Bale is back!
Lange Zeit wurde die spektakuläre Rückkehr des verlorenen Sohnes im vergangenen Sommer nach Tottenham mehr als eine Art PR-Gag wahrgenommen.
Nun, mit rund sechsmonatiger Verspätung, lässt sich jener prägnante Slogan, der nach der Ankunft des Heilsbringers die Runde machte, endlich auch im Hinblick auf die sportlichen Leistungen von Gareth Bale anwenden.
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Sechs Treffer und drei Assists gelangen der Leihgabe von Real Madrid in den vergangenen sechs Pflichtspielen (insgesamt zehn Tore und drei Vorlagen in 22 Partien). Vorläufiger Höhepunkt des Aufschwungs war dabei sein Doppelpack in der Premier League am Sonntag gegen Crystal Palace (4:1).
Nach anfänglichen Schwierigkeiten bildet er inzwischen mit Harry Kane, Heung-min Son und Lucas Moura ein brandgefährliches Offensiv-Quartett und zeigt, warum Real ihn einst zum teuersten Fußballer des Planeten machte.

Bale dank Mourinho zurück in der Spur

Dabei sah es lange danach aus, als würde sich die Rückholaktion als großes Missverständnis erweisen. Zahlreiche Verletzungen setzten Bale in der laufenden Spielzeit immer wieder außer Gefecht. Bis zum Jahreswechsel stand er gerade einmal in elf Partien auf dem Platz.
Doch der 31-Jährige kämpfte sich immer wieder zurück und ist aktuell auf dem besten Weg, seine in den vergangenen Jahren doch arg ins Stocken geratene Karriere noch einmal anzukurbeln.
Dies ist nicht zuletzt auch der Verdienst von Starcoach José Mourinho, wie Fußball-Experte James Kilpatrick von Eurosport in London betont.
"Mourinho hat immer wieder hervorgehoben, dass Bale Zeit benötigt, um sich sowohl physisch als auch psychisch vollständig von seinen Verletzungen zu erholen. Diese Zeit hat er bekommen", erklärt der Fachmann und ergänzt: "Seine Leistungsexplosion ist somit darauf zurückzuführen, dass er körperlich auf ein Niveau gebracht wurde, um dauerhaft in der ersten Elf zu stehen, was sich wiederum positiv auf sein Selbstvertrauen ausgewirkt hat."

Gareth Bale - Jose Mourinho

Fotocredit: Getty Images

Bale: Vom Prügelknaben zum Heilsbringer

Tatsächlich wirkt Bale nicht nur auf dem Platz gelöst, sondern auch außerhalb des Tottenham Hotspur Stadiums ist es um den Waliser, der in der Vergangenheit häufig als One-Man-Show verschrien wurde, ruhig geworden.
Kilpatrick begründet dies mit der öffentlichen Wahrnehmung. "Seine Auseinandersetzungen mit Zinédine Zidane, gepaart mit zahlreichen Verletzungen und dem immensen Mediendruck haben ihn veranlasst, bei Real die Reißleine zu ziehen. Die Kritik, die er jetzt in England einstecken muss, ist nicht mal im Ansatz mit dem zu vergleichen, was ihm in Madrid widerfahren ist", so der Eurosport-Experte weiter.
Bale selbst hält den Ball trotz seiner jüngsten Gala-Auftritte flach. Auf die Frage, ob er nun ähnlich für Furore sorgen könne wie bei seinem ersten Engagement (2007 - 2013) bei den Spurs, antwortete er nach dem Sieg gegen Crystal Palace mit einem Augenzwinkern bei "Sky Sports": "Die Zeit wird es zeigen, ich bin nicht mehr 21."

Bale lässt Tottenham träumen

Er müsse auch deshalb sein Spiel umstellen. "Dein Körper verändert sich im Laufe der Zeit. Man hat nicht mehr diese Jugendlichkeit, wo man 90 Minuten sprinten kann und sich danach schnell wieder erholt. Du lernst deinen Körper erst kennen, wenn du älter wirst, und das muss ich tun", verdeutlichte Bale.
Von jenem Wandel profitiert nicht zuletzt auch Tottenham. Schließlich ist die Real-Leihgabe so etwas wie das Gesicht des Aufschwungs bei den Nordlondoner. Nach zuletzt drei Siegen in Serie zog man am kriselnden Meister FC Liverpool vorbei auf Platz sechs. Mit noch einem Nachholspiel in der Hinterhand haben die Spurs alle Chancen auf die Qualifikation für die Champions League in der kommenden Saison.
Und nicht nur das: Auch in der Europa League (Achtelfinale gegen Dynamo Zagreb) und im Carabao Cup (Finale gegen Manchester City) hat die Mourinho-Elf durchaus realistische Chancen auf einen Titelgewinn.

Gareth Bale, Tottenham-Crystal Palace

Fotocredit: Getty Images

Wohin führt der Weg im Sommer?

Trotz aller positiven Schlagzeilen in der jüngeren Vergangenheit ist die Zukunft von Bale jedoch nach wie vor ungewiss.
In weniger als vier Monaten geht es für den 31-Jährigen voraussichtlich zurück zu seinem Stammverein Real Madrid, wo er noch einen Vertrag bis 2022 besitzt. Allerdings scheinen die Königlichen einem sofortigen Weiterverkauf nicht abgeneigt. Ein Verbleib bei den Spurs würde für alle Beteiligte augenscheinlich Sinn ergeben - doch es gibt einen Haken.
"Wenn Bale so weitermacht wie bisher, könnte es Tottenham durchaus in Erwägung ziehen, ihn dauerhaft unter Vertrag zu nehmen. Allerdings muss er für den Rest der Leihdauer auf konstant hohem Niveau performen, um angesichts seines fortgeschrittenen Fußball-Alters und seinen hohen Gehaltsvorstellungen eine Verpflichtung zu rechtfertigen", ist sich Kilpatrick sicher.
Nun liegt es also am Waliser, ob die "Bale-is-back"-Kampagne in London dauerhaft Bestand hat oder lediglich ein kurzes Strohfeuer war.
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