FC Liverpool: Dicker Spielplan, dünne Form - so reagiert Jürgen Klopp
Der FC Liverpool kommt in der Premier League angeschlagen daher - gerade jetzt, wo der Winter-Wahnsinn mit neun Spielen bis 24. Januar losbricht. Jürgen Klopp ist gefordert, wirkt aber ein wenig ratlos. Ohne Philippe Coutinho scheint den Reds der nötige Punch zu fehlen. Klopp spricht derweil in Boxer-Metaphorik über seinen aufopferungsvollen Spielstil, der nur schwer konstant durchzuziehen ist.
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Jürgen Klopp weiß, was auf ihn zu kommt.
Während man in Deutschland mehr oder weniger ruhig auf die Winterpause zusteuert, legt man in England gerade erst richtig los. Hat der FC Bayern bis 24. Januar genau drei Spiele zu absolvieren, sind es beim FC Liverpool dreimal so viele - neun Stück.
Für viele Experten sind die Monate Dezember und Januar nicht weniger als die entscheidenden in der Premier League; der FC Arsenal hat in dieser Phase oft die Meisterschaft versemmelt. Vergangene Spielzeit kam Leicester dagegen mit nur einer Niederlage durch die zwei heißen Wintermonate. Am Ende war der Außenseiter Meister.
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26/07/2025 um 21:12 Uhr
Jürgen Klopp zieht das große Bild heran
Es gilt also - für Liverpool, für Klopp. Das Problem: Sie sind nicht gut drauf, die Reds. Nur ein Sieg aus den letzten vier Liga-Spielen, Verletztenprobleme. Der Coach: genervt, wie die jüngste Episode um Loris Karius und die Neville-Brüder zeigte.
Vor dem Premier-League-Spiel beim FC Middlesbrough am Mittwochabend (20:45 Uhr im Livescoring) reagierte Klopp ziemlich "kloppolike" - er konterte Kritik, in dem er das große Bild zur Betrachtung ran zog. Und damit indirekt klarstellte, dass man noch kein Titelanwärter sei.
"Ich denke, es macht keinen Sinn, zu diesem Zeitpunkt der Saison die Punkte der Teams gegeneinander zu halten", sagte er, zählte dann aber doch durch:
Durchhalteparole nach Rückschlägen
Bis auf sechs Punkte Rückstand auf den FC Chelsea, natürlich. Nichts, was sich nicht mit Siegen in Middlesbrough, im Derby beim FC Everton (Mo.) und Stoke City (27.12.) regulieren ließe, ehe es an Silvester gegen Manchester City geht.
Aber halt schon ein Stück weg von der Spitzenposition, die der LFC noch am 11. Spieltag innehatte, und die Liverpool-Fans schon sanft vom Titel träumen ließ.
"Wir sind nicht happy damit, aber das hat nichts mit den Siegen der Konkurrenz zu tun, weil wir das absolut nicht beeinflussen können. Bis jetzt waren wir einfach auch nicht das Team mit dem meisten Glück, was Schiedsrichter-Entscheidungen und solche Dinge angeht. Wir müssen einfach unser Ding durchziehen und die Punkte einsammeln", sagte Klopp, was ein bisschen nach Durchhalteparole klang.
Begrenzte Rotationsmöglichkeiten
Es ist halt doch noch ein bisschen Umbruch bei den Reds. Der Kader entspricht Klopps Vorstellungen mehr als in der Vorsaison, aber noch nicht zu hundert Prozent. Aktuelle Ausfälle wie von Philippe Coutinho oder Daniel Sturridge (plus Danny Ings) kann er nicht so gut kompensieren wie die Konkurrenz. Gegen Bournemouth fehlte Abwehrchef Joel Matip - 3:4.
Die Möglichkeiten zur Rotation: begrenzt. "Die Intensität der Liga sowie die Qualität der Gegner macht es fast unmöglich, nach einem Spiel unter der Woche plötzlich vier Spieler am kommenden Samstag zu schonen. Sonst gerät man sofort in Gefahr, die Partie zu verlieren", sagte Klopp in einem Interview mit "Spox.com", in dem er detaillierte Einblicke in seine Arbeit gab.
Sicher, der Liverpooler Spielstil ist aufwendig. Die Frage ist: zu aufwendig, um in England konstant gut zu sein?
Eine Frage der Qualität
"Wir behaupten nicht, Gegenpressing zu spielen, sei der einzig richtige Weg. Es hat sich für uns nur als sehr sinnvoll erwiesen und bleibt auch ein wichtiger Teil des Spiels", erklärte Klopp. Und dann ist da noch die Frage der Qualität:
Der Knackpunkt: sich gegen ManCity, Chelsea oder ManUnited aufzuopfern, ist leicht. Es gegen Burnley, Bournemouth oder Middlesbrough zu tun, nicht.
Klopp hat dazu einen bemerkenswerten Vergleich:
Probleme gegen die Kleinen
Ein Lerneffekt, der sich erst nach und nach einstellt. So knirscht es hier und da noch - vor allem gegen die Kleinen. Burnley, Southampton, Bournemouth und West Ham, gegen die Liverpool nicht gewinnen konnte, waren zum Zeitpunkt der Duelle alle zweistellig platziert. So wie Middlesbrough (16.) nun.
Was Klopp hilft, ist der Gemeinschaftssinn seiner Truppe. "Seit er da ist, verbringen die Spieler noch intensiver Zeit miteinander, gehen öfters zusammen essen", sagte Emre Can der "Sport Bild". Sogar Kindergeburtstage werden zusammen gefeiert. Can:
Doch Klopp kann auch hart. Mamadou Sakho, immerhin vor nicht allzu langer Zeit noch französischer Nationalspieler ist spätestens seit seiner Doping-Eselei - er war wegen der Einnahme eines "Fatburners" im Mai für 30 Tage schutzgesperrt worden, ehe die UEFA von einer Strafe absah - unten durch, spielte seither nicht mehr für die erste Mannschaft.
Gute Statistiken in Offensive und Defensive
Dass Roberto Firmino, Sadio Mané und Adam Lallana in den letzten vier Ligaspielen zu dritt nur zwei Tore erzielt haben, passt zur aktuellen Formdelle. Zuletzt plagte sich zudem noch Emre Can mit Knieproblemen rum, bei Dejan Lovren zwickt ein Muskel.
Offensiv läuft's zurzeit eigentlich nur bei Divock Origi, der in vier Pflichtspielen in Folge traf.
Und ja: Liverpool hat die meisten Tore der Liga erzielt (37), die meisten Schüsse abgefeuert (280) und damit auch am häufigsten aufs Tor getroffen (101).
Die Reds haben sogar den geringsten Schnitt, was die zugelassenen Torschüsse des Gegners angeht: 7,8 pro Spiel. Allerdings, und das ist das Problem, führten die wenigen Schüsse zu 20 Gegentoren - nur Platz zehn im Premier-League-Ranking.
Rhythmus ist weg
Für Klopp eine Frage der Gesamtbalance, die nicht mehr stimmt: "Verteidigen beginnt immer mit dem Druck auf den Gegner, der den Ball passt und wir müssen mehr Spieler hinter dem Ball haben. Alles andere macht keinen Sinn", redete er seinen Spielern ins Gewissen.
Zum unguten Gefühl vorm Spiel in Middlesbrough passt, dass Liverpool beim Aufsteiger seit 2002 nicht mehr in der Liga gewinnen konnte.
Und gerade jetzt ist der bequeme Rhythmus passé, der Liverpool-Luxus, unter der Woche nicht international spielen zu müssen, wird durch den Winter-Wahnsinn untergraben. Das zeigen schon alleine die Wochentage, an denen Liverpools kommende Spiele stattfinden: Mittwoch, Montag, Dienstag, Samstag, Montag, Dienstag.
Einige Baustellen, wenig Zeit
"Wir haben viel zu analysieren, aber nur zwei Tage bis zum nächsten Spiel", sagte Klopp am Montag etwas hilflos:
Zum Umbruchsgefühl passt, dass auch die Anfield Road aktuell noch ein wenig Baustellencharme umgibt. Phase eins des Umbaus läuft immer noch, die Mannschaft zieht sich vor Spielen noch in Containern um. Immerhin: Die Maßnahmen an der Haupttribünenseite sollen Anfang 2017 abgeschlossen sein.
Wenn der Winter-Wahnsinn durch ist.
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