Rafael Benítez holte den Vorschlaghammer raus.
"James präferiert Geld und ein komfortables Leben. Das ist ihm wichtiger als der Wettkampf und der Erfolg im Fußball", eröffnete der Coach des FC Everton seine Schimpftirade gegen Ex-Schützling James Rodríguez.
Der 30-Jährige hatte die Toffees Ende September nach nur einem Jahr verlassen und sich für eine Ablösesumme von acht Millionen Euro dem Al-Rayyan SC aus der sportlich nur wenig relevanten katarischen ersten Liga angeschlossen.
Premier League
James Rodríguez offenbar kurz vor Last-Minute-Transfer
07/09/2021 AM 08:01
"Er (James, Anm. d. Red.) hat sich im Training nie bemüht, aber immer Ansprüche auf einen Startelfplatz gestellt. Das war unfair gegenüber allen anderen Spielern, die im Training ihr Maximum gaben, dann aber dennoch auf der Bank saßen", kartete Benítez gegen den ehemaligen Bayern-Star nach.
Harte Worte, auch wenn sich der Wechsel aus rein sportlicher Hinsicht in eine Liga, zu dessen größten Stars James' ehemaliger Teamkollege in München Javi Martínez (33) und Santi Cazorla (36) zählen, tatsächlich nur schwer nachvollziehen lässt.

James unter Benítez nicht mehr gefragt

Obwohl James in der abgelaufenen Saison mit insgesamt 15 Scorerpunkten (sechs Tore, neun Vorlagen) in 26 Pflichtspielen durchaus auf sich aufmerksam machen konnte, spielte er zu Beginn der neuen Spielzeit unter Benítez kaum mehr eine Rolle.
"Dafür, dass er in der Saison zuvor nur wenig gespielt hatte, waren seine Leistungen durchaus in Ordnung. Die Erwartungshaltung bei seiner Ankunft war groß, aber insgesamt hat er sich gut geschlagen, ohne dabei sonderlich geglänzt zu haben", fasst Fußball-Experte Ibrahim Mustapha von Eurosport in London die Leistungen von James in der Premier League zusammen.
"Nach einem guten Start brach in der zweiten Saisonhälfte bei Everton alles zusammen. Vielleicht hatte Carlo Ancelotti schon ein Auge auf den Trainerposten bei Real Madrid geworfen, was sich wiederum negativ auf die Mannschaft ausgewirkt haben könnte. James war ohne Zweifel ein Opfer des Ancelotti-Abschieds, aber keineswegs das einzige", so der Experte weiter.
Anstatt bei einem europäischen nochmal eine neue Herausforderung zu suchen, entschied sich der Spielmacher im Anschluss für einen Wechsel in das fußballerische Ödland Katar - der vorläufige Tiefpunkt einer einst verheißungsvollen Karriere.

James Rodríguez

Fotocredit: Getty Images

James: Absturz bei Real nach Traumstart

Der Stern des kolumbianischen Nationalspielers in Diensten der AS Monaco ging bei der WM-Endrunde 2014 in Brasilien auf, als er sich zum Torschützenkönig (sechs Treffer) krönte. Es folgte der rekordverdächtige Transfer zu Real Madrid für eine Ablösesumme von 75 Millionen Euro, wo er zunächst voll einschlug.
"James hatte eine brillante erste Halbserie bei Real. Damals ersetzte er Ángel Di María in der ersten Elf und war eine echte Verstärkung in der Offensive um Cristiano Ronaldo, Gareth Bale, Karim Benzema und Isco. Obwohl es letztlich nicht für den Titel reichte, war das, was die Königlichen in der Spielzeit 2014/15 spielten, das Beste, was ich in den vergangenen Jahren gesehen habe", schwärmt Eurosport-Experte Adrián García aus Madrid noch heute.
Doch die Euphoriewelle sollte bereits nach einer Saison abflachen. "In der Folgesaison übernahm dann Benítez bei Real und James schaltete einfach ab. Auch unter Zinédine Zidane hat er nie gespielt. Ich glaube nicht, dass es an seinem Talent lag, sondern einfach an seiner mangelnden Einstellung. James' Privatleben hat sich in Madrid stark verändert: Scheidung, Nachtklubs und so weiter", führt García aus und betont:
"Was James angeht, stimme ich Rafael Benítez zu 100 Prozent zu. Er ist ein fauler Spieler und auch der Vorwurf, er sei geldgierig, ist für mich nach seinem Wechsel von der Premier League in eine wenig relevante Liga im Nahen Osten die logische Schlussfolgerung."

James Rodríguez (FC Bayern München)

Fotocredit: Getty Images

James scheitert auch bei Bayern

Nach insgesamt drei Spielzeiten bei den Königlichen (111 Partien, 76 Scorerpunkte) folgte im Sommer 2017 eine zweijährige Leihe zum FC Bayern (67 Spiele, 35 Scorerpunkte). Auch beim deutschen Rekordmeister hatte der Regisseur immer wieder mit Undiszipliniertheiten zu kämpfen, weshalb sich die Münchner und Trainer Nico Kovac nach Ablauf des Leihgeschäfts 2019 entschieden, die festgeschriebene Kaufoption von 42 Millionen Euro nicht zu ziehen.
"Kovac war ein Disziplinfanatiker, wohingegen James es mit der Disziplin nicht immer so genau genommen hatte. Unter Jupp Heynckes hatte er wohl seine beste Zeit bei Bayern (Saison 2017/18), weil Heynckes auf Spanisch mit ihm kommunizieren konnte und ihm Freiraum gewährte. Dass James ein herausragender Fußballer ist, steht außer Frage. Umso bedauerlicher ist es, dass er sich nicht dauerhaft bei einem Topklub durchsetzen konnte", bilanziert Fußball-Experte und langjähriger Bayern-Korrespondent Dennis Melzer von Eurosport in München.
Nach seiner wenig erfolgreichen Rückkehr nach Madrid (14 Partien, ein Tor) und einem einjährigen Engagement an der Merseyside, folgte nun der Schritt in die Qatars Stars League, wo er bei Al-Rayyan einen Vertrag bis 2025 unterzeichnete.
Nun liegt es also an James, ob er seine Karriere in der Hitze Katars locker ausklingen lassen will oder er sich noch einmal zurückkämpft - und Benítez möglicherweise doch noch Lügen strafen kann.
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