FC Liverpool: Traurige Meisterschaft ohne Fans
Der FC Liverpool wird 2019/20 englischer Meister werden - das ist seit Donnerstag so gut wie sicher. 30 Jahre lang haben die Reds auf diesen Titel gewartet und werden ihn nun aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht mal ansatzweise so feiern können, wie erhofft. Nicht mal an der Anfield Road wird das Team von Trainer Jürgen Klopp spielen dürfen. "Wir müssen da jetzt durch", sagt Andy Robertson.
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Es hätte so schön sein können.
Wäre die Welt nicht von der Coronavirus-Pandemie heimgesucht worden, hätte der FC Liverpool am 9. Mai eine riesige Party gefeiert.
Die Reds wären schon seit Wochen als Meister festgestanden. Dennoch hätte alles auf dieses letzte Heimspiel gegen den FC Chelsea an der Anfield Road geblickt.
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Der Premier-League-Pokal wäre mit rot-weißen Bändern geschmückt gewesen. 30 Jahre nach der letzten Meisterschaft – damals noch nicht mal als "Premier League" firmierend – hätte Kapitän Jordan Henderson den Pokal in die Höhe gereckt. 53.000 Fans wären sich glückselig in die Arme gefallen. Jürgen Klopp hätte sein breitestes Grinsen gegrinst. Und es wäre der perfekte Abschluss einer nahezu perfekten Saison gewesen.
FC Liverpool: Was für eine Meisterschaft wird das?
Die Realität sieht Ende Mai 2020 gewiss anders aus. Immerhin, so viel steht seit Donnerstag fest: Die Premier League soll zu Ende gespielt werden. Das Worst-Case-Szenario – Saisonabbruch, kein Titel für Liverpool – ist vom Tisch, notfalls wird die Endtabelle nach einem Punkte-per-Spiel-System errechnet und den LFC als Meister ausspucken.
Liverpool und Klopp dürfen sich also auf den Meistertitel freuen. Doch was für eine Meisterschaft wird das?
"Es waren 30 lange Jahre für diesen Verein und die Fans haben es sich wahrscheinlich nicht vorstellen können, noch weitere neun Wochen darauf warten zu müssen, wo wir doch so nahe dran sind", sagte Liverpool-Verteidiger Andy Robertson diese Woche: "Aber jetzt geht es weiter und wir setzen alles daran, die nötigen Siege einzufahren."
Wie ein geschwindelter Marathon
Für Troy Deeney, Stürmer vom FC Watford, wird es dann allerdings eine Mogelpackung sein. "Egal, wie es kommen wird, selbst wenn wir es durchziehen – es wird immer die Saison sein, die durch die Pandemie verdorben wurde", sagte der Angreifer dieser Tage und schätzte: "Sie wird jedenfalls nicht in erster Linie damit in Verbindung gebracht werden, das Liverpool das beste Team hatte."
Der 31-Jährige verglich Liverpools unterbrochenen Meisterlauf, bis dato nur durch eine einzige Niederlage gegen Watford (0:3) getrübt, außerdem mit einem geschwindelten Marathon: "Es ist wie wenn man einen Marathon läuft, nach 20 Meilen abbricht, zwei Monate wartet und dann die letzten paar Meter ins Ziel sprintet und sagt: 'Hey, das war jetzt aber eine gute Zeit.'"
Es ist aber auch nichts, was Liverpool ändern könnte. Dass die Premier League weitergeht, hat Klopp "überglücklich" aufgenommen, wie er verriet. Sein Team werde auch an den letzten Spieltagen "rennen und kämpfen füreinander, zu 100 Prozent".
Licht am Ende des Tunnels
Seit dieser Woche dürfen Liverpool und Co. zumindest schon wieder in voller Mannschaftsstärke trainieren – unter Hygiene- und Kontaktauflagen, versteht sich. Als "Licht am Ende des Tunnels", beschrieb Robertson die Wiederaufnahme des Trainings.
Zum Training gezwungen wird kein Profi. "Wir würden niemals jemanden in Gefahr bringen. Wenn du dich in diesem Fall nicht sicher fühlst, musst du nicht hier sein", sagte Klopp. Und Jordan Henderson meinte: "Jeder ist zuhause in einer anderen Situation. Wenn sie sich letztendlich nicht wohlfühlen, sollten sie sich nicht gezwungen oder unter Druck gesetzt fühlen, zur Arbeit zu kommen."
Nichtsdestotrotz wird es jetzt eben irgendwie durchgezogen. Neun Spieltage stehen noch aus, ab Mitte Juni soll weitergespielt werden. Liverpool hat 25 Punkte Vorsprung auf Manchester City und braucht aktuell noch sechs Punkte, um Meister zu werden.
Liverpool-Heimspiele erstmal nicht an der Anfield Road
Manchester City soll am 17. Juni mit seinem Nachholspiel gegen den FC Arsenal starten – schon .
Da stünde eigentlich ein Heimspiel gegen Crystal Palace (31. Spieltag) an. Doch die Reds werden dieses nicht nur ohne Fans im Stadion, sondern offenbar nicht mal an der Anfield Road austragen dürfen.
Einem Bericht der "Times" zufolge gehören nämlich alle vier ausstehenden Heimspiele der Reds zu insgesamt zwölf "Hochrisikospielen", die die Premier League lieber an einem neutralen Spielort austragen will, weil sie Fanansammlungen rund um die Stadien befürchtet.
Liverpool-Heimspiele gelten als Hochrisikospiele, solange der LFC mit dem jeweiligen Heimspiel die Meisterschaft perfekt machen kann. Heißt im Umkehrschluss: Ist der Titel eingefahren, könnten die restlichen Heimspiele als unbedenklich erklärt werden – und Liverpool doch noch an der (leeren) Anfield Road spielen.
Liverpool will Titel nachfeiern - nur wann?
Fraglich ist allerdings noch, wann, wo und wie die Trophäen-Übergabe – üblich am letzten Heimspieltag der Meistermannschaft – vonstattengehen soll und wie überhaupt Meisterfeierlichkeiten aussehen könnten.
"Den Titel werden wir nachfeiern, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Jetzt zählt es erst mal, dem Klub diese Trophäe zu besorgen", warnte Robertson schon mal vor.
Bis auf Weiteres habe "die Gesundheit und das Wohlergehen aller Beteiligten und Fans" höchste Priorität, erklärte Premier-League-Boss Richard Masters am Donnerstag und tröstete Fußball-Anhänger immerhin mit der Aussicht, alle ausstehenden 92 Spiele live im Fernsehen verfolgen zu können (Pay- und Free-TV) –mit "artificial crowd noise", also Atmosphäre vom Band.
Dazu sollen die Spiele an einem regulären Wochenendspieltag zu zehn (!) verschiedenen Anstoßzeiten ausgetragen werden (Fr.: 21:00 Uhr; Sa.: 13:30, 16:00, 18:30 und 21:00 Uhr; So.: 13:00, 15:00, 17:30 und 20:00 Uhr; Mo.: 21 Uhr – alle MESZ).
"Wir müssen da jetzt durch"
"Würden wir gerne vor 55.000 Leuten in Anfield spielen? Natürlich würden wir das", sagte Robertson: "Ohne die Fans wird es sich sicher anders anfühlen, aber wir müssen da jetzt durch. Wir wissen ja: Die Fans werden uns zuhause wie bekloppt anfeuern und das werden wir auch so spüren."
"Dass das Comeback des Fußballs ein Stück näher gerückt ist, ist auch ein gutes Zeichen für die Leute", hatte Klopp schon vor einer Woche gesagt. "Ja, wir lieben Fußball, ja, es ist unser Job, aber er ist nicht wichtiger als unser Leben oder das Leben anderer Menschen", fügte der frühere BVB-Trainer später bei "Sky Sports" an.
Auch wenn es anders so viel schöner hätte sein können.
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