FC Liverpool: Das hält der Sommer für Jürgen Klopp und Co. bereit

Der frischgebackene englische Meister FC Liverpool hat angekündigt, im Sommer sehr konservativ auf dem Transfermarkt zu agieren. Dennoch ranken sich immer wieder Gerüchte um mögliche Neuzugänge. Vor allem der Name von Bayern-Star Thiago Alcántara taucht immer wieder im Zusammenhang mit dem Team von Jürgen Klopp auf. Das hält der Transfer-Sommer für die Reds bereit.

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Na was denn nun?
Die englischen Medien berichteten bereits Anfang Mai übereinstimmend, dass der FC Liverpool gezwungen sei, sein Budget "so weit wie möglich" zu kürzen. Der Grund sei, dass aufgrund der immer noch grassierenden Corona-Pandemie nicht abzusehen sei, wann wieder Einnahmen aus dem Zuschauerbetrieb generiert werden können.
Dennoch tauchen immer wieder Gerüchte über potenzielle Neuzugänge für den Sommer auf. Einige von ihnen verschwinden, andere halten sich hartnäckig. So wird seit Wochen mal mehr und mal weniger vehement über Thiago Alcántara vom FC Bayern berichtet, der es den Reds und vor allem Teammanager Klopp angetan habe.
Doch wäre ein Transfer des Spaniers nicht genau das, worauf man in diesem Sommer verzichten wollte? Immerhin würde der Mittelfeldregisseur wohl eine hohe zweistellige Millionensumme an Ablöse kosten und zusätzlich ein nicht ganz unerhebliches Jahresgehalt fordern.

Liverpool droht 110-Millionen-Defizit

Fakt ist: Durch den Verlust der Spieltagseinnahmen steht pro Spieltag ein Minus von rund 3,4 Millionen Euro zu Buche.
Eine komplette kommende Spielzeit ohne Fans würde demnach ein Defizit von mehr als 110 Millionen Euro nach sich ziehen. In Liverpool werden daher in diesem Sommer kleinere Brötchen gebacken.
Klingt vernünftig, zumal der Kader ohnehin zu den besten der Welt gehört.
"Einen Kader zu planen, ist immer ziemlich tückisch und jedes Jahr eine große Herausforderung", sagte Klopp am Samstag, "aber die Antwort kann nie sein, mehr Spieler zu haben als du wirklich brauchen kannst."
"Schauen sie sich diese Mannschaft an", hatte Klopp schon Ende Juni in einem Interview mit der "Sport Bild" gesagt, "es ist keine Mannschaft, die man jetzt unbedingt ändern muss, wo man sagt 'Okay, wir brauchen diese Position und jene Position.'"

Klopp will einen schlanken Kader - auch in Corona-Zeiten

Die Herausforderung für Klopp und die Liverpooler Vereinsführung besteht nun darin, die Umstände des durch die Coronavirus-Pandemie zusammengestauchten Spielplans für die kommenden Spielzeiten zu antizipieren, Verletzungen und nötige Pausen vorauszusehen.
Auf der anderen Seite will Klopp aber auch einen Kader, "in dem sich jeder gebraucht fühlt. Das bedeutet, dass wir vielleicht manchmal einen kleinen Engpass in Sachen A-Lösung haben, aber wichtig ist, immer zumindest eine Lösung zu haben."
Er sei "100-prozentig glücklich mit meiner Mannschaft", hatte Klopp schon unter der Woche gesagt, "das war ich auch im vergangenen Jahr, als die Leute wollten, dass wir diesen oder jenen Spieler verpflichten. Aber wir hatten unsere Gründe, dies nicht zu tun."
Am Samstag präzisierte er: "Für einen Klub wie uns ist es nicht möglich, 20 Weltklasse-Spieler auf der Bank zu haben. Bisher sind wir damit gut gefahren, hoffentlich bleibt es auch so."

Klopp: Konstanz war der Schlüssel zum Titel

Gründe, in diesem Sommer die Füße still zu halten, gibt es viele. Umso mehr verwundert es den Trainer, dass andere Vereine wie der FC Chelsea und Manchester United trotz der allgemein angespannten Lage Großtransfers planen und durchführen.
"Wenn ich sehe, dass andere Teams groß investieren, frage ich mich, ob sie in die Zukunft sehen können", sagte Klopp, der weitergehend betonte: "Es ist nicht so, dass wir denken, wir könnten uns durch Transfers nicht verbessern. Wir tun, was wir für richtig halten und wozu wir im Stande sind - das ist alles."
Und dabei wolle sich der neue englische Meister nicht von außen beeinflussen lassen. Klopp erinnerte die versammelte Presse in der Videokonferenz ausdrücklich daran, dass Liverpool nach 97 Punkten in der Saison 2018/2019 von diversen Medienvertretern aufgefordert wurde, mehr Spieler zu kaufen, um den Rückstand auf Manchester City wettzumachen.
"Nehmen wir die 97 Punkte aus dem vergangenen Jahr, was wäre ihre Empfehlung gewesen?", fragte er in die Runde: "Wen hätten wir nach Liverpool holen sollen, um den Ein-Punkte-Rückstand auf Manchester City aufzuholen? Ich weiß nicht einmal, wer verfügbar war."
Es gehe ohnehin nicht darum, wer die meisten Millionen für neue Spieler ausgebe. Der große Unterschied in dieser Saison sei schlicht die Konstanz der Reds gewesen. Das könne man beispielsweise am extrem engen Hinspiel gegen den FC Chelsea (2:1) sehen, die Londoner seien trotz eines annähernd gleichen Levels "25 Punkte hinter uns".

Chelsea im Kaufrausch: Liverpool bleibt ruhig

Eben dieser FC Chelsea ist der bislang aktivste englische Topklub auf dem Transfermarkt. Das Team des jungen Trainers Frank Lampard peilt die Spitze an, holte unter anderem Hakim Ziyech für 40 Millionen Euro von Ajax Amsterdam und Timo Werner für rund 55 Millionen Euro aus Leipzig.
Zudem steht der Klub in den Verhandlungen mit Bayer Leverkusen bezüglich Supertalent Kai Havertz kurz vor dem Durchbruch. Ein Transfer, der noch mal ordentlich ins Geld gehen wird, die Ablöse dürfte sich irgendwo zwischen den von Chelsea angepeilten 80 Millionen und den geforderten 100 Millionen Euro der Werkself einpendeln.
Der FC Liverpool jedoch lässt sich durch das Aufrüsten der Konkurrenten nicht aus der Ruhe bringen. Für die kommende Spielzeit hat Klopp auch den ein oder anderen Nachwuchsspieler auf dem Zettel, die sich allesamt Trent Alexander-Arnold und Andrew Robertson zum Vorbild nehmen.
"Mit Neco Williams haben wir schon einen echten Anwärter im eigenen Team, das ist 'nice to have'", sagte Klopp über den 19 Jahre alten Rechtsverteidiger. "Den nächsten Trent oder Robbo zu finden, ist schwer, aber vielleicht möglich und daran arbeiten wir hundertprozentig", so der Reds-Coach.
Motto: Lasst die anderen unvernünftige Dinge tun, wir überlegen lieber zweimal.
"Der Klub wird nicht kaufen, nur weil andere Klubs kaufen und alle es deshalb von uns erwarten", versicherte Klopp und fügte in aller Klarheit an: "Wir kaufen, wenn wir das Geld dafür haben und die Notwendigkeit sehen. Wenn eines dieser Dinge nicht gegeben ist, werden wir niemanden kaufen - und wir werden es sicher nicht als Entschuldigung benutzen."
Entschuldigungen werden die Reds auch nicht brauchen, wenn sie nur annähernd das Level dieser Saison erreichen.
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