Jürgen Klopp: Was den Welttrainer so besonders macht

Jürgen Klopp krönt sein erfolgreichstes Jahr mit dem FC Liverpool mit dem Titel bei der Klub-WM. In England liegen ihm die Fans mittlerweile zu Füßen - ein Grund für die "BBC", Klopp für ein sehr persönliches Interview einen Besuch abzustatten. Heraus kam ein launiges Gespräch - unter anderem über seine Kindheit, geprägt durch die Liebe zum VfB Stuttgart und Wimbledon-Sieger Boris Becker.

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Während Jordan Henderson den schmalen Pokal mit der goldenen Weltkugel darauf in den Nachthimmel von Doha streckte und die ganze Mannschaft mit ihm einen frenetischen Jubelschrei ausstieß, applaudierte Jürgen Klopp im Hintergrund.
Der Trainer hatte sich an den linken Rand gestellt, strahlte über das ganze Gesicht. Die große Bühne aber blieb den Spielern.
Den Pokal fasst er später auch noch an, immerhin hatte Liverpool mit dem erstmaligen Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft Geschichte geschrieben. Doch Klopp wollte sich nicht in den Vordergrund drängen. Das mochte er nie.
Das macht ihn aus. "Den öffentlichen Teil genieße ich nicht. Ich akzeptiere das, aber ich genieße es nicht", erzählte Klopp jüngst in einem bemerkenswerten Podcast mit Colin Murray.
Der "BBC"-Reporter besuchte den Erfolgscoach in seinem Büro in Liverpool. Heraus kam ein fast einstündiges, sehr persönliches Gespräch über Erlebnisse in der Jugend, Klopps Idole, was ihn prägte. Wie er zum bescheidenen und doch so erfolgreichen Trainer wurde.

"Das ist erst der Anfang": Klopp bringt Liverpool auf die Siegerstraße

In Klopps Vorstellung treffen sich Mannschaft und Trainer in dreißig Jahren wieder, um über die Erfolge von damals zu sprechen: "Weißt du noch, 2019? Nein! Das war doch 2020!"
So in etwa stellt Klopp sich das vor:
Denn:
Das Szenario scheint realistischer denn je. Der vielleicht noch wichtigere Coup als der Champions-League-Titel ist so nahe wie lange nicht: Liverpool führt die Premier League mit beeindruckender Dominanz an. Mit 49 Punkten aus 17 Spielen liegen die Reds deutlich vor dem Zweitplatzierten Leicester City.

Sein Idol heißt Boris Becker

Bayern-Fans träumen von ihm, auch als Bundestrainer würden ihn viele gern sehen. Dass "Kloppo" mit Fußball so erfolgreich werden wird, daran dachte seine Familie nie, er am allerwenigsten.
Sein Vater war Tennistrainer, auch Klopp, der behutsam mit zwei großen Schwestern aufwuchs, liebt das Spiel seit früher Kindheit. Sein großes Idol ist bis heute Boris Becker.
"1985, als er 17 war und Wimbledon gewonnen hat - das war einer der größten Tage meines Lebens. Wir spielten Tennis, während wir sein Finale angeschaut haben", erzählt Klopp.
Fragte ihn jemand, wen er einmal treffen wolle, sei seine Antwort stets: "Boris Becker!" Beim ersten Treffen der beiden sei er entsprechend nervös gewesen:

Der schüchterne Junge: Aus Glatten in die weite Welt

Fußballerisch war der VfB Stuttgart sein Leben. Er sah zu Jürgen Klinsmann, dem heutigen Trainer von Hertha BSC, auf:
Klopp, der in Glatten im Schwarzwald aufwuchs, fuhr mit seinem Vater öfter ins 80 Kilometer entfernte Stuttgart, um sich Autogramme der Profis abzugreifen. Sein Vater habe ihn dazu animiniert, er selbst sei ein schüchterner Junge gewesen, sagt Klopp heute.
Inzwischen ist der Trainer Klopp zweimal Deutscher Meister geworden, DFB-Pokalsieger, Champions-League-Sieger, Klub-WM-Sieger, FIFA-Trainer des Jahres. Klinsmann ist wegen des Sommermärchens 2006 wohl für immer Bundestrainer der Herzen, gewann auf Klubebene aber bislang nichts Nennenswertes.

Titel sind nur die Krönung: Kloppo wird gefeiert, weil er Kloppo ist

Titel sind für Jürgen Klopp die Krönung seiner außergewöhnlichen Arbeit beim FC Liverpool. Doch der Coach wird nicht wegen des Champions-League-Sieges gefeiert, das wurde er schon zuvor. Klopp wird gefeiert, weil er so ist, wie er ist: authentisch, empathisch, mitreißend.
Obwohl er sich mit dem Trainerjob in England auf neues Land mit anderer Kultur, Menschen und anderer Sprache anfreunden musste, fühlte er sich sofort wohl:
Dieses gute Gefühl, dass es schon klappen würde, überträgt der ehemalige Mainzer und Dortmunder Trainer auf seine voller Stars gespickte Mannschaft. Topstürmer Sadio Mané etwa sagte erst im November in einem Interview mit "France Football" über Jürgen Klopp:
Der Senegalese weiter:

Klopp: Wovor er sich fürchtet, wer ihn überrascht

Dieses Fürchten, von dem Mané spricht, empfindet Klopp auch - etwa, wenn er einen Spieler aussortieren muss. Als er Trainer bei Mainz 05 war, von 2001 bis 2008, fiel ihm das aber noch wesentlich schwerer.
"Damals verdienten meine Spieler nicht so viel in Mainz. Wenn ich ihnen gesagt habe 'Du wirst keinen neuen Vertrag bekommen', und ich musste das zum Teil zu meinen besten Freunden sagen, wusste ich nicht, wohin es für sie gehen würde. Das ist jetzt anders, ein komplett anderes Level. Ich werfe sie nicht auf die Straße, sie finden einen neuen Klub.", beschreibt Klopp den Unterschied zu früher.
Umso größere Freude würden ihm Spieler machen, die ihn positiv überraschen - wie die beiden Außenverteidiger Andrew Robertson und Trent Alexander-Arnold. "Es war nicht klar, ob er das physisch schaffen würde. Jetzt ist er eine Maschine", sagt Klopp über Letzteren.
Jeder Spieler habe seine eigene Persönlichkeit und seine eigene Geschichte, daher stimme es ihn optimistisch, Großes zu erreichen. Da kann der Coach in jedem Fall mit gutem Beispiel vorangehen.
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