Jürgen Klopp steckt mit dem FC Liverpool in der schwierigsten Phase seiner dortigen Amtszeit.
Sechs Liga-Heimspiele in Folge gingen verloren, nur Platz acht in der Liga, sieben Punkte Rückstand auf Rang vier. Die Qualifikation für die Champions League in der kommenden Saison ist in weite Ferne gerückt - ja selbst das Erreichen der Europa League ist gefährdet.
Eine Krise, die durchaus das Ende der Ära Klopp beim LFC einleiten könnte - egal ob selbst- oder fremdbestimmt. Gewisse Automatismen haben sich zumindest bereits in Gang gesetzt. So geistern in den vergangenen Tagen und Wochen Namen potenzieller Klopp-Nachfolger durch die englische Presse - nur für den Fall der Fälle, eh klar.
Champions League
Nur noch fünf Spiele ... Klopp und Liverpool träumen wieder
11/03/2021 AM 09:18
Einer der heiß gehandelten Kandidaten hat mit den Glasgow Rangers gerade nicht nur den zehnten Titel in Serie von Erzrivale Celtic verhindert, sondern selber den ersten Meistertitel seit einer Dekade in den blauen Teil der Stadt geholt: Steven Gerrard.

Steven Gerrard träumt von Trainer-Job in Liverpool, aber…

Der Gedanke liegt natürlich nahe.
Gerrard ist eine der Liverpooler Vereinslegenden schlechthin. 710 Pflichtspiele bestritt er für die Reds, die meisten davon als Kapitän. 186 Tore und 143 Assists gingen auf das Konto des zentralen Mittelfeldspielers, der mit "seinem" Klub die Champions League (2005), den FA Cup (2001, 2006), den League Cup (2001, 2003, 2012), den UEFA Cup (2001) und den UEFA Supercup (2002, 2006) gewann und zudem im Jahr 2009 zum englischen Fußballer des Jahres gewählt wurde.
In einem Interview mit "ITV Evening News" wurde der 40-Jährige erst kürzlich nach seinen Zukunftsplänen gefragt - und natürlich auch zur aktuellen Situation in Liverpool.
"Ob es ein Traum für mich ist, eines Tages Manager von Liverpool zu sein? Ja, das ist es", sagte der Rangers-Coach wenig überraschend, fügte den entscheidenden Nebensatz dann aber prompt hinzu: "Aber noch nicht jetzt - und wer kann schon sagen, dass ich jemals gut genug sein werde?"

Steven Gerrard feiert im Auto den Meistertitel mit den Glasgow Rangers

Fotocredit: Getty Images

Eine berechtigte Frage, die, da liegt Gerrard mit seiner bescheidenen Selbsteinschätzung richtig, erst noch beantwortet werden muss. Die schottische Liga ist sicherlich ein nahrhafter Boden für junge Trainer, mit der Premier League, der vermeintlich stärksten und ausgeglichensten Liga der Welt, ist sie jedoch nicht vergleichbar.

Hamann über Gerrard: Eher Intuition statt Taktik

Zudem käme es Gerrard ohnehin nie in den Sinn, den Trainer des FC Liverpool infrage zu stellen, um sich selbst für dessen Job in Position zu bringen. "Wir sollten nicht darüber reden, wir (Liverpool, Anm.d.Red.) haben einen der besten Manager, der unseren Klub im Moment führt, ich liebe ihn", sagte er weiter. "Ich hoffe, dass Jürgen noch viele Jahre bei Liverpool bleibt."
Genau wie Gerrard selber, stellt auch sein ehemaliger Mitspieler bei den Reds, der heutige TV-Experte Dietmar Hamann, die Fähigkeiten des 40-Jährigen als Trainer zur Debatte.

Steven Gerrard als Champions-League-Sieger 2005

Fotocredit: Eurosport

"Nur, weil jemand wie ein Dirigent auf dem Platz auftritt, heißt das nicht, dass er mal ein guter Coach wird”, sagte der ehemalige Nationalspieler in seiner Kolumne beim "Kicker" und wies darauf hin, dass Gerrard als Profi "nie ein Faible für taktische Dinge" gehabt habe. "Bei ihm war viel Intuition dabei", so Hamann, der sich sicher ist: "Erst die nächsten Jahre werden Aufschluss darüber geben, ob er ein guter Trainer ist - oder gar ein großer werden kann."

Steven Gerrard: "Natural born Leader"

Zuzutrauen ist es ihm allemal. Gerrard ist jemand, der mit Druck umgehen kann, seine Führungsqualitäten sind unbestritten. Bereits im Alter von 22 Jahren wurde er in Liverpool zum Kapitän ernannt, sowohl bei der EM 2012, als auch der WM 2014 führte er auch die Three Lions mit der Binde am Arm durchs Turnier.
Mit insgesamt 114 Länderspielen rangiert er auf dem vierten Platz der englischen Rekordnationalspieler. Gerrard ist ein Leader durch und durch - und das kommt ihm auch als Trainer zu Gute.
"Der Schlüssel, egal ob als Spieler oder Trainer, ist es, immer mit gutem Beispiel voranzugehen", sagte Gerrard kurz nach Bekanntwerden seines Engagements in Glasgow gegenüber "Future Sports". "Ich denke, die Leute, Fans und Spieler sehen dich als Führungskraft und schauen genau darauf, wie du dich verhältst. Wenn du die richtigen Dinge tust, werden dir die Menschen auch folgen."

Steven Gerrard als Kapitän der englischen Nationalmannschaft im Spiel gegen Schweden

Fotocredit: Eurosport

Gerrards Credo, das ist mittlerweile klar, hat er sich auch auf der Trainerbank behalten. In Glasgow folgten ihm seine Spieler, sogar die etwas schwierigeren Charaktere wie Alfredo Morelos. "Alfredo Morelos ist ein kleiner Problemfall, den Gerrard gut eingefangen und in die Spur gesetzt hat. Er dankt es mit wichtigen Toren", lobt Hamann.
Dennoch zweifelt der "Sky"-Experte daran, dass sein ehemaliger Mitspieler und Kapitän die Aufgabe Liverpool schon bei nächster Gelegenheit übernehmen würde.

Kommt Liverpool zu früh für Gerrard?

"Er will und wird nicht auf Klopp folgen, weil die Fußstapfen zu groß sein könnten. Dafür ist er zu clever", ist sich Hamann sicher. Zudem könne man bei einer Rückkehr zu einem Verein, bei dem man Heldenstatus genießt, "sehr viel kaputt machen".
Grundsätzlich traue der 47-Jährige dem jungen Trainer aber zu, überall erfolgreich zu sein. "Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt zu wählen, um irgendwo hinzugehen".
Liverpool dürfte für den schottischen Meistercoach demnach noch zu früh kommen, doch was heißt das schon? Selbiges sagte man schließlich auch vor knapp drei Jahren, als bekannt wurde, dass die erste Trainerstation der Liverpool-Legende einer der traditionsreichsten britischen Klubs sein würde.
"Der Job kommt in Bezug auf meinen Plan wahrscheinlich ein bisschen zu früh", erklärte Gerrard damals gegenüber "Future Sports". "Aber manchmal muss man von Plänen abweichen, manchmal muss man ein Risiko eingehen - und davor habe ich keine Angst."
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