Die seit neun Pflichtspielen ungeschlagenen Blues von Thomas Tuchel wollten dem FC Liverpool die fünfte Heimniederlage in Serie zufügen und griffen dafür unter anderem auf Timo Werner zurück, der von Beginn an ran durfte.
Der deutsche Stürmer stand gleich früh zwei Mal im Mittelpunkt: In der elften Spielminute verfehlte die Nummer elf knapp den rechten Torwinkel mit einem Schuss aus knapp 18 Metern. Nur fünf Minuten später war es wieder Werner, der nach einem blinden Pass von Cesar Azpilicueta aus dem Halbfeld frei vor Alisson auftauchte. Der Schlussmann machte sich breit und konnte so Werners Volley-Lupfer festhalten (16.). Nur 60 Sekunden später zog der spanische Passgeber selbst aus der zweiten Reihe ab, setzte seinen Versuch aber zu hoch an.
Mitte des ersten Durchgangs schien es so, als würde sich Chelsea für die Druckphase belohnen: Werner spitzelte einen langen Ball am herausstürmenden Alisson vorbei ins Tor und bejubelte die Führung (24.). Nach Überprüfung durch den VAR nahm Schiedsrichter Martin Atkinson den Treffer jedoch aufgrund einer hauchdünnen Abseitsstellung Werners zurück. Es blieb vorerst beim torlosen Remis (26.).
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Fast im direkten Gegenzug hätten die Hausherren mit ihrer ersten echten Großchance das bisherige Spielgeschehen auf den Kopf stellen können, doch Sadio Mané traf den Ball nach Mohamed Salahs Bogenlampen-Flanke nicht satt, sodass Edouard Mendy den verunglückten Volley des Senegalesen locker aufnehmen konnte (29.).
Nach dieser Szene verflachte die bis dato intensiv geführte Partie ein wenig – Chelseas Mason Mount hatte jedoch noch nicht mit der ersten Hälfte abgeschlossen und markierte drei Minuten vor der Pause die verdiente Führung der Gäste. Der 22-jährige Engländer verarbeitete ein langes Zuspiel von N'Golo Kanté sauber, zog von links ins Zentrum, ließ den langsameren Fabinho stehen und platzierte den Ball abschließend per Aufsetzer zum 1:0 in der unteren rechten Ecke (42.). Mit diesem Spielstand ging es in die Pause.
Liverpool kam mit Druck aus der Kabine: Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff hätte es dann durchaus Strafstoß für die Reds geben können. Roberto Firmino schoss Kanté aus kurzer Distanz den Ball an die Hand, doch obwohl der Arm relativ weit vom Körper entfernt war, ließ Atkinson - nach Rücksprache mit dem VAR - weiterspielen (48.). Zwei Minuten später holte der LFC die erste Ecke heraus, welche Fabinho per Kopf knapp zwei Meter links am Tor vorbei nickte (50.).
Gerade als das Team von Jürgen Klopp besser ins Spiel zu finden schien, vergab Chelsea die Chance, auf 2:0 zu erhöhen. Hakim Ziyechs Schuss wurde allerdings von einem LFC-Verteidiger für seinen geschlagenen Keeper von der Linie gekratzt (53).
Dem rasanten Beginn nach der Pause folgte eine eher ruhige Phase ohne viele Höhepunkte. Liverpool verzweifelte an der soliden Chelsea-Defensive und kam nur gelegentlich noch zu Halbchancen. In der 63. Spielminute rutschte Firmino eine Robertson-Flanke von links über den Scheitel und ging deutlich am Kasten vorbei.
Liverpool presste zwar intensiv, konnte aus den daraus resultierenden Ballgewinnen aber nichts machen. Auch die Einwechslung von Hoffnungsträger Diogo Jota, der nach einer langwierigen Knieverletzung sein Comeback feiern durfte, blieb ohne Effekt.
Stattdessen bot sich Chelsea noch einmal eine Konterchance über Mount und Werner, doch der Deutsche scheiterte nach Zuspiel des Engländers aus spitzem Winkel am brasilianischen Torwart der Reds (77.).
In der Schlussphase passierte dann nicht mehr viel, sodass Tuchel das Trainerduell gegen Klopp für sich entscheiden konnte und den Reds die fünfte Heimniederlage in Serie zufügen konnte.

Die Stimmen:

Thomas Tuchel (Trainer FC Chelsea): "Wir haben Disziplin und Wille nie verloren, daher ist es ein verdienter und wichtiger Sieg für uns. Wenn man hier in Anfield spielt, hat man wenig Zeit zu überlegen, daher wollten wir nichts Außergewöhnliches machen. Dafür mussten wir das höchste Level an Präzision und Courage auf den Platz bringen – das haben wir exzellent umgesetzt. Es war eine sehr starke Teamleistung, ich bin sehr glücklich. Der Schlüssel war unsere solide Defensive und die Gewinne der zweiten Bälle. Zudem war die linke Seite mit den schnellen Spielern Chilwell und Mount sehr wichtig, um für Entlastung zu sorgen – das hat gut funktioniert und zum Tor geführt. (…) Die knappe Abseits-Entscheidung gegen Timo Werner mussten wir hinnehmen, aber manchmal wird nun mal gegen dich entschieden."
Jürgen Klopp (Trainer FC Liverpool): "Die individuelle Qualität von Mason Mount hat in der einen Situation den Unterschied ausgemacht. Er hat das Tor markiert, wir haben es dagegen in einigen Situationen verpasst. Es war ein enges und intensives Spiel. Wir haben eine Menge investiert. In der zweiten Hälfte hatten wir mehr Gelegenheiten auf einen Treffer als Chelsea, haben aber zu wenig aus den guten Situationen gemacht. Bis zum letzten Pass haben wir es gut gespielt. Am Ende hat uns das eine Tor das Genick gebrochen. Mit den hohen Ballbesitzanteilen, die wir hatten, hätte dennoch mehr dabei herausspringen müssen."

Der Tweet zum Spiel:

Nahezu unglaublich: Timo Werners vermeintliches 1:0 in der 24. Minute wurde aufgrund einer Abseitsstellung zurückgenommen. Eine Millimeter-Entscheidung, die trotz kalibrierter Linien angezweifelt werden darf.

Das fiel auf: Starke Defensive und schnelles Umschaltspiel beim FC Chelsea

Liverpool drückte Chelsea zu Beginn das eigene Spiel auf, trotzdem gelang es Chelsea, den schnellen Timo Werner immer wieder in Szene zu setzen. Die Zuspiele waren für den Deutschen aber häufig schwer zu verarbeiten. Dennoch: Das Umschaltspiel stimmte bei den Londonern.
Dies lag auch daran, dass sich die Blues immer wieder spielerisch aus Pressing-Situationen befreien konnten. Gelang dies Mal nicht, stand die Defensive so kompakt, dass Liverpool aus den Ballgewinnen nichts Zählbares herausspielen konnte.
Die Gäste ließen sich streckenweise tief fallen, konnten sich dies aufgrund der starken Innenverteidiger Christensen, Azpilicueta und Rüdiger aber auch erlauben. Liverpool übte phasenweise zwar großen Druck aus, Chancen blieben aber Mangelware.

Die Statistik: 10

Durch das 1:0 gegen den FC Liverpool klettert Chelsea nicht nur auf Platz vier, sondern bleibt auch im zehnten Pflichtspiel unter Thomas Tuchel ungeschlagen.
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