PSG | Tuchel hat den Krieg verloren: Kommentar zur schwierigen Situation in Paris

Thomas Tuchel erlebt nach exzellentem Start eine extrem schwierige Phase bei Paris Saint-Germain. Der Verein ist nach dem überraschenden Aus in der Champions League gegen Manchester United ins Straucheln geraten. Was gut war, wird nun infrage gestellt. Ist es auch das Ende für Tuchel bei PSG? Möglich. Ein Kommentar unseres französischen Kollegen Cyril Morin.

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Bis März war noch alles gut für Thomas Tuchel und Paris Saint-Germain. Sein Französisch kam hier gut an, seine Sprache war klar und er fand oft die richtigen Worte. Auch die Nähe zu seinen Spielern war da.
Anfangs waren wir uns alle nicht ganz sicher, was da für ein Typ auf PSG zukommt. Wir hatten die Vermutung, dass der Club für ihn vielleicht eine Nummer zu groß wäre, aber er hat uns umgehend bewiesen, dass er einen Top-Job macht. Selbst die Stars waren voll des Lobes und der Kombinationsfußball, mit dem PSG durch die Liga fegte, war ein Traum. Zu schön, um wahr zu sein.

Tuchel änderte sich nach ManUnited

Denn alles änderte sich nach dem Spiel gegen Manchester United. Moment noch! Eigentlich gab es schon vorher einen Bruch. Im Januar holte Tuchel nämlich schon zur großen Attacke auf Sportdirektor Antero Henrique aus – der hatte ihm seiner Meinung nach nicht ausreichend Spieler besorgt, um den Anforderungen in der Champions League gerecht zu werden. Es war der Auftakt seines persönlichen internen Krieges.
Nach dem Spiel gegen ManUnited wurde Tuchel plötzlich medial offensiver, unter anderem auch aggressiver gegen Schiedsrichter. In den letzten Wochen wurde ganz deutlich, dass er einen Machtkampf vollzog, bei dem er keine Gelegenheit ausließ zu betonen, dass er nicht genug Spieler habe. Er beklagte sich und beklagte sich. Das Tischtuch zwischen ihm und Henrique war komplett zerschnitten - und gleichzeitig wurde bestätigt, dass eben jener Henrique auf jeden Fall bis Sommer im Amt bleibt. Eine Schlappe für Tuchel.
Ob für Tuchel dann Schluss ist, lässt sich momentan schwer prognostizieren. Es gab Gerüchte, dass ihm - selbst nach dem Aus in der "Königsklasse" - weiterhin ein neuer, unterschriftsreifer Vertrag vorliegt, doch bislang ist nichts offiziell. Es ist etwas konfus.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei PSG-Besitzer Nasser Al-Khelaifi, er ist bekanntermaßen ein Fürsprecher Tuchels. Wenn er jedoch seinen Daumen senkt, könnte Tuchel schnell wieder Geschichte sein.

Tuchel: Wirft er selbst hin?

Zudem ist ein weiteres Szenario denkbar: Tuchel könnte selbst hinwerfen, weil ihm die Lethargie in der Personalplanung nicht passt. Man könnte es ihm nicht einmal verdenken, denn die Situation ist wirklich nervig. Wenn er nicht an den Erfolg glaubt, wieso sollte er dann weitermachen? So ein Typ ist er nicht.
Geändert hat sich auch die öffentliche Haltung zu seinen Stars. Stellte er sich einst schützend vor sie, kritisiert er sie jetzt, wo er kann, wenn sie ihre Leistung nicht bringen. Er ist unzufrieden, weil es eigentlich einfacher sein müsste. Denn dass er sich an der Spitze trotz vieler Verletzungen (Neymar, Cavani, Di Maria, Verratti, Thiago Silva) gehalten hat und Meister geworden ist, war keineswegs selbstverständlich, sondern eine große Leistung.
Letztendlich bleibt die Situation angespannt, aber Tuchel ist nicht verantwortlich dafür, was bei PSG wirklich falsch läuft. Er ist vielmehr das Opfer. Er hat seinen Krieg verloren. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob er wirklich seinen bis 2020 laufenden Vertrag erfüllt.
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