Legendäre Legionäre: Kevin Trapps berühmte Vorgänger in der Ligue 1

Der Wechsel von Kevin Trapp zum französischen Meister Paris Saint-Germain ist perfekt. Doch der Keeper der Frankfurter Eintracht ist bei weitem nicht der erste Bundesliga-Export in die Ligue 1. Mehr als 60 deutsche Spieler kamen seit 1930 in der französischen Meisterschaft zum Einsatz. eurosport.de blickt auf die größten Erfolgsgeschichten aus acht Jahrzehnten!

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Der französische Eurosport-Journalist Laurent Vergne hat seine Top 10 der deutschen Ligue-1-Profis aufgestellt:
Karl-Heinz Förster
Als Förster 1986 nach Marseille kommt, ist er schon einer der Besten seiner Zunft. Mit 28 Jahren kann er schon 81 Länderspiele vorweisen und "OM"-Boos Bernard Tapie leistet sich den Schwaben als ersten echten ausländischen Star, sechs Monate nach seiner Machtübernahme bei Olympique.
Es wurde eine Erfolgsgeschichte: Nicht ohne Grund blieb kein anderer deutscher Spieler in den letzten Jahrzehnten so lange in Frankreich wie "Charles Henri Forestier" – wie ihn Teamkollege Jean-Pierre Papin bald nannte. In den vier Jahren in Marseille hatte Förster mit seiner Klasse kaum zu überschätzenden Anteil an den zwei Meistertiteln und holte 1989 sogar das Double.
Klaus Allofs
Ein Jahr nach Förster holt Tapie den nächsten Star aus Deutschland. Mit 31 Jahren wagt Allofs den Sprung ins Nachbarland, wo seine Klasse als Torjäger für Düsseldorf, Köln und das DFB-Team mit Bewunderung verfolgt wurde. Drei Jahre wird der schnauzbärtige Stürmer in Frankreich bleiben – mit eindrucksvoller Bilanz.
Dabei ist der Auftakt als Sturmpartner von Papin noch durchwachsen. Zwar zeigt Allofs gute Leistungen und "OM" kommt 1988 auch ins Halbfinale im Pokal der Pokalsieger (wo Allofs gegen Ajax einen Freistoß in sensationeller Manier versenkt). Doch insgesamt ist es nicht die stärkste Saison Marseilles. Tapie, gierig nach ganz großen Siegen, holt Eric Cantona - doch Allofs erweist sich als unersetzlich und schießt Marseille zum Double. "France Football" feiert ihn als "Kolosse Allofs", doch im Zwist mit Tapie zieht er weiter nach Bordeaux. Dort gelingt ihm eine herausragende Saison mit 14 Treffern – die Girondins werden hauchdünn geschlagen Vizemeister.
Rudi Völler
Im Sommer 1992 lässt Völler Rom nach fünf Jahren hinter sich und geht seinerseits nach Marseille, im Gepäck eine enorme Liste an Erfolgen und über 200 Toren für seine bisherigen Vereine. In Frankreich wird er aber auch mit leiser Skepsis empfangen: Kann er mit seinen schon 32 Jahren die Lücke schließen, die durch die Abgänge von Papin und Chris Waddle entstanden?
Er kann – und wie! Auf Anhieb gelingt "OM" mit Völler, was mit Papin nie vollbracht wurde: Der Triumph in der Königsklasse – und das ausgerechnet in einem Finale in Deutschland. Zusammen mit Alen Boksic bildet er nicht das glamouröseste Sturm-Duo aller Zeiten, aber sie sind unheimlich effektiv. Völler erzielt 18 Treffer in der Ligue 1 und schießt Marseille damit zur Meisterschaft 1993. Die nächste Saison ist überschattet von der Bestechungsaffäre aus dem Saisonfinale des Vorjahres, der Titel wird aberkannt und Völler verlässt Marseille Richtung Leverkusen – doch sein Abstecher nach Frankreich war insgesamt ein großer Erfolg.
Jürgen Klinsmann
Noch treffsicherer als Völler war in der Saison 1992/93 sein Partner aus der Nationalelf – er erzielte für Monaco gar 19 Tore. Damit brachte er seine Karriere unter Arsène Wenger wieder in Schwung – denn als er von Inter Mailand kommend am Mittelmeer eintraf, hatte er seinen Stammplatz im DFB-Team an Karl-Heinz Riedle verloren und in der abgelaufenen Saison in Italien nur sieben Tore erzielt.
Allerdings war Klinsmanns zweites Jahr im Fürstentum dann längst nicht mehr so glanzvoll wie sein Debüt. Zwar kämpfte sich "ASM" ins Halbfinale der Champions League, doch in der Liga brachte man nur einen neunten Platz zu Stande und der "Golden Bomber" kam über zehn Tore nicht hinaus. Klinsmann zog weiter nach Tottenham, doch an ihn erinnert man sich in Monaco noch immer gerne.
Dieter Müller
Das einstige Wunderkind, das in der Bundesliga wie im Nationaldress in Serie traf, hat seine besten Jahre eigentlich schon hinter sich, als er 1982 in Bordeaux landet. Das Double mit Köln 1978 ist Geschichte, Didier Six empfahl in nach einem gemeinsamen Jahr in Stuttgart nach Frankreich.
Doch bei den Girondins gelingt Müller mit 28 Jahren eine echte Renaissance. Unter Trainer Aimé Jacquet bildet er mit Sturmpartner Bernard Lacombe ein gefürchtetes Duo. Müller gelingen in seinen drei Jahren für Bordeaux 43 Ligatore, womit er entscheidend zu den beiden Meistertiteln 1984 und 1985 beiträgt. Zudem fehlt nicht viel, um im April 1985 gegen Juventus ins Finale der Königsklasse einzuziehen: Müller und Patrick Battiston machen im Rückspiel das 0:3 aus Turin fast noch wett.
Oskar Rohr
Seine Geschichte ist die vielleicht schönste in den deutsch-französischen Fußball-Beziehungen. Der Großonkel von Gernot Rohr war eine prägende Figur der Vorkriegsjahre bei Racing Strasbourg, wo "Ossi" im Jahr 1934 auf dunklen Wegen aus der Schweiz ankam. Zuvor aber hatte er sich schon als Stürmer des FC Bayern einen Namen gemacht und den Verein zur ersten Meisterschaft geschossen.
Zur Ikone aber wurde er in Straßburg, wo er 1937 Torschützenkönig wird, in fünf Jahren nicht weniger als 118 Treffer erzielt und mit Racing die Meisterschaft und den Pokalsieg nur knapp verpasst. Noch heute zählt er zu den erfolgreichsten ausländischen Torschützen in Frankreich überhaupt. Aber mehr noch als der Spieler hat der Mensch die Zeitgenossen beeindruckt: In den von schwersten Spannungen geprägten Vorkriegsjahren wurde er nicht nur geduldet, sondern geliebt.
Der Ausbruch des Krieges stellte Rohr vor eine extreme Zerreißprobe. Er war Deutscher, aber liebte Frankreich – und entschied sich dazu, in den von den Nazi-Truppen nicht besetzten Süden zu gehen. Später schließt er sich der Fremdenlegion an und kämpft für die Befreiung von der Tyrannei. Darum gilt in Straßburg noch heute der Spieler Rohr als Legende, der Mensch aber als Freund.
Uwe Krause
Er ist einer jener Spieler, dessen Bekanntheit in Frankreich wohl größer als in Deutschland sein dürfte. Denn in der damaligen Division 1 nimmt seine Karriere richtig Fahrt auf, als er 1980 bei Laval den Platz seines Landsmanns Erwin Kostedde (s.u.) einnimmt. Krause kommt als Unbekannter, doch er macht sich in Höchstgeschwindigkeit einen Namen, indem er gleich 23 Tore in seiner ersten Meisterschaftssaison erzielt.
Er führt Laval mit in den Europapokal, wechselt dann nach Sochaux und Monaco und erzielt in sechs Jahren 84 Ligatreffer. Allein ein Titel fehlt zur Krönung – 1984 fehlte im Pokalfinale gegen Metz nicht viel zum Triumph mit Monaco.
Gernot Rohr
Er ist der französischste aller deutschen Spieler, allerdings nicht der berühmteste. Er wurde nie ins DFB-Team berufen und war in der deutschen Öffentlichkeit zu seinen aktiven Zeiten kaum bekannt. Schon mit 24 Jahren machte er sich von Kickers Offenbach nach Bordeaux auf, wo er zu einem Urgestein des Klubs wurde.
Zwölf Jahre trug er das Trikot der Girondins in über 350 Ligaspielen und war, insbesondere in der Ära Aimé Jacquet ein Eckpfeiler des Teams. Als gefürchteter Verteidiger führte er Bordeaux mit zu drei Meistertiteln, zwei Pokalsiegen und zweimal ins Halbfinale im Europapokal. Seine Qualitäten als Manndecker waren legendär, wie auch ein Michel Platini erfahren durfte.
Andreas Köpke
Nach zwei Jahren im Unterhaus nach dem Zwangsabstieg greift Olympique Marseille 1996 wieder an – und dies mit dem bewährten Mittel eines deutschen Topspielers. Zum Aufstieg gönnt man sich der frischgebackenen Europameister Köpke als Rückhalt. Dieser ist gerade in den ersten Monaten ein wertvoller Eckpfeiler und hat großen Anteil daran, dass der Aufsteiger sich gleich wieder als Vierter im Vorderfeld der Meisterschaft etabliert.
Doch bei der WM 1998 in seiner Wahlheimat kann Köpke nicht wirklich überzeugen und verliert seinen Stammplatz im Tor von "OM" an Stéphane Porato. Daraufhin verlässt er in der Winterpause den Verein.
Erwin Kostedde
Etliche deutsche Topstürmer haben in Frankreich Station gemacht – doch Torschützenkönig wurde nach dem Krieg weder Allofs noch Klinsmann oder Völler. Das gelang allein Kostedde, der für Laval 1979/80 auf 21 Tore kam. Dabei schien er schon weit über seinem Zenit zu sein, als er mit 33 Jahren in Frankreich anheuerte.
Von Standard Lüttich kommend erweist sich der Sohn eines "GI" als Glücksgriff. Das war umso überraschender, als sich Kostedde von Präsident und Trainer ausbedungen hatte, nie in Laval trainieren zu müssen: Er verbrachte die Woche bei seiner Familie und lief dann am Wochenende für die "Tangos" auf.
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung