Was das neue Transferfenster der Premier League für die Bundesliga und den Rest von Europa bedeutet

Am 9. August ist Schluss. Dann dürfen in England keine Transfers mehr getätigt werden. Ausgerechnet in der finanzstärksten Liga der Welt schließen die Pforten früher. Das bedeutet: keine Panikkäufe mehr nach Saisonstart. Für die Vereine ist der Transferschluss Fluch und Segen zugleich. Aber auch der Rest von Europa ist betroffen. Eurosport erklärt die Folgen des neuen Transferfensters.

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Als am 17. September 2017 die Premier-League-Vereine zu einem Treffen zusammenkamen, waren nicht alle Vertreter der gleichen Meinung. Am Ende aber stand eine historische Entscheidung, die sich erst jetzt richtig bemerkbar machen wird.
Die englischen Klubs beschlossen, das Transferfenster künftig pünktlich zum Saisonauftakt zu schließen. Die Entscheidung gilt nur für die Premier League, in den unteren Profiligen bleibt der 31. August bestehen.
Arsène Wenger, damals Trainer des FC Arsenal, hatte den Schritt begrüßt:

Chancengleichheit und besserer Fußball

Mit dem neuen Transferschluss wird eine frühere Kaderplanung erzwungen. Je früher die Spieler miteinander trainieren, desto besser wird das Team in die Saison starten - so die Theorie. Viel wichtiger noch ist insbesondere für kleinere Vereine, dass Leistungsträger nach Saisonstart nicht mehr abgeworben werden können.
Zwar sind Wechsel in ausländische Ligen mit geöffnetem Transferfenster noch möglich, doch stärkt ein später Weggang nun nicht mehr im Gegenzug einen unmittelbaren Konkurrenten.
Für die größeren Klubs besteht die Gefahr darin, nach Saisonstart nicht mehr nachrüsten zu können, wie es in den letzten Jahren oft der Fall war. Die Vereine, die noch Qualifikationen zu internationalen Wettbewerben spielen müssen, wissen bei Transferschluss zum Teil noch nicht, ob sie mit der zusätzlichen Belastung planen müssen oder nicht.
Die Praxis zeigt, dass Vereine wie Manchester City, Liverpool und Tottenham (die weder Zu- noch Abgänge verzeichneten) ihre Mannschaft früh zusammen hatten, während Manchester United und der FC Chelsea noch spät in verschiedenste Transferverhandlungen verstrickt waren. Ob die Teams insgesamt durch die neue Richtlinie besseren Fußball spielen, wird die Saison noch zeigen müssen.

Bessere Verhandlungsposition für Bundesligisten

Besonders ins Schwitzen gerät derzeit United-Coach José Mourinho. Der erhöht schon seit geraumer Zeit den Druck auf seinen Transfer-Chef und Vorgesetzten Ed Woodward, weil er unbedingt noch Innenverteidiger braucht. Für den Angriff auf ManCity will er bestens präpariert sein.
Über seinen aktuellen Kader sagte der Portguiese:
Die Bundesliga profitiert dagegen mit Sicherheit vom früheren Transferschluss in England. Den deutschen Vereinen drohen - zumindest aus England - keine späten Wegkäufe mehr.
Darüber hinaus befinden sich die deutschen Klubs nun in einer komfortableren Verhandlungsposition. Während die englischen Klubs den Wechsel schneller über die Bühne bringen müssen, verspüren deutsche Vereine diesen Zeitdruck nicht. Zur Not findet sich in den darauffolgenden Wochen noch ein anderer Abnehmer.
Entsprechend profitabel konnten beispielsweise Yoshinori Muto (elf Millionen Euro zu Newcastle), Jannik Vestergaard (25 Millionen Euro zu Southhampton) oder Sokratis (16 Millionen Euro zu Arsenal) verkauft werden.

Transferwahnsinn bleibt aus - vorerst

Das befürchtete Transferchaos angesichts der Tatsache, dass die Premier-League-Klubs noch weniger Zeit haben, um ihre kostspieligen Deals einzutüten, blieb allerdings (bisher) aus. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.
Zwar gaben die Engländer immer noch am meisten Geld in Europa aus, aber sie scheinen etwas zur Vernunft gekommen zu sein: kein Transfer über 70 Millionen Euro, insgesamt Ausgaben von 1.13 Milliarden Euro (Stand 6.8.) und damit knapp 500 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Allerdings liegen auch die Einnahmen deutlich unter denen des letzten Sommers, wodurch sich die Gesamtbilanz ähnlich liest (2018/2019: -787 Millionen Euro; 2017/2018: -745 Millionen Euro)
Solange das Transferfenster noch offen ist, kann sich dieses Bild allerdings auch noch ändern. Einige Topklubs arbeiten noch an weiteren Verstärkungen.
Manchester United buhlt um die Dienste von Jérôme Boateng und anderen prominenten Innenverteidigern, der FC Arsenal will sich mit Çağlar Söyüncü verstärken. Auch Leon Bailey bestätigte gegenüber dem "kicker" zuletzt das konkrete Interesse von Chelsea und Liverpool. Panikkäufe kurz vor Transferschluss sind also durchaus im Bereich des Möglichen.

Welche Liga macht es England nach?

Überlegungen, den Transferschluss nach vorne zu verschieben, gibt es europaweit. Doch in dieser Saison ist es einzig Italien, wo das Transferfenster ebenfalls früher schließt. Deadline-Day in der Serie A ist erstmals am 18. August, wenn dort der Auftakt in die neue Spielzeit gegeben wird.
In den anderen Top-5-Ligen bleibt der Transferschluss dagegen gleich. In Spanien, Deutschland und Frankreich ist der 31. August Stichtag, wobei in Frankreich Wechsel bereits seit dem 9. Juni erlaubt sind.
Fazit: Das neue Transferfenster in England scheint seinen Zweck größtenteils zu erfüllen. Die Trainer haben ihre Mannschaft früher zusammen, die Vorbereitungen auf die Saison laufen gut. Nur für die Teams, die in der Europa-League-Qualifikation zum Einsatz kommen, ist mangelnde Planungssicherheit ein Nachteil. Auch das Transfergebahren hält sich bisher in Grenzen. Bleibt abzuwarten, was der Deadline Day noch für Überraschungen bringt.
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