Swansea-City-Keeper Gerhard Tremmel: Das wird Jürgen Klopp in der Premier League überraschen

Torwart Gerhard Tremmel spielt seit 2011 in der Premier League. Im Interview mit eurosport.de verrät er, worauf Jürgen Klopp achten muss, was Schweinsteiger zum Staunen brachte und wieso er dem FC Arsenal gegen den FC Bayern wenig Chancen einräumt.

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Herr Tremmel, am Samstag startet Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool ins Abenteuer Premier League. Was wird ihn dabei überraschen?
Gerhard Tremmel: Zunächst einmal das Tempo. Die Fans pushen dich hier bei jedem Ballgewinn sofort nach vorne, dadurch wird das Spiel extrem schnell. Dass es rauf und runter geht, ist hier keine Ausnahme, sondern die Regel.
Also schwierig, die richtige Balance zu finden. Was muss er noch beachten?
Tremmel: Hier in der Premier League gibt es keine Winterpause. Das Training muss darauf abgestimmt werden, die Spieler müssen häufiger rotieren. Insofern muss der Kader insgesamt sehr stark sein. Zweimal am Tag Training - das gibt es hier nicht. Ansonsten wären die Spieler bereits im Februar ausgelaugt.

Rodgers ein ausgezeichneter Trainer

Mit Brendan Rodgers ist Ihr erster Trainer in England zu Gunsten von Klopp entlassen worden. Wie haben Sie seine Entlassung wahrgenommen?
Tremmel: Rodgers ist ein ausgezeichneter Trainer, wenn nicht sogar der beste, den ich je hatte. Er ist ein fantastischer Kommunikator. Aber in Liverpool sind die Dinge einfach nicht so gelaufen, wie er sich das vorgestellt hat.
Wie meinen Sie das?
Tremmel: In seinem zweiten Jahr lief es mit der Vize-Meisterschaft nahezu perfekt, aber dann hat man mit Luis Suárez die Torgarantie verkauft und ein adäquater Ersatz wurde nicht gefunden. Auch Christian Benteke, der diese Saison für viel Geld geholt wurde, passt noch nicht hundertprozentig in die Mannschaft. So wurde der Druck auf Rodgers nach und nach einfach immer größer.

Klopp der perfekte Mann

Auch, weil mit Klopp schon ein guter Kandidat bereit stand?
Tremmel: Für mich war mit Klopps Ausscheiden in Dortmund schon klar, dass er der nächste Liverpool-Trainer sein wird. Er ist der perfekte Mann für die Mannschaft. Er arbeitet gerne mit jungen Spielern, ist charmant und emotional, dazu ein guter Motivator. Rodgers kam an der Seitenlinie manchmal etwas unterkühlt rüber, was die Fans irritiert hat. Zu Manchester City oder Manchester United hätte Klopp nicht gepasst, aber zu Liverpool passt er wie die Faust aufs Auge.
Nicht nur Klopp kam rüber auf die Insel - hatten Sie schon Kontakt mit Bastian Schweinsteiger?
Tremmel: Ja, ich habe ihn mir beim Spiel gegen United (2:1 für Swansea, d. Red.) gekrallt und ein Trikot geben lassen, weil meine Schwägerin ein großer Schweinsteiger-Fan ist. Wir haben auch ein bisschen gequatscht. Er wirkte etwas überrascht, dass Manchester gegen uns nicht so dominant auftreten konnte, wie es Bayern in der Bundesliga gegen Klubs aus dem Mittelfeld der Tabelle kann. Aber hier kann nun mal jeder jeden schlagen.

Schweinsteiger muss sich Status erarbeiten

Wird er zu kritisch gesehen?
Tremmel: Am Anfang war er noch nicht richtig fit, da ist er nicht so gut weggekommen. Für ihn ist es nun mal auch eine enorme Umstellung, die sicherlich noch andauert. Man muss erstmal die Kollegen kennenlernen, den Spielstil. Die Sprache ist neu, das Umfeld, der Verein. Bei Bayern war er eine feste Größe. Diesen Status muss er sich erst wieder erarbeiten, das braucht seine Zeit. Sobald er fit und vollends in der Mannschaft angekommen ist, wird man auch hier in England von seiner Ruhe und Erfahrung profitieren.
Die Meisterschaft scheint in England diese Saison offener zu sein.
Tremmel: Aktuell sind es nur sechs Punkte zwischen Platz eins und zehn, aber das wird sich einpendeln. Am Ende werden wieder die Manchester-Klubs, Arsenal und Chelsea vorne sein Eine echte Chance für Liverpool sehe ich nur, wenn Chelsea schwächeln sollte. Mit Swansea hoffe ich auf einen soliden Mittelfeldplatz.

Enges Rennen in der Premier League

Weil die Qualität in der Spitze enorm hoch ist?
Tremmel: Absolut. In der Premier League spielen vier mit Bayern München vergleichbare Clubs, dann drei wie Borussia Dortmund und noch zwei wie der VfL Wolfsburg. Die finanzielle Überlegenheit der Premier League ist ja kein Geheimnis.
Ist man sich in Swansea eigentlich der Tatsache bewusst, dass man als Mittelklasseklub mehr TV-Geld kassiert als der FC Bayern München in Deutschland?
Tremmel: Ich habe neulich erst gelesen, dass sich Karl-Heinz Rummenigge darüber sehr echauffiert hat. Und er hat natürlich nicht Unrecht. Die finanzielle Lücke in Sachen TV-Vermarktung zu schließen, ist jetzt schon fast unmöglich. Die Premier League ist nun mal für den Fernseh-Zuschauer in den USA oder in China die attraktivste Liga. Und sie hat an sich selbst den Anspruch, die spielerisch stärkste Liga der Welt zu sein.

Arsenal ohne Konstanz

Arsenal ist am Dienstag Gegner der Bayern in der Champions League und steht schon vor dem Aus. Was ist drin für die Gunners?
Tremmel: Arsenal fehlt seit Jahren einfach die Konstanz. Und es macht auf mich nicht den Eindruck, als wären sie mit dem Rücken zur Wand zu herausragenden Leistungen fähig. Ich denke, Bayern wird daraus seinen Nutzen ziehen und am Ende gewinnen, weil Arsenal offen auf Sieg spielen muss. Etwas anderes würden die Fans nicht akzeptieren.

"Habe hier alles, was ich brauche"

Sie selbst haben im Sommer mit 36 nochmal um zwei Jahre bei Swansea verlängert, was allerdings ein wenig dauerte.
Tremmel: Swansea bot mir zunächst nur einen Ein-Jahres-Vertrag. Das war mir zu wenig. Ich hatte dann zwei Angebote aus der Bundesliga, wäre beinahe wieder in Deutschland gelandet. Und kurz bevor es mit Swansea wieder konkreter wurde, wollte mich Sunderland haben. Aber dann bot mir Swansea doch noch einen Zwei-Jahres-Vertrag an, und da ich hier die tollste Zeit meiner Karriere hatte, habe ich zugesagt. Ich habe hier alles, was ich brauche.
Ein weiterer kleiner Triumph der Offseason: Swansea luchste Arsenal den Torwarttrainer ab.
Tremmel: Tony Roberts ist eine Granate, ein großartiger Typ. Er hat super Ideen, es macht wahnsinnig viel Spaß mit ihm zu trainieren. Man muss sehen: Ohne die Winterpause ist man hier in England zehneinhalb Monate ununterbrochen mit denselben Jungs zusammen. Da ist es schon wichtig, dass die Chemie stimmt. Da achtet Swansea schon sehr drauf.
Sie haben 52-mal für Swansea gespielt, waren dabei aber nur selten erste Wahl. Wie viele Spiele kommen noch hinzu?
Tremmel: Das werden wir noch gemeinsam herausfinden. (lacht) Ich stehe dem Ganzen gelassen gegenüber, es ist erst Oktober. Ich bin immer auf meine Spiele gekommen. Und letztlich habe ich hier einen fantastischen Job in einem tollen Umfeld, der mir sehr viel Freude bereitet.
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