xavi: Puh – darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich war immer mit Leib und Seele ein Barça-Spieler, das war immer mein Lieblingsteam. Aber natürlich reizt die Premier League jeden Spieler – allein die Stadien, der Rasen, die Fans, ihre Leidenschaft – das ist wundervoll. Dazu kommen die großen Teams wie Chelsea, Manchester United, Manchester City, Arsenal, Liverpool mit ihrer Geschichte… Wenn ich da wählen müsste, dann wohl entweder United oder Liverpool. Ich weiß, dass Manchester City zuletzt erfolgreicher war, aber United ist mein Lieblingsteam, wenn ich auf die Geschichte schaue.
Sie haben unter Trainer Louis van Gaal in Barcelona gespielt: Wie beurteilen Sie seine Arbeit in Manchester, kann er United wieder zu Titeln führen?
Xavi: Ja, auf jeden Fall. Ich denke, dass van Gaal Zeit braucht, um sich anzupassen. Im letzten Jahr hatte er schon eine gute Saison und die Qualifikation für die Champions League geschafft – und es wird weiter nach oben gehen. Denn er ist ein herausragender Trainer und ich mag ihn sehr, er hat mir persönlich damals viel Vertrauen gegeben. Er wird als Coach vielleicht sogar unterschätzt von manchen Medien – aber für Spieler ist er ein Top-Trainer.
Beste Reservemannschaft der Welt
Wie sehen sie die jüngere Spielergeneration insgesamt: Hat da ein Kulturwandel stattgefunden seit Sie einst aus La Masia kamen?
Xavi: Was sich geändert hat, sind die Medien, insbesondere durch die sozialen Netzwerke. Die Leute sind jetzt offensiver, trauen sich mehr. Wir waren wahrscheinlich vorsichtiger, die Youngster sind heute etwas frecher, um es mal so auszudrücken. Da hat sich schon viel verändert, gerade im Umfeld.
Kann der FC Barcelona auch in der Zukunft darauf setzen, viele Top-Talente aus La Masia in den Profibereich zu bringen oder wird dies angesichts der heutigen Transfersummen nicht mehr der wichtigste Weg sein?
Xavi: Es wird in jedem Fall so bleiben. Barca wird natürlich immer auch Transfers tätigen du Spieler holen, die nicht in La Masia ausgebildet wurden. Aber wir werden weiterhin davon profitieren, dass wir die meiner Meinung nach beste Reservemannschaft der Welt haben und eine Ausbildung, die herausragende fußballerische und menschliche Werte vermittelt. Es könnte Nachwuchsjahrgänge geben, aus denen sich sieben oder acht Spieler durchsetzen werden, mindestens zwei oder drei werden es aber immer sein.
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