Robert Lewandowski klatschte artig Beifall - doch die riesige Enttäuschung war dem 33 Jahre alten Ausnahmestürmer im "Theatre du Chatelet" in Paris deutlich anzumerken.
Nicht der favorisierte Torjäger von Bayern München erhielt am Montagabend trotz einer unglaublichen Rekord-Saison mit 41 Treffern die prestigeträchtige Auszeichnung "Ballon d'Or", sondern zum siebten Mal Superstar Lionel Messi, der im Juli erstmals mit Argentinien die Copa America gewonnen hatte.
Nach seiner Wahl zum Weltfußballer im vergangenen Jahr verpasste Lewandowski somit die Krönung und ein weiteres Superlativ in seiner beeindruckenden Karriere. Als Trost gab es den neu eingeführten Preis für den "Torjäger des Jahres".
Ligue 1
Diagnose steht fest: Neymar fehlt PSG wochenlang
29/11/2021 AM 15:44
Dabei hatte es für den FC Bayern vor der Verleihung durch die französische Fachzeitung "France Football" eigentlich keinen ernsthaften Konkurrenten für ihren überragenden Torjäger gegeben. Zumal Messi beim FC Barcelona eine Saison zum Vergessen erlebt hatte und auch nach seinem Wechsel zu Paris St. Germain erst langsam wieder zur Bestform aufläuft.

Nichts als Lob für Lewandowski im Vorfeld

Lewandowski nutzten die ganzen Lobeshymnen im Vorfeld nichts. Er sei "der Konstanteste im Weltfußball", betonte "Kaiser" Franz Beckenbauer. Vorstandschef Oliver Kahn schwärmte von "Superlativen", von einem "Rekord für die Ewigkeit" und schlicht vom "besten Stürmer der Welt". Sollte der Pole diesen ehrwürdigen Preis nicht erhalten, wäre er "zutiefst enttäuscht", meinte Kahn.
Der Bayern-Boss, der wie Trainer Julian Nagelsmann, Präsident Herbert Hainer und Sportvorstand Hasan Salihamidzic aus Ehrerbietung in Paris dabei war, wurde schwer enttäuscht. Erneut ging die begehrte Trophäe bei der Journalisten-Wahl an den Argentinier Messi, der sich seit 2008 die Auszeichnung mit Cristiano Ronaldo (fünfmal) quasi teilt. Nur Luka Modric konnte 2018 ein einziges Mal in die Phalanx der Superstars eindringen.
Lewandowski gelang dies nicht.

Rekorde und Titel nützen nichts: Lewandowski geschlagen

Zum Entsetzen der Bayern. Lewandowski habe "neben seiner Gier auf Tore eine unfassbare Haltung zu seinem Sport", würdigte Nagelsmann seinen Topstar: "Er haut sich immer rein. Wenn er sich zurücklehnt, kommt er wieder hoch und macht einen Sit-up."

Robert Lewandowski und Lionel Messi

Fotocredit: Getty Images

Lewandowski übertraf in der vergangenen Saison den "ewigen" Bundesliga-Rekord von Gerd Müller und erzielte sagenhafte 41 Saisontore. Zudem führte er mit seinen Treffern den FC Bayern unter Trainer Hansi Flick in den vergangenen beiden Spielzeiten zu historischen sieben (!) Titeln - darunter der Triumph in der Champions League und der Weltpokal.
Es half alles nichts. Auch nicht die warmen Worte seines Teamkollegen Thomas Müller. "Er hat's absolut verdient, da brauchen wir nicht zu diskutieren", sagte er: "Wenn ich sehe, was er nicht nur uns gibt, sondern auch mit der polnischen Nationalmannschaft macht - das ist deutlich schwieriger als in einem richtigen Topteam."
Übrigens: Den "Ballon d’Or feminin" erhielt die Spanierin Alexia Putellas, die mit dem FC Barcelona die Champions League gewonnen hatte. Ihr Landsmann Pedri wurde mit der Kopa-Trophäe für den besten Spieler unter 21 Jahren geehrt, Italiens Europameister Gianluigi Donnarumma mit der Jaschin-Trophäe für den besten Torhüter. Zudem wurde Thomas Tuchel und der Fc Chelsea zum besten Team gekürt.

Ballon d'Or 2021: Die Top 10

  • 1. Lionel Messi (PSG) - 613 Punkte
  • 2. Robert Lewandowski (FC Bayern) 580 Punkte
  • 3. Jorginho (FC Chelsea) - 460 Punkte
  • 4. Karim Benzema (Real Madrid) - 239 Punkte
  • 5. N'Golo Kanté (FC Chelsea) 186 Punkte
  • 6. Cristiano Ronaldo (Manchester United) 178 Punkte
  • 7. Mohamed Salah (FC Liverpool) 121 Punkte
  • 8. Kevin De Bruyne (Manchester City) 73 Punkte
  • 9. Kylian Mbappé (PSG) 58 Punkte
  • 10. Gianluigi Donnarumma (PSG) 36 Punkte

Die Sieger des Ballon d'Or seit 1956

  • 1956: Stanley Matthews (England)
  • 1957: Alfredo Di Stefano (Spanien)
  • 1958: Raymond Kopa (Frankreich)
  • 1959: Alfredo Di Stefano
  • 1960: Luis Suarez (Spanien)
  • 1961: Omar Sivori (Italien)
  • 1962: Josef Masopust (Tschechoslowakei)
  • 1963: Lew Jaschin (UdSSR)
  • 1964: Denis Law (Schottland)
  • 1965: Eusebio (Portugal)
  • 1966: Bobby Charlton (England)
  • 1967: Florian Albert (Ungarn)
  • 1968: George Best (Nordirland)
  • 1969: Gianni Rivera (Italien)
  • 1970: Gerd Müller (Deutschland)
  • 1971: Johan Cruyff (Niederlande)
  • 1972: Franz Beckenbauer (Deutschland)
  • 1973: Johan Cruyff
  • 1974: Johan Cruyff
  • 1975: Oleg Blochin (UdSSR)
  • 1976: Franz Beckenbauer
  • 1977: Allan Simonsen (Dänemark)
  • 1978: Kevin Keegan (England)
  • 1979: Kevin Keegan
  • 1980: Karl-Heinz Rummenigge (Deutschland)
  • 1981: Karl-Heinz Rummenigge
  • 1982: Paolo Rossi (Italien)
  • 1983: Michel Platini (Frankreich)
  • 1984: Michel Platini
  • 1985: Michel Platini
  • 1986: Igor Belanow (USSR)
  • 1987: Ruud Gullit (Niederlande)
  • 1988: Marco van Basten (Niederlande)
  • 1989: Marco van Basten
  • 1990: Lothar Matthäus (Deutschland)
  • 1991: Jean-Pierre Papin (Frankreich)
  • 1992: Marco van Basten
  • 1993: Roberto Baggio (Italien)
  • 1994: Christo Stojtschkow (Bulgarien)
  • 1995: George Weah (Liberia)
  • 1996: Matthias Sammer (Deutschland)
  • 1997: Ronaldo (Brasilien)
  • 1998: Zinedine Zidane (Frankreich)
  • 1999: Rivaldo (Brasilien)
  • 2000: Luis Figo (Portugal)
  • 2001: Michael Owen (England)
  • 2002: Ronaldo
  • 2003: Pavel Nedved (Tschechien)
  • 2004: Andrej Schewtschenko (Ukraine)
  • 2005: Ronaldinho (Brasilien)
  • 2006: Fabio Cannavaro (Italien)
  • 2007: Kaka (Brasilien)
  • 2008: Cristiano Ronaldo (Portugal)
  • 2009: Lionel Messi (Argentinien)
  • 2010*: Lionel Messi
  • 2011*: Lionel Messi
  • 2012*: Lionel Messi
  • 2013*: Cristiano Ronaldo
  • 2014*: Cristiano Ronaldo
  • 2015*: Lionel Messi
  • 2016: Cristiano Ronaldo
  • 2017: Cristiano Ronaldo
  • 2018: Luka Modric (Kroatien)
  • 2019: Lionel Messi
  • 2020: nicht verliehen
  • 2021: Lionel Messi
*Von 2010 bis 2015 wurde der Ballon d'Or in Zusammenarbeit mit dem Weltverband FIFA vergeben, die Auszeichnung ersetzte in diesem Zeitraum die Wahl zum Weltfußballer des Jahres. Seit 2016 führt France Football die Wahl wieder in Eigenregie durch.
Das könnte Dich auch interessieren: Rangnick übernimmt Manchester United - Debüt gegen Arsenal?

Üble Verletzung: Neymar-Schock überschattet PSG-Sieg

Premier League
Streit um Ronaldo eskaliert: Premier-League-Ikonen geraten heftig aneinander
29/11/2021 AM 11:22
Premier League
Rätsel um Bankplatz: Ronaldo und Rangnick - passt das?
28/11/2021 AM 23:39