Sowohl José Mourinho als auch sein früherer Schützling Frank Lampard auf der anderen Seite boten die bestmögliche Elf für das Londoner Derby auf. Beide Vereine waren unter der Woche im Europapokal im Einsatz. Während Lampard vier Wechsel im Vergleich zum 2:1-Sieg in Rennes vornahm, warf "The Special One" die Rotationsmaschine an: Lediglich Tanguy Ndombelé blieb in der Elf.
Das Duell um die Tabellenspitze nahm von Beginn an Fahrt auf. Chelsea hatte viel Ballbesitz und drückte die Gäste aus dem Norden Londons tief in deren Hälfte. Vor allem Ben Chillwell und Timo Werner zählten zu den Aktivposten. Die Spurs vertrauten auf ihre Abwehrarbeit und schalteten bei Ballgewinn blitzschnell um. So kam auch die erste Möglichkeit durch Steven Bergwijn zustande, der knapp verzog (9.).
Zwei Zeigerumdrehungen später bejubelten die Blues den vermeintlichen Führungstreffer. Joe Rodon leitete den Konter mit einem katastrophalen Fehlpass ein, Werner traf mithilfe des rechten Innenpfostens, stand jedoch knapp im Abseits.
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Da auf der Gegenseite Serge Aurier mit einem Kracher aus 18 Metern seinen Meister in Edouard Mendy fand (15.), blieb es beim 0:0. Im Verlauf der ersten Halbzeit verflachte das Derby zusehends. Beiden Teams war der gegenseitige Respekt deutlich anzumerken.
Besonders die Blues agierten viel zu statisch und bewiesen keinen Mut zum Risiko. Die Spurs standen extrem tief – Eric Dier und Harry Kane waren zehn Meter voneinander entfernt – und ließen nichts anbrennen. Doch auch nach vorne ging beim Mourinho-Team nicht viel.
Auch im zweiten Abschnitt gehörten die ersten Minuten den Hausherren. Tammy Abraham verpasste in der Mitte nach Flanken von Reece James nur knapp mit dem Kopf (49./51.). Danach wurde es ein ruppiges Derby mit einigen Gelben Karten und noch mehr Fouls, sodass kein Spielfluss mehr zustande kam. Dennoch zeigte sich Chelsea stark verbessert, die Blues hatten mehr Tempo in ihren Aktionen und forcierten mehr Angriffe. Hakim Ziyech rückte immer wieder nach innen, um zwischen den Linien für Bewegung zu sorgen.
Die zweite Hälfte gehörte klar den Blues, während Kane und Heung-Min Son komplett abgemeldet waren. Mason Mount fand mit einem überragenden Schuss in Hugo Lloris seinen Meister (81.). Der französische Weltmeister hatte wenig später Glück, als er an einer Flanke vorbeisegelte, doch Christian Pulisic konnte dies nicht nutzen (87.).
In der Nachspielzeit hatte Olivier Giroud den Siegtreffer auf dem Fuß, doch sein Heber landete in Lloris' Händen. Unterm Strich ein leistungsgerechtes Unentschieden, wobei Chelsea den Sieg mehr verdient gehabt hätte. Mit diesem Unentschieden bleiben die Spurs Tabellenführer.

Die Stimmen zum Spiel:

José Mourinho (Trainer Tottenham Hotspur): "Das Einzige, was ich dem Spiel entnehme, ist, dass ein Unentschieden hier normalerweise ein positives Ergebnis ist. Mit diesem Ergebnis an der Spitze der Liga zu bleiben, ist ebenfalls eine positive Sache, aber in der Kabine ist niemand happy. Das ist das Beste, was ich aus dem Spiel mitnehme, wir sind nicht glücklich, und das ist für mich fantastisch. Es ist ein kompletter Mentalitätswechsel, ein kompletter Persönlichkeitswandel. Sie können uns sagen, dass wir nicht viele Chancen hatten, und ich stimme Ihnen zu, aber wie viele hatte Chelsea? Und das ist das, was mich wirklich sehr glücklich macht, dass wir nicht glücklich über ein Unentschieden an der Stamford Bridge sind."
Frank Lampard (Trainer FC Chelsea): "Es ist irgendwie so gelaufen, wie ich es erwartet habe. Ich erwartete, dass wir viel spielen würden, dass wir viel Ballbesitz haben würden - und das hatten wir auch. Ich dachte, es wäre schwierig, Chancen zu schaffen. Ich glaube, wir haben genug kreiert, um das Spiel zu gewinnen. Wir hatten eine gute Kontrolle, zu Null gegen eine Mannschaft, die aufs Konterspiel eingestellt ist und erstaunliche Spieler zum Kontern hat. Daher war es teilweise ein exzellentes Spiel."
Joe Rodon (Tottenham Hotspur): "Es ist schwer, hierher zu kommen und sein Debüt zu geben, aber heute wurde auch ein Traum wahr. Hoffentlich kann ich darauf aufbauen und weiterhin lernen und eine erfolgreiche Saison spielen. Chelsea ist ein sehr guter Gegner und ich wusste, dass mir ein sehr harter Abend bevorsteht. Natürlich hatte ich zwei Fehler und bin zum Glück davongekommen. Aber, wie gesagt, ich werde daraus lernen und stärker zurückkommen."
Pierre-Emil Höjbjerg (Tottenham Hotspur): "Chelsea ist ein gutes Team, es war heute sehr schwer. Sie ließen den Ball gut laufen. Wir haben gut gespielt, aber in manchen Situationen hätten wir effizienter sein müssen, sei es beim letzten Pass oder bei Chancen."

Der Tweet des Spiels:

Dieses Bild ist symptomatisch für den Verlauf des Londoner Derbys. Chelsea um den glücklosen Timo Werner versuchte viel, hatte deutlich mehr Ballbesitz und die besseren Tormöglichkeiten. Doch Tottenham stand beinahe bei jeder guten Chance im Weg und ließ nicht viel zu.

Das fiel auf: Chelsea wird zum Bollwerk

Was zwei Neuzugänge ausmachen können. Die Abwehr von Chelsea glich vergangene Saison noch einem Schweizer Käse. Doch mit Edouard Mendy im Tor und Thiago Silva in der Verteidigung sind diese Probleme wohl behoben. Die Abwehr der Blues verdient sich in diesem Spiel einen Sonderlob. Wer die beiden Topscorer Son und Kane über 90 Minuten so aus dem Spiel nimmt, der hat vieles richtig gemacht.

Die Statistik zum Spiel: 0

Chelseas Abwehr hat im Top-Spiel gegen Tottenham die Reifeprüfung bestanden. Die Spurs hatten über die komplette Spielzeit keine Großchance. Kane und Son waren komplett abgemeldet: Null Schüsse aufs Tor. War der Tabellenführer im ersten Durchgang schon recht defensiv, so steigerte er sich im zweiten Abschnitt nochmal, denn die Spurs hatten keinen Torschuss in den zweiten 45 Minuten.
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