Leicester City tankte unter der Woche mit dem 1:0 über Brighton Hove & Albion im FA Cup Selbstvertrauen, doch der Sieg wurde durch die Kreuzbandverletzung des starken James Justin getrübt. Ansonsten nahm Brendan Rodgers gegen seinen Nachfolger und Nachmieter Jürgen Klopp sechs personelle Wechsel vor: Justin, Keeper Danny Ward, Luke Thomas, Vontae Daley-Campbell, Cengiz Ünder und Ayoze Pérez (alle Bank) wurden durch Kasper Schmeichel, Jonny Evans, Ricardo Pereira, Marc Albrighton, James Maddison und Harvey Barnes ersetzt.
Zu Beginn der Schicksalswoche mit den Spielen gegen RB Leipzig und dem Derby gegen Everton ereilte Jürgen Klopp die nächste Hiobsbotschaft: Allrounder und Leistungsträger Fabinho fällt mit einer Muskelverletzung vorerst aus. Für den Brasilianer feierte Ozan Kabak sein Premier-League-Debüt. Zudem erhielt James Milner im Mittelfeld den Vorzug, der zuletzt oft übermotivierte Thiago saß zunächst auf der Bank.
Liverpool zeigte sich vom 1:4 gegen Manchester City gut erholt und legte los wie die Feuerwehr. Mit schnellen Seitenverlagerungen suchten die Reds immer wieder die Lücke, allen voran über Mo Salah. Die Foxes standen stark in der Abwehr und machten die Räume durch gutes Stellungsspiel immer wieder eng. Allen voran der Ex-Freiburger Caglar Söyüncü und Ricardo Pereira verdienten sich Bestnoten.
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Der Meister, bei dem Thiago bereits nach 17 Minuten für den angeschlagenen Milner kam, war über die erste Hälfte dominant, doch außer ein paar halben Chancen durch Salah (20.) und Firmino (26.) kam nicht viel.
Ganz anders Leicester, das zwar das Pressing nicht gut ausspielte und so Liverpool immer wieder viel Platz ermöglichte, jedoch beim Umschaltspiel einfach klasse agierte. So entwickelte sich im Laufe des ersten Durchgangs eine "Jamie Vardy Show".
Der englische Nationalspieler scheiterte mit seinem Kopfball an Alisson Becker (36.), hämmerte aus Abseitsposition die Kugel an die Latte (42.) und blieb kurz vor dem Seitenwechsel erneut am Liverpool-Keeper hängen (45.). So ging ein 0:0 der besseren Sorte in die Pause.
Leicester nahm im zweiten Durchgang mehr am Spielgeschehen teil, ohne jedoch für Torgefahr zu sorgen. Auf der anderen Seite sammelten die Reds viele Standards, hatten damit jedoch keinen Erfolg. Trent Alexander-Arnold hatte mit seinem Freistoß aus über 25 Metern Pech, der englische Nationalspieler traf nur das rechte Lattenkreuz (57.). Salah machte es zehn Minuten später besser und traf mit dem ersten Schuss aufs Tor im zweiten Durchgang zum verdienten 1:0 (67.).
Dieses Tor war der Auftakt zu einer turbulenten Schlussphase, in der es Schlag auf Schlag ging mit einem Slapstick-Treffer zum 1:1 (79.): Zunächst entschied Referee Anthony Taylor auf Elfmeter, der VAR überstimmte ihn jedoch und gab nur Freistoß. Diesen verwandelte Maddison direkt, weil Alisson entscheidend irritiert wurde. Der Treffer zählte nicht, da der Linienrichter Abseits gesehen haben will. Auch diese Entscheidung wurde vom VAR zurückgenommen.
Vier Minuten später stand der Ex-Schalker Kabak im Mittelpunkt: Nach einem weiten Ball gab es Misskommunikation zwischen dem Verteidiger und seinem Keeper Alisson. Jamie Vardy bedankte sich und schob zum 2:1 ein.
Liverpool verteidigte danach höher und wollte den Ausgleich erzwingen, was den Foxes in die Karten spielte, die durch Barnes den Endstand zum 3:1 herbeiführten (85.).
Mit der dritten Niederlage in Folge verliert der FC Liverpool die Tabellenführung aus den Augen. Vielmehr muss sich der Meister nun auf den Kampf um die Champions-League-Plätze konzentrieren, die Konkurrenz schläft nicht.

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James Maddison (Leicester City): "Wir wissen, wenn wir gegen Liverpool spielen, wird es schwer, weil sie aufbauen und passen können und auch direkt sind. Es geht darum, im Spiel zu bleiben. Wir sind jetzt eine Spitzenmannschaft, wir haben Qualität, und wenn wir Chancen bekommen, können wir sie auch verwerten. Das hat man gesehen, denn innerhalb von zehn Minuten haben wir das Spiel auf den Kopf gestellt. Je mehr sie angefangen haben, auf den Ball zu gehen, desto mehr Platz hatten Spieler wie Barnes. Alisson ist momentan etwas angeschlagen, aber ich bin mir sicher, dass er zurückkommen wird. Ich bin einfach froh, dass wir seinen Fehler ausnutzen konnten. Wir sind nicht durch Zufall dort, wir werden weiter Ergebnisse einfahren. Wir waren nicht in Bestform, aber es geht um große Momente, also nehme ich die drei Punkte mit."
Jürgen Klopp (Trainer FC Liverpool): "Wir haben ein Tor kassiert, das schwer zu verkraften war. Es war ein Wendepunkt. Ich habe es jetzt gesehen, ein paar Mal. In dem Moment, als der VAR die Situation gestoppt hat, hat er den Ball nicht einmal berührt. Das ist also wirklich hart. Für mich sieht es nach einem klaren Abseits aus, und das ist der Moment, in dem es ja oder nein sein sollte. Das zweite Tor ist ein Missverständnis. Ich habe vorher gesagt, dass wir uns aneinander gewöhnen müssen, und wir haben uns aneinander gewöhnt, bis das Tor passiert ist, war es ein richtig gutes Fußballspiel. Sie waren uns einen Platz vor uns, vielleicht jetzt mehr, aber auf dem Platz war das nicht zu sehen, wir waren die klar dominierende Mannschaft. Wir haben Fußball gespielt, wir haben so ziemlich alles gemacht, haben ein richtig schönes Tor geschossen. Das Spiel war wirklich gut, aber dann kassierst du diese zwei Tore. Das dritte Tor war etwas, was mir nicht gefällt, weil wir zu offen waren und ich habe den Jungs gesagt, dass das nicht in Ordnung ist."

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Der Meister schlittert immer tiefer in die Krise. Drei Gegentore in sechs Minuten, dazu individuelle Fehler und fehlendes Spielglück. Liverpool muss um die Teilnahme an der Champions League zittern.

Das fiel auf: Alisson Becker ist aktuell kein Rückhalt für den Meister

Die handfeste Krise des FC Liverpool ist auch stark mit dem Namen Alisson Becker verbunden. Brasiliens Nationalkeeper half schon beim 1:4 in der Vorwoche gegen City tatkräftig mit. Gegen Leicester war der Schlussmann weitestgehend arbeitslos, ehe er beim 1:2 die Niederlage mit einleitete. Sein übermotiviertes Herauskommen gepaart mit der fehlenden Kommunikation mit Ozan Kabak – der Keeper trägt eine Mitschuld an der sechsten Saisonniederlage.

Die Statistik: 300

Jürgen Klopp saß gegen Leicester zum 300. Mal auf der Bank beim FC Liverpool. Der deutsche Trainer machte aus dem stolzen Traditionsverein eine Spitzenmannschaft im europäischen Fußball. Die Erfolge in den vergangenen fünf Jahren können sich sehen lassen, spannend wird sein, wie Klopp diese Krise meistern wird. Sein Jubiläum hatte sich der Meistermacher sicherlich anders vorgestellt.
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