Mino Raiola im Porträt: Er vertritt Gianluigi Donnarumma, Paul Pogba und Zlatan Ibrahimovic
Mit Gianluigi Donnarumma hat er schon wieder das nächste heiße Eisen im Feuer, BVB-Durchstarter Ousmane Dembélé würde er gerne zu seinen Klienten zählen. Oft wenn es um Transfers geht, fällt sein Name: Mino Raiola. Dem 48-Jährigen eilt ein zweifelhafter Ruf voraus, er gilt als skrupelloser Verhandlungspartner und Schacherer um große Summen. Eurosport.de stellt ihn vor.
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Transferphase, Reizüberflutung. Kein Tag vergeht derzeit ohne ein neues Transfergerücht.
Mit Gianluigi Donnarumma steht seit gestern offiziell das wohl größte Torhüter-Talent Europas im Schaufenster. Wohin geht der 18 Jahre alte Keeper? Zu Real Madrid? Zu Manchester United? Und was macht eigentlich der bald vertragslose und derzeit verletzte Zlatan Ibrahimovic?
Ein Mann wird all diese Entscheidungen sicherlich beeinflussen: Mino Raiola.
Der 49 Jahre alte Spielerberater - oder "Agent", wie er sich gerne nennt - ist in jeder Transferperiode in aller Munde; hat er mit eben jenem Donnarumma, Ibrahimovic oder auch Romelu Lukaku schillernde Stars in seiner Klienten-Kartei.
Raiola: Das Timing bestimmt er
Hierzulande war in Verbindung mit Raiola zuletzt auch der Name Ousmane Dembélé zu lesen. Nachdem dieser vom FC Barcelona umworben ist, wittert Raiola das nächste große Geschäft.
Nur zu gerne würde er den 20 Jahre alten Franzosen unter Vertrag nehmen. Raiola beherrscht eben die ganze Klaviatur des Transfer-Wahnsinns.
Doch wer ist Mino Raiola überhaupt, wie konnte er zum Top-Agenten neben Jorge Mendes (u.a. Cristiano Ronaldo, Renato Sanches, Diego Costa, Angel Di María, James Rodríguez) aufsteigen? Was meint Raiola, wenn er sagt: "Zu einem krummen Deal gehören immer zwei"?
Raiola fing in einer holländischen Pizzeria an
Angefangen hat alles mit dem "Palladium", der Pizzeria seines Vaters im holländischen Haarlem. "Alles was ich kann, habe ich im Restaurant gelernt", sagte Raiola mal in einem Interview mit "11Freunde". Dort gingen damals die Spieler von Ajax Amsterdam ein und aus, langsam aber sicher fühlte sich der Sohn italienischer Einwanderer so ins Fußball-Business ein.
Erst waren es nur Tipps für den Präsidenten des HFC Haarlem, später übernahm er das Prüfen von Transferverträgen und entdeckte Schlupflöcher. "'Hört mal, ich weiß, wie ihr den holländischen Markt kontrollieren könnt, ohne hohe Summen auszugeben'", soll er irgendwann nach eigener Aussage vorgeschlagen haben. "Sie willigten ein und alles begann."
Die Pizzeria ist ihm längst zu klein geworden. 300 Tage im Jahr sei er unterwegs, sagt er. Ein Staatenloser, Luxus-Vagabund, mit dem richtigen Riecher ausgestattet. Wenn es Geld rauszuschlagen gilt oder ein Wechsel zu arrangieren ist - nichts ist unmöglich: Raiola!
Bergkamp-Transfer war die Eintrittskarte
So wandte sich auch 2011 Mark van Bommel an den umstrittenen Berater, als er lieber heute als morgen vor Louis van Gaal und vom FC Bayern München flüchten wollte. Raiola brachte ihn in Windeseile beim AC Mailand unter.
In Italien hatte er mit Mitte Zwanzig auch seine ersten großen Transfers eingefädelt. 1993 transferierte er Dennis Bergkamp von Ajax Amsterdam zu Inter Mailand - seine goldene Eintrittskarte ins Business. Später lotste er auch Ibrahimovic aus Amsterdam nach Italien zu Juventus Turin. Dann zu Inter Mailand. Dann zum FC Barcelona. Dann zum AC Mailand. Dann zu Paris Saint-Germain. Und nun wieder weiter.
Mit jedem Deal macht Raiola ein gutes Geschäft, heute streicht er Provisionen im hohen einstelligen Millionenbereich ein. "Nicht ich finde die Spieler, sondern die Spieler finden mich", sagt er über den Ruf, den er in der Branche hat. Will ein Spieler raus aus seinem Vertrag oder nachverhandeln: Better call Mino.
Berühmte Episode mit Balotelli
Seine skrupellosen Methoden sind unter seinen Kollegen verpönt. Der italienische Spielervermittler Giacomo Petralito meinte mal über Raiola:
In Ibrahimovic' (sehr freier) Biographie wird Zlatan hingegen nach der ersten Begegnung der beiden nachgesagt, in Raiola einen Typen wie aus der Mafia-Serie "Die Sopranos" erkannt zu haben. Es gefiel ihm offenbar.
Für seine Klienten ist Raiola oft eine Art Vaterfigur, einer, der sich um alles kümmert. Berühmt ist mittlerweile die Episode mit Mario Balotelli, die der Agent einst "France Football" erzählte:
Und auch wenn er aktuell viel Redebedarf hat, arbeitet die Figur Raiola oft im Verborgenen. Was Legenden fördert. Sein Team soll beispielsweise nur aus einem persönlichen Assistenten und einer Sekretärin bestehen. Sieben Sprachen soll er drauf haben, sein Hauptwohnsitz irgendwo in Monte Carlo liegen.
Unterredungen führe er am liebsten in Restaurants, nicht in Geschäftsstellen, heißt es. Spiele im Stadion gucke er kaum. Und seine Firma "Maguire Tax & Legal" soll er nach dem Film "Jerry Maguire" mit Tom Cruise benannt haben. Zentrales Thema des Sportagenten-Streifens: "Führ mich zum Schotter!"
Raiola lehnte Jura-Studium ab - aus Gründen
Ein Jurastudium war hingegen nichts für ihn. "Anwälte kann ich mir schließlich kaufen", ist eines seiner berühmtesten Zitate. Ein extravaganter Lebensstil wird ihm nicht nachgesagt - außer in Restaurants.
Zu Verhandlungen erscheint die gedrungene Gestalt gerne mit Sonnenbrille, Polo-Hemd und Stoffhose. Und wenn Raiola verhandelt, dann richtig. Mit allem, was er hat. Weil er weiß, dass es den Markt verändert - dafür hat er die großen Stars unter Vertrag.
"Ein Big Deal ruft eine Kettenreaktion hervor", sagte er 2014. Wenn einer seiner Spieler gehe, "bewegen sich zehn andere Positionen mit", meinte er großspurig. Manchmal stimmt das aber tatsächlich - diesen Sommer könnte es mit Donnarumma oder Lukaku wieder soweit sein.
Dass sie ihn im Fußball-Business manchmal abfällig den "Pizzabäcker" rufen, hinkt aber:
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