Die Gäste aus Liverpool – die nach der Verkündung der angepeilten Teilnahme an der neuen europäischen Superliga bei den eigenen Anhängern für Proteste sorgten – wollten sich zumindest für 90 Minuten auf das Sportliche konzentrieren und immerhin vorübergehend auf Platz vier in der Tabelle springen.
Thiago Alcantara gab nach fünf Minuten den ersten Warnschuss aus knapp 25 Metern ab, Leeds-Keeper Illan Meslier riss die Hände hoch und lenkte den Versuch des Spaniers mit den Fingerspitzen über den Querbalken (5.).
Die Gäste dominierten das Spiel komplett und ließen den Ball sicher durch die eigenen Reihen zirkulieren. Die Hausherren liefen dem Leder meist hinterher und wurden nur gefährlich, wenn der LFC Fehler machte – wie zum Beispiel in der 24. Minute. Einen katastrophalen Fehlpass von Fabinho im Spielaufbau fing Kalvin Philips ab und schickte Torjäger Patrick Bamford mit einem Steilpass in Richtung Alisson Becker. Der brasilianische Keeper kam aus seinem Tor, verkürzte den Winkel geschickt und parierte den Versuch des Engländers (24.).
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Klopp ist gegen die Super League: "Meinung hat sich nicht geändert"
19/04/2021 AM 19:26
Knappe sieben Minuten nach dieser Szene rächte sich die vergebene Großchance. Diogo Jota verlagerte das Spiel mit einem herrlichen Diagonalball auf die rechte Seite in den Lauf von Trent Alexander-Arnold, der vor dem Tor auf Sadio Mané querlegte. Der Senegalese schob den Ball zum 1:0 in leere Tor (31.).
Fünf Minuten später wurden wieder die Gastgeber gefährlich, doch Bamford wurde von Jack Harrisons Ablage überrascht, sodass Fabinho die Situation klären konnte (36.).
Die Offensivbemühungen von Jürgen Klopps Team wurden kurz vor dem Pausenpfiff noch einmal konkreter, doch sowohl James Milners Distanzschuss (38.) als auch Jotas Lupfer blieben ohne den gewünschten Torerfolg.
Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein komplett gegenteiliges Spiel. Liverpool zog sich zurück, Leeds drückte im Verlauf des zweiten Abschnitts auf das 1:1. Die ersten Minuten nach Wiederanpfiff gehörten aber noch dem LFC: Jota verpasste in der 48. Minute völlig freistehend aus bester Position per Kopf das 2:0. Nach dieser Chance übernahm Leeds das Ruder.
Nach gut 60 Minuten touchierte Alexander-Arnold im eigenen Strafraum das Spielgerät mit der Hand. Schiedsrichter Anthony Taylor entschied sich nach Rücksprache mit dem VAR gegen einen Strafstoß – eine zweifelhafte Entscheidung (59.).
Harrison leitete mit seiner vergebenen Chance zwanzig Minuten vor dem Ende die Schluss-Offensive der Gastgeber ein. Während Alisson den Schuss von Harrison aus spitzem Winkel noch mit dem linken Fuß parieren konnte (69.), hatte der Keeper wenige Minuten später gegen Bamfords gefühlvollen Linksschuss aus 16 Metern das Nachsehen. Allerdings landete der Versuch am Querbalken – wieder Glück für den LFC (75.). Nur 120 Sekunden später scheiterte Tyler Roberts aus bester Position am erneut glänzend parierenden Brasilianer (77.).
Liverpool hatte nach zwei Aussetzern von Keeper Meslier die Chancen, den Sack doch noch vorzeitig zuzumachen. Salahs Schuss wurde jedoch zur Ecke abgefälscht (79.). Jota verpasste beim anschließenden Standard erneut per Kopf das 2:0, nachdem Meslier unter dem Ball hergesprungen war.
So kam es, wie es kommen musste: Drei Minuten vor Ende nickte Diego Llorente – unter Bedrängnis von Firmino und Ozan Kabak – nach einer Ecke aus fünf Metern zum verdienten Ausgleich ein (87.).

Die Stimmen:

Patrick Bamford (Leeds United): "Um ehrlich zu sein, hätten wir gewinnen können. Nach dem Spielverlauf ist es etwas frustrierend, aber gegen ein Team wie Liverpool kann man mit einem Zähler durchaus zufrieden sein."
Jürgen Klopp (Trainer FC Liverpool): "Leeds hat das Unentschieden verdient. Wir hatten viele Chancen im ersten Durchgang, in der zweiten Halbzeit haben wir nicht mehr genug Fußball gezeigt. Wir hätten es früher entscheiden können, haben wir nicht und so blieb es spannend bis zum Schluss."

Der Tweet zum Spiel:

Die Hausherren können sich nach dem 1:1 einen Seitenhieb gegen den FC Liverpool und deren Super-League-Pläne nicht verkneifen und nennen Klopps Klub "Super League side Merseyside Reds".

Das fiel auf: Zwei unterschiedliche Hälften und ein gerechtes Ergebnis

Die LFC-Abwehr präsentiert sich seit der Rückkehr von Stammkeeper Alisson nach wie vor stark verbessert – dennoch sorgte ein Aussetzer von Aushilfs-Innenverteidiger Fabinho für Leeds' beste Torchance. Viel mehr Land sah Leeds im ersten Durchgang aber nicht, was auch am abermals sehr aggressiven und hohen Pressing à la Klopp lag. Besonders Mané und Jota standen sehr hoch und setzten Leeds' Abwehr immer wieder unter Druck. Mané blieb bis zu seinem Treffer blass, war nach dem Erfolgserlebnis präsenter. Sein Pendant auf der anderen Seite – Jota – war dagegen ein ständiger Aktivposten. Der Portugiese dribbelte sich wiederholt auf engstem Raum durch und hatte in den richtigen Momenten das Auge für die Mitspieler, wie auch beim 1:0 durch Mané. Alexander-Arnold riss mit seinen gefürchteten Sprints auf der rechten Seite immer wieder Lücken. Durch die starke Zweikampfquote von 66 Prozent verhinderten die Hausherren jedoch einen höheren Rückstand zur Pause.
Nach dem Seitenwechsel steigerte sich Leeds enorm und setzte die bis dato spielstarken Gäste unter Dauerdruck, erspielte sich beinahe im Minutentakt hochkarätige Chancen. Die Passquote der Klopp-Mannschaft sank auf 77 Prozent. Liverpool wirkte platt, kam nur noch selten nach vorne – wenn, wurde es aber gefährlich. Genau wie Leeds verpassten aber auch die Reds die vorzeitige Entscheidung. Der Ausgleich fiel spät, war aber die logische Konsequenz nach dem Liverpooler Leistungsabfall.

Die Statistik: 505

Leeds spielte über die gesamten 90 Minuten insgesamt 505 Pässe, 83 Prozent davon kamen an. Die sonst so passfreudigen Liverpooler kamen nur auf 318 Pässe und hatten eine mangelhafte Passquote.
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