So lief das Spiel:

Mehr als vier Monate waren seit dem letzten Pflichtspiel auf französischem Boden vergangen und so war - abgesehen von ein paar Testspielen - nur schwer vorauszusagen, wie sich die beiden Mannschaften präsentieren würden. Doch von anfänglichem Rost war nicht viel zu sehen. Gerade die AS St. Etienne legte druckvoll los und präsentierte sich giftig in den Zweikämpfen. Und so hatte Denis Bouanga bereits nach fünf Minuten die große Chance auf den Führungstreffer. Doch der 25-Jährige scheiterte mit einem Flachschuss aus spitzem Winkel am Außenpfosten.

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Mbappé spricht über Zukunft: Dann verlängere ich bei PSG
VOR 11 STUNDEN

Auf der Gegenseite kam Paris mit dem ersten guten Angriff gleich zum Torerfolg. Nach einem Doppelpass sprintete Kylian Mbappé im Höchsttempo in den Strafraum und schloss ab. Jessy Moulin parierte zunächst, war beim Nachschuss von Neymar dann aber machtlos – das 1:0 (14.). St. Etienne zeigte sich aber zunächst unbeeindruckt und hatte weitere Chancen durch Bouanga, der zunächst mit einem kraftvollen Schuss (16.) und dann per Kopf (21.) an Keylor Navas im Pariser Tor scheiterte.

Für PSG hatte Ángel Di María die große Chance auf den nächsten Treffer. Nach einem langen Ball zog der Argentinier direkt ab. Doch Moulin reagierte überragend und bekam noch eine Hand an den Ball (25.). Dafür gab es von Di María im Anschluss sogar ein anerkennendes Abklatschen.

Dann folgte der Wendepunkt in dieser Partie. Loic Perrin grätschte den sprintenden Mbappé von der Seite übel um und erwischte das Sturmjuwel dabei am Knöchel (26.). Nach Ansicht der Videobilder wandelte Schiedsrichter Amaury Delerue die Gelbe Karte in eine Rote um – eine harte, aber keine falsche Entscheidung. Aufgrund der Rudelbildung nach dem Foul holten sich gleich mehrere Spieler auf beiden Seiten Verwarnungen ab. Zudem musste Mbappé unter Tränen verletzt ausgewechselt werden.

Danach war der Spielfluss dahin. St. Etienne ging teilweise überhart in die Zweikämpfe und PSG-Trainer Thomas Tuchel musste sich ernsthafte Sorgen um die Gesundheit seiner Spieler machen. Spielerisch passierte zunächst nicht mehr viel. Paris hatte viel Ballbesitz, konnte aus der Überzahl aber keinen Profit schlagen. Die beste Chance hatte der eingewechselte Pablo Sarabia, der, statt zu passen, von der Torauslinie auf das Tor schoss. Doch Moulin bekam gerade noch den Fuß an den Ball (45.+6).

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit zeigte Wahbi Khazri, dass St. Etienne noch nicht aufgeben wollte. Auf einen Fehlpass von Navas versuchte es der eingewechselte Stürmer aus großer Distanz direkt. Der Ball landete auf dem Tornetz (46.). Und auch danach zeigte sich der Underdog bemüht und spielte trotz Unterzahl nach vorne. Das Spiel war recht offen, die besseren Chancen hatte Paris.

Erst wurde ein Flachschuss von Di María noch zur Ecke abgefälscht (58.). Dann schlug die große Stunde von Moulin, der insgesamt ein sehr starkes Spiel machte. Di María startete nach einem Steilpass durch und wollte den herausgeeilten Moulin umkurven, doch der 34-Jährige streckte sich und fing den Ball noch ab (72.). Eine Minute später war Sarabia durch und schoss aus halbrechter Position, doch auch hier bekam Moulin eine Hand an den Ball (73.).

Auch St. Etienne versuchte es weiter nach vorne, schaffte es aber abgesehen von der einen oder anderen Standardsituation nicht mehr, für Gefahr zu sorgen. Und so durfte Paris nach einer glanzlosen Vorstellung den Gewinn des Doubles feiern.

Die Stimmen zum Spiel:

Kylian Mbappé (PSG): "Ich glaube nicht, dass der Knöchel gebrochen ist. Es hat trotzdem ein bisschen geknackt."

Thomas Tuchel (PSG): "Alle haben es gesehen, das sind keine Neuigkeiten. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es ist das dritte Spiel in Folge gegen Saint-Etienne, es ist die dritte Rote Karte, die dritte in der ersten halben Stunde. Alle, die diese Situation gesehen haben, sind beunruhigt, wenn man dieses Foul sieht, ist man offensichtlich beunruhigt."

Thiago Silva (PSG): "Das mit Kylian ist sehr traurig. Aber wir sind glücklich über den Titel. Es war ein sehr schweres Spiel. St. Etienne hat ein gutes Pressing gespielt. Wir hätten sicherlich besser spielen können. Wenn man mit der Angst spielt, schlecht zu spielen, spielt man auch schlecht. Das darf uns nicht nochmal passieren."

Marquinhos (PSG): "Man kann nicht immer Spiele 4:0, 5:0 gewinnen. Es gibt auch mal schlechtere Spiele. Man muss wissen, wie man Spiele gewinnt, in denen man nicht gut ist."

Claude Puel (ASSE): "Ich bedauere die Verletzung von Kylian Mbappé. Ich hoffe, es ist nichts Ernstes, aber es war nicht die Absicht von Loic Perrin, ihn zu verletzen."

Das fiel auf: PSG noch nicht in Champions-League-Form

Mit den zwei französischen Pokalfinals und der Champions League im August hat die Mannschaft von Thomas Tuchel die Möglichkeit, innerhalb von einem Monat und durch nur fünf Siege, drei Titel zu gewinnen. Doch an diesem Abend präsentierte sich PSG noch nicht wirklich in der dafür notwendigen Form. Trotz des Führungstreffers war St. Etienne bis zu der Roten Karte die bessere Mannschaft. In der zweiten Halbzeit spielte der Tabellen-17. der abgebrochenen Ligue-1-Saison trotz Unterzahl weitestgehend ebenbürtig mit. Soll es mit dem langersehnten Champions-League-Titel für Paris klappen, muss sich das Starensemble noch weiter steigern. Viel wird auch davon abhängen, wie schwer sich die Verletzung von Mbappé herausstellt.

Der Tweet zum Spiel:

Mit zwölf Jahren spielte Loic Perrin erstmals in der Jugend der AS St. Etienne. 468 Spiele später wollte der 34-Jährige diesen Sommer seine Karriere beenden. Im letzten Spiel durfte er mit seinem Herzensklub noch einmal um einen Titel spielen. Doch stattdessen fand seine Karriere ein tragisches Ende. Da werden Erinnerungen an 2006 wach.

Die Statistik: 10

Am Ende standen ganze zehn Gelbe Karten auf dem Spielberichtsbogen. Allein fünf davon entstanden aus der Rudelbildung rund um die Rote Karte. Sogar Marco Verratti auf der Pariser Bank holte sich eine ab. Eine Folge der teils überharten Zweikampfführung war, dass sich mit Thilo Kehrer und Mbappé gleich zwei wichtige Spieler verletzten. Auf der Rechtsverteidigerposition hat Tuchel nach dem Wechsel von Thomas Meunier nur begrenzte Alternativen, die Qualität von Mbappé ist ohnehin klar. Deshalb werden in Paris alle hoffen, dass sich die Verletzungen als nicht zu schwer herausstellen.

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