Stefan Kuntz steht als Trainer für das Entfachen von Euphorie. Er kann ein Team bilden, es formen, motivieren und zum Erfolg führen. Es war sein großer Traum, es auch beim olympischen Turnier in Tokio zu schaffen. Am Mittwoch ist er jäh zerplatzt.
Das deutsche Team fliegt nach dem 1:1 im abschließenden Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste mit ordentlich Frust im Gepäck nach Hause.
Die Köpfe hingen herunter. "Die Enttäuschung ist sehr groß, keiner von uns will nach Hause. Wir haben nichts erreicht", seufzte Routinier Max Kruse. Kuntz, ebenfalls deutlich angeschlagen und ein Schatten seiner selbst, ließ dagegen die ganze Wut raus.
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"Wir haben die Menschen hier sehr freundlich kennengelernt. Ansonsten war von dem olympischen Gefühl aus meiner Sicht überhaupt nichts vorhanden, außer bei den zwei Besuchen im olympischen Dorf", sagte Kuntz im Hinblick auf die strengen Regeln in der Corona-Pandemie.

Deutschland mit begrenzten Möglichkeiten

Zuschauer sind bis auf wenige Ausnahmen nicht erlaubt, dazu gibt es für alle Beteiligten zahlreiche Corona-Tests. "Wir waren kaserniert, eingesperrt, durften nicht auf die Straße gehen. Wir durften nur nach langem Hin und Her einen Balkon mal öffnen. Da hätte ich gern mehr olympisches Flair gehabt", ergänzte Kuntz.
Das sei seine persönliche Meinung. "Das hat jetzt nichts damit zu tun, dass wir Fußballer sind oder Fußballer gerne eine Sonderstellung gehabt hätten."

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Seinen Unmut über die fehlende Bereitschaft aus der Bundesliga, die Spieler für sein Team abzustellen, hatte er zuvor schon moniert. Doch auch jetzt knirschte er noch: "Man muss sagen, dass die Möglichkeiten, die wir mit dem Kader hatten, was Variabilität anbelangt, ein bisschen eingegrenzt waren."
Nur 18 (15 Feldspieler) statt 22 möglichen Spielern flogen aufgrund von Absagen oder Verletzungen mit, vor Ort gab es unter anderem Platzverweise für Maximilian Arnold und Amos Pieper, so dass Kuntz sogar ernsthaft mit dem Gedanken spielen musste, Ersatzkeeper Luca Plogmann als Feldspieler einzusetzen.
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wies indes jegliche Kritik an den Bundesligisten zurück: "Man kann nicht erst eine EM spielen und dann Olympia - und dann sollen die, die alles bezahlen, nämlich die Klubs, das schwächste Glied in der Nahrungskette sein. Das geht beim besten Willen nicht. Wir können nichts für die Terminierung", sagte er.

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Kuntz sieht das freilich anders, der Konflikt wird bei einer anderen Gelegenheit sicher wieder hochkochen, vorerst bedankte er sich bei den Spielern, die er zur Verfügung hatte: "Ich bin stolz auf die 18 Spieler, die sich zu Olympia bekannt haben. Sie haben mit viel Mut, Mentalität und Einstellung auch das letzte Körnchen gegeben."
Am Zusammenhalt hatte es in Tokio wahrlich nicht gelegen.

Immerhin der Zusammenhalt stimmte

Doch das reichte auch gegen die Elfenbeinküste nicht zum Sieg. Nach den besten 30 Turnier-Minuten der Kuntz-Kicker konnte Deutschland das hohe Tempo nicht mehr halten. Man konnte von Minute zu Minute sehen, wie die Spieler müde wurden.
Von der Bank kam dann logischerweise nichts mehr.
Ob Kuntz künftig dort noch sitzen wird, ist sehr fraglich. Bewusst ließ Kuntz Fragen nach seiner Zukunft unbeantwortet, kündigte stattdessen an, sich nun erstmal ausruhen und das Handy abschalten zu wollen. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, der Europameister von 1996 solle die russische Nationalmannschaft übernehmen.
Kuntz hatte schon nach dem EM-Triumph mit der U21 im Juni angekündigt, nach Olympia "das Ganze wirken lassen" zu wollen. Mit der U21 war er schon 2017 Europameister geworden, sein Vertrag läuft noch bis 2023.
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