Taktik-Check zur Premier League: So viel Pep Guardiola steckt schon in Manchester City
VonLuca Baier
Publiziert 09/09/2016 um 10:56 GMT+2 Uhr
United gegen City. Mourinho gegen Guardiola. Beide Teams punktgleich an der Tabellenspitze. Wäre nicht erst der vierte Spieltag, könnte man sagen: Mehr Showdown geht nicht. Zwar kommt das Topspiel (Samstag, 13:30 Uhr im Liveticker) zumindest für die neutralen Fußballfans zu früh, dennoch darf man sich auf einige wichtige Erkenntnisse freuen.
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Im Mittelpunkt steht natürlich die Frage, wie viel "Pep" schon in Manchester City steckt. Jahrelang agierte die Ansammlung von teuren Stars auch als solche: Individuell gehörte City immer zu den stärksten Teams im europäischen Fußballgeschäft, im Kollektiv waren die Skyblues jedoch aufgrund taktischer Schwächen chancenlos gegen Bayern, Barcelona und Co.
Vom Heldenfußball zum Positionsspiel
Dieser Heldenfußball, der einzig und allein von den individuellen Geniestreichen einzelner Spieler abhängt, soll unter Guardiola nun Geschichte sein. Der Katalane hat der Mannschaft eine neue Raumaufteilung verordnet, die besser zu den Stärken der einzelnen Spielern passt.
Dabei ist das System an sich nur zweitranging. Angesprochen auf Zahlenformeln wie 4-4-2, 4-3-3 und Co. antwortete Guardiola in der Vergangenheit nicht nur einmal, dass Systeme für ihn "nur Telefonnummern" seien. Es gehe vielmehr darum, die wichtigen Räume ständig besetzt zu haben – und zwar von den richtigen Spielern.
Wie schon beim FC Barcelona und beim FC Bayern sieht man schon nach kurzer Zeit auch bei Manchester City einige Grundprinzipien des Pep´schen Positionsspiels. Die Außenbahnen werden jeweils nur von einem Spieler besetzt, in der Mitte und in den Halbräumen soll dafür ein Übergewicht hergestellt werden. Wichtig dabei: Es sollen möglichst nie zwei Spieler auf der gleichen vertikalen Linie stehen, da sie sich sonst gegenseitig decken.
Kreativspieler profitieren von falschen Außenverteidigern
Die erste und wohl auffälligste Maßnahme Guardiola war es, die Außenverteidiger bei Ballbesitz ins Zentrum zu ziehen. Aus dem nominellen 4-3-3 mit einem Sechser und zwei offensiven Achtern wurde so ein 2-3-5.
Fernandinho wird als Sechser in Ballbesitz also von den beiden Außenverteidigern assistiert. Lässt sich der Brasilianer zwischen die Innenverteidiger fallen, um den Spielaufbau gegen zwei anlaufende Stürmer zu vereinfachen, ist das strategisch wichtige Zentrum trotzdem besetzt. Weil die Außenverteidiger den Sechserraum so verstärken, können die Achter deutlich höher spielen – und das ist angesichts der Personalwahl äußerst sinnvoll.
Mit Kevin de Bruyne und David Silva setzt Guardiola nämlich zwei absolute Kreativspieler, die auf der Zehn zu Hause sind, als zentrale Mittelfeldspieler ein. Diese sehen die ersten beiden Spielfelddrittel in Ballbesitz jedoch fast ausschließlich aus der Ferne. Sie sollen sich im offensiven Mittelfeld zwischen den Linien des Gegners bewegen und dort immer wieder in den Lücken anbieten und dort ihre Fähigkeiten auf engem Raum ins Spiel bringen.
Weil beide auch unter hohem Gegnerdruck die Übersicht behalten, können sie aus den engen Situationen gegen zwei oder drei Gegner die letzten oder vorletzten Pässe in die Schnittstellen spielen – Sergio Aguero, Raheem Sterling und Nolito sind hier dankbare Abnehmer.
Baustelle Gegenpressing als Chance für United
Während das Spiel in Ballbesitz schon recht ansehnlich und auch durchschlagskräftig funktioniert, ist die Arbeit gegen den Ball noch deutlich ausbaufähiger. Guardiola sieht den Ballbesitz (auch) als Defensivtaktik: Haben wir den Ball, kann der Gegner kein Tor erzielen.
Um den Ball so oft wie möglich zu haben – Pep: "Am liebsten will ich den Ball 90 Minuten haben" – muss die Mannschaft jedoch ständig bereit sein, den Gegner zu jagen. Manchester City zeichnete sich in den vergangenen Jahren wie auch der Rest der Premier League nicht gerade durch eine strukturierte, kollektive Arbeit gegen den Ball aus. Vielmehr wurde einfach auch den Fehler des Gegners gewartet.
Die neue Philosophie sieht jedoch einen anderen Ansatz vor: Nach dem Ballverlust ist vor dem Ballgewinn. Durch die engmaschige Staffelung im Zentrum (Sechser, zwei Außenverteidiger und zwei Achter) sind die Wege kurz, sodass eine sofortige Rückeroberung des Balls möglich ist.
Hierbei kommt es neben der gedanklichen und körperlichen Schnelligkeit jedoch auch auf das Timing im Kollektiv an – und genau dort haben die Citizens aktuell noch Schwierigkeiten. Zu häufig halten die Spieler im Gegenpressing nicht die richtigen Abstände zueinander ein oder gehen zu früh auf den direkten Ballgewinn. Die Folge: Dribbelstarke Gegner können sich in diesen Situationen befreien und lange Bälle hinter die weit aufgerückte Abwehrkette spielen.
Dass gerade José Mourinhos Mannschaften für solche Gegenmaßnahmen bekannt sind, ist kein Geheimnis. Der Portugiese wird seine mit Weltklassespielern gespickte Elf intensiv vorbereiten. Ob der Guardiola-Fußball in diesem Stadium schon stabil genug ist, um solch einen starken Gegner zu bezwingen?
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