PSG vor entscheidendem Sommer – ist ein Verkauf von Neymar die Lösung?

Ein neuer Sportdirektor, ein Klub-Boss, der gegen die eigenen Stars schießt und die Erwartung, den Henkelpott endlich nach Paris zu holen. Thomas Tuchel steht bei PSG vor einem richtungsweisenden Transfer-Sommer. Besonders in der Breite benötigt der Kader ein deutliches Upgrade. Ausgerechnet der Verkauf eines angeblich in Ungnade gefallenen Superstars könnte dabei die Lösung sein.

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Thomas Tuchel schlenderte vergnügt durch das Stade Roland Garros, lächelte an der Seite von Eurosport-Experte Boris Becker, plauderte über Tennis und über sein erstes Jahr bei Paris Saint-Germain. Von der Anspannung der vorherigen Wochen und Monate, in denen PSG zwar die Meisterschaft gewann, aber den Pokal und die Champions League verspielte, war nichts mehr zu erkennen.
Kein Wunder, nur wenige Tage zuvor hatte der französische Hauptstadt-Klub mit dem 45-Jährigen verlängert. Tuchels Zukunft in Paris ist vorerst gesichert – im Gegensatz zu vielen anderen Personalien, wie sich jetzt herausstellt.
Zuerst musste Sportdirektor Antero Henrique gehen (offiziell in gegenseitigem Einvernehmen), nur zwei Tage später holte Klub-Boss Nasser Al-Khelaifi im Interview mit "France Football" zum verbalen Rundumschlag gegen seine Spieler aus.

Al Khelaifi schießt gegen PSG-Stars

"Sie sind nicht hier, um sich zu vergnügen. Wenn ihnen das nicht gefällt - die Türen stehen offen, ciao! Ich will hier keinen Promibonus. Ich habe festgestellt, dass Änderungen zwingend notwendig sind“, nahm der 45-Jährige seine Stars in die Pflicht, über die er in der Vergangenheit meist seine schützende Hand gehalten hatte.
Spätestens damit dürfte auch Tuchels locker, entspannte Stimmung von den French Open verflogen sein. PSG steht vor einem entscheidenden Sommer – schon wieder. Und auf den deutschen Übungsleiter kommt dabei die vielleicht größte Herausforderung seiner Karriere zu.
Gemeinsam mit dem neuen Sportdirektor Leonardo, den die Pariser keine 20 Minuten nach der offiziellen Trennung von Henrique vorgestellt hatten, muss er einen schlagkräftigen Kader zusammenstellen. Die "faulen Äpfel" aussortieren und frische, motivierte Spieler (im Optimalfall ohne Star-Allüren) einkaufen, ohne dabei die Regularien des Financial Fairplay zu verletzen.
Ein schwerer Spagat für Tuchel, wenn man bedenkt, dass sich auch Al Khelaifi nicht komplett aus dem operativen Geschäft heraushalten wird. Darauf lassen nicht erst die jüngsten Aussagen schließen.

Neymar sorgt für Schlagzeilen

Wie sich in den vergangenen Tagen herauskristallierte, wird besonders eine Personalie den Verlauf des Pariser Transfersommers beeinflussen: Neymar.
2017 noch als der Heilsbringer der Zukunft für exorbitante 222 Millionen Euro verpflichtet, soll der Brasilianer mittlerweile in der Führungsriege nicht mehr unumstritten sein.
Laut "L’Équipe" sei der Klub sogar bereit, Neymar bei einem "XXL-Angebot" abzugeben. Al Khelaifi ging den 27-Jährigen in besagtem Interview sogar persönlich an:
Was auf den ersten Blick wie ein heftiger Einschnitt und Qualitätsverlust für Tuchels Kader erscheint, könnte dem Klub auf den zweiten Blick ganz neue Möglichkeiten eröffnen.

Neymar-Abgang als Lösung?

Sicher, ein fitter Neymar gehört wahrscheinlich zu den drei bis fünf besten Spielern der Welt. Zudem hat der Brasilianer mit 27 Jahren seine vermeintlich besten Jahre noch vor sich. Gemeinsam mit Mega-Talent Kylian Mbappé scheint er der optimale Kern, um den man ein zukünftiges Top-Team aufbauen kann.
Aber: Nach den vergangenen Monaten muss die langfristige Belastbarkeit des Offensiv-Künstlers zumindest infrage gestellt werden dürfen. Allein 19 Spiele verpasste der Brasilianer in der Rückrunde, aktuell laboriert er an einem Bänderriss im Sprunggelenk, der ihn die Teilnahme an der Copa América kostete.
Zudem machte Neymar mit seinem Angriff auf einen Fan nach der Final-Niederlage im französischen Pokal und einem Vergewaltigungsprozess schlechte Presse. Für sich, aber auch für den Verein.
Ein Verkauf würde wohl mindestens den Einkaufspreis wieder in die Kassen spülen – und Tuchel & Co. viele neue Möglichkeiten eröffnen. Sowohl was das Financial Fairplay angeht (am Geld selbst hakt es in Paris bekanntlich nicht), aber auch die Ausbalancierung des Kaders.

PSG: In der Mitte drückt der Schuh

Denn: Besonders im Mittelfeld drückt bekanntlich der Schuh. Nach den Abgängen von Adrien Rabiot und Giovani Lo Celso bleibt den Franzosen mit Marco Verratti nur eine 1A-Lösung in der Zentrale. Leonardo Paredes, der im Januar für 40 Millionen Euro an die Seine wechselte, konnte bisher kaum überzeugen.
Als Wunschtransfer gilt der Brasilianer Allan vom SSC Neapel, dessen Ablöse sich laut Medienberichten zwischen 80 und 90 Millionen bewegen soll. Auch die Namen Ander Herrera (Manchester United) und James Milner (FC Liverpool) werden immer wieder genannt.
Zudem sei Ex-Schüler Julian Weigl, mit dem Tuchel bereits bei Borussia Dortmund zusammenarbeitete, weiter ein Thema, wie der Trainer exklusiv bei Eurosport verriet:
Ob mit oder ohne Neymar-Millionen, wird sich zeigen.
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