Olympique Lyon zu Zwangsabstieg in die Ligue 2 verurteilt: Vier Antworten zum Niedergang eines Traditionsklubs
Update 25/06/2025 um 18:41 GMT+2 Uhr
Mit dem Zwangsabstiegs-Urteil für Olympique Lyon die Direction Nationale de Contrôle et de Gestion (DNCG) ein echtes Beben im französischen Fußball ausgelöst. Wie geht es für den einstigen Serienmeister, der bereits seit November von derartigen Konsequenzen bedroht war, nun weiter? Welche Möglichkeit bleibt OL, den Absturz noch abzuwenden? Vier Fragen und vier Antworten zum Lyon-Knall.
Finanzschock: Olympique Lyon muss in Ligue 2 zwangsabsteigen
Quelle: Perform
Paradoxerweise ist es eine Entscheidung, die John Textor überrascht haben dürfte.
Der US- Eigentümer von Olympique Lyon wusste seit November, dass sein Klub von einem Zwangsabstieg in die Ligue 2 bedroht war – eine vorläufige Maßnahme der Kontrollkommission DNCG. Doch als er die Anhörung verließ, wirkte er noch gelassen: "Wir sind sehr zufrieden mit den von der DNCG in diesem Jahr eingeführten Verfahren", sagte er gegenüber "RMC Sport". "Wir wissen, dass die DNCG sich aller von uns vorgelegten Optionen und Maßnahmen sehr bewusst ist."
Weniger als zwei Stunden später platzten seine Gewissheiten: Die DNCG bestätigte ihre Entscheidung vom November und schickte OL ab der kommenden Saison in die zweite Liga. Dasselbe Schicksal ereilte vergangenes Jahr auch Girondins Bordeaux: erst der Abstieg von der Ligue 2 in die drittklassige National, später sogar der Fall in die vierte Liga.
Doch warum wurde Lyon, Sechster der abgelaufenen Saison in der Ligue 1 und Serienmeister von 2002 bis 2008, zum Abstieg verdonnert? Und wie geht es nun weiter? Kann der Traditionsklub seinen Absturz noch verhindern? Und wer würde OL im schlimmsten Fall ersetzen? Vier Fragen, vier Antworten zum Lyon-Knall.
Warum der Zwangsabstieg für Lyon?
Obwohl Textor am Dienstagabend versicherte, die "Liquiditätssituation bei Olympique Lyon habe sich erheblich verbessert", zahlen die Gones nun die Rechnung für ihre hohen Schulden. In Anhang 3 der Vereinbarung FFF-LFP, die das Regelwerk der DNCG bestimmt, heißt es: Das Eigenkapital des Klubs muss höher sein als die anrechenbaren Verbindlichkeiten.
Einfacher gesagt: Die Summe aus Kapital und Konten des Vereins muss die Höhe der Schulden übersteigen.
Seit November versucht OL, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen. Die Vereinsführung senkte die Gehaltskosten (von 130 auf unter 100 Millionen Euro), verkaufte Spieler für rund 80 Millionen Euro, steuerte Geld über Anteilseigner bei (ebenfalls ca. 80 Millionen Euro) und rechnete sogar Spielerverkäufe anderer Klubs aus dem Textor-Konzern Eagle Football dem OL-Budget zu. Etwa den Verkauf von Luiz Henrique an Zenit St. Petersburg, der etwa 30 Millionen Euro eingebracht haben soll.
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Luiz Henrique wechselte zu Zenit nach St. Petersburg
Fotocredit: Getty Images
Das Ziel dieser Maßnahmen: Die 175 Millionen Euro aufzutreiben, welche die DNCG im November zur Entschuldung gefordert hatte. Offenbar reichte das jedoch nicht. Dabei soll die tatsächlich zusammengetragene Summe sogar über 200 Millionen Euro betragen – zusätzlich zu einer möglichen Einnahme von rund 40 Millionen Euro aus dem Verkauf von Crystal Palace, ebenfalls im Besitz von Textor.
Dieser Verkauf wurde am Montag offiziell, aber noch nicht von der Premier League bestätigt – wohl zu spät für die DNCG-Unterlagen von OL.
Wie geht es nun weiter?
Olympique kündigte an, gegen die DNCG-Entscheidung Berufung einzulegen. Gemäß Artikel 5 des DNCG-Regelwerks kann dies binnen sieben Tagen nach der Mitteilung geschehen – also spätestens bis kommenden Mittwoch.
Nach Einlegung des Einspruchs (gegen eine Gebühr von 150 Euro) beginnt ein neues Verfahren. Der Fall wird dann von einer Berufungskommission geprüft – mit anderer Zusammensetzung als die Erstinstanz: weniger Mitglieder, keine Vertreter der Spieler-, Trainer- oder Verwaltungsgewerkschaften.
Welche finanziellen Mittel hat OL noch?
Die entscheidende Hoffnung liegt auf dem Verkauf von Crystal Palace.
"Das Geld wird in Eagle investiert. Natürlich würden wir es gerne nutzen, um unsere Schulden zu begleichen. Und auch einen Teil dem Unternehmen zur Verfügung stellen", erklärte Textor am Dienstagabend.
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US-Investor John Textor
Fotocredit: Getty Images
Insgesamt sollen rund 200 Millionen Euro verfügbar sein. Ein Teil davon wurde jedoch bereits für Auflagen der UEFA verwendet, um Lyons Fortbestand zu sichern.
Die offene Frage ist nun, ob die DNCG diese Mittel anerkennt. Wird OL innerhalb der Berufungsfrist genügend Zeit haben, die Einnahmen aus dem Crystal-Palace-Deal einzubringen? Oder kam das Geld ohnehin zu spät? Die Regelwerke sagen hierzu nichts – aber davon hängt die Zukunft von Olympique Lyon maßgeblich ab.
Wer würde OL in der Ligue 1 ersetzen?
Ironischerweise wäre es nicht der Lokalrivale AS Saint-Étienne, der als erster direkter Absteiger der letzten Saison infrage käme. Vielmehr würde Stade Reims nachrücken.
Laut Artikel 520 des LFP-Wettbewerbsreglements gilt: Wird einem Verein die Teilnahme an der Ligue 1 aus regulatorischen oder disziplinarischen Gründen verweigert, rückt der Verlierer der Relegation nach.
Reims, in der letzten Saison 16. und Relegationsverlierer gegen Metz im April, müsste dann nur noch die Teilnahmebedingungen der Ligue 1 erfüllen. Auch Reims wurde am Dienstag von der DNCG geprüft – bisher ohne Probleme. Für die Ligue 1 wären die Anforderungen aber wohl etwas strenger.
Damit Saint-Étienne zum Zug käme, müsste also auch Reims noch scheitern.
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