Am Mittwochabend ließ Barças Generalsekretär Ferran Reverter die Bombe platzen.
Obwohl es längst kein Geheimnis mehr ist, dass der große FC Barcelona seit geraumer Zeit in finanziellen Problemen steckt, schockierten die genauen Zahlen, die für das vergangene Geschäftsjahr präsentiert wurden, doch sehr.
Sage und schreibe 481 Millionen Euro Schulden habe der einstige Vorzeigeklub Europas alleine in der vergangenen Spielzeit 2020/21 gemacht - fast eine halbe Milliarde Euro.
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Fast eine halbe Milliarde Euro Verlust! Barça legt schockierende Zahlen vor
06/10/2021 AM 18:16
Um das Ganze in einen Kontext zu setzen: Die Katalanen verzeichneten für die Vorsaison als europäischer Spitzenreiter damit mehr Verluste als Platz zwei (Inter Mailand/246 Mio. Euro) und Rang drei (Juventus Turin/210 Mio. Euro) zusammen.
"Wäre der Verein eine Aktiengesellschaft gewesen, wäre er aufgelöst worden", stellte Reverter unverblümt fest. Im März habe sich der Klub "in einer Situation des technischen Bankrotts befunden", so der Generalsekretär weiter.
Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Barça: Ex-Präsident Bartomeu im Kreuzfeuer der Kritik

Für Reverter war der Schuldige schnell gefunden. Der 48-Jährige machte Ex-Präsident Josep Maria Bartomeu und dessen "katastrophales Management" für Barças verheerende Zahlen verantwortlich. "Als sie Spieler verpflichtet haben, hat keiner darüber nachgedacht, ob man sie bezahlen kann", attackierte er den Vorgänger von Joan Laporta und belegte seine Kritik anhand des Transfers von Antoine Griezmann (Atlético Madrid) im Sommer 2019 für die festgeschriebene Ablösesumme von 120 Millionen Euro: "In der Nacht, als Griezmann verpflichtet wurde, ist aufgefallen, dass es gar kein Geld gibt, um das zu bezahlen."
Anstatt von einem Transfer Abstand zu nehmen, hat man damals einfach einen Sofort-Kredit über 85 Millionen Euro aufgenommen. Ähnlich seien die Katalanen ein Jahr zuvor beim Rekord-Transfer von Philippe Coutinho (135 Mio. Euro) vorgegangen. Allerdings musste Barça für den Brasilianer ebenfalls einen Kredit aufnehmen, dessen Raten alleine zusätzliche Kosten von 16,6 Millionen Euro verursacht hätten.
"Es kam einem schon etwas seltsam vor, dass Barça Jahr für Jahr Unmengen an Geld für Transfers wie Coutinho, Griezmann und Dembélé ausgeben konnte. Nun wird deutlich, dass sich Bartomeu ganz einfach die Zahlen nicht angesehen hat und Barça mit seinem schlechten Management letztlich dahin geführt hat, wo sie heute stehen", erklärt Fußball-Experte Felix Martin von Eurosport in Madrid.
Es passt ins Gesamtbild, dass der 26-malige spanische Meister laut dem Sportportal "2playbook" anderen Klubs noch insgesamt rund 231 Millionen Euro an Ablösesummen schulden soll.

Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu (rechts) 2019 bei der Vorstellung von Neuzugang Antoine Griezmann

Fotocredit: Getty Images

Barça: Misswirtschaft wohin das Auge reicht

Aufgrund jener zahlreichen Neuverpflichtungen verwundert es kaum, dass Barças Gehaltskosten zwischen 2016 und 2020 um 61 Prozent gestiegen seien (von 471 Mio. Euro auf 759 Mio. Euro). Zuletzt erklärten sich die fünf Kapitäne um Gerard Pique bereit, freiwillig auf Teile ihres Salärs zu verzichten.
Diese und viele weitere Maßnahmen werden auch in den kommenden Jahren auf das einstige Aushängeschild in Europa zukommen, wie Eurosport-Experte Martin erläutert: "Sie müssen Investoren finden, versuchen, den Namen des Camp Nous zu verkaufen und weiter die Gehälter der Spieler reduzieren."
Zweifelsohne hat auch die gegenwärtige Corona-Pandemie ein großes Loch in der Kasse der Katalanen hinterlassen. Viel schlimmer ist jedoch die Misswirtschaft, die hinter den Kulissen über Jahre betrieben wurde und auch beim Blick auf die gezahlten Provisionen im vergangenen Geschäftsjahr deutlich wird.
"Es wurden zwischen 20 und 33 Prozent an Provisionen gezahlt, während der Durchschnittswert bei etwa fünf Prozent liegt", gab Reverter zur Kenntnis und ergänzte fast schon etwas ängstlich: "Ich weiß nicht, ob die schlimmsten Vergehen schon aufgedeckt wurden oder noch auf uns warten."

Philippe Coutinho (FC Barcelona) während des Champions-League-Spiels gegen den FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Barça redet bereits von Wintertransfers

Fast nur die Spitze des Eisbergs ist die Tatsache, dass Barça und Ex-Präsident Bartomeu über Jahre hinweg Journalisten bezahlt haben sollen, um sowohl die Machenschaften als auch die finanzielle Notlage des Klubs zu verschweigen.
Von Zurückhaltung oder gar Demut ist bei den Katalanen jedoch weiterhin nur wenig zu erkennen. Noch am Mittwochabend verkündete Reverter, dass die geplanten Vertragsverlängerungen mit den beiden Shootingstars Ansu Fati und Pedri sehr gut verlaufen würden.
Trotz allem sei außerdem genügend Geld für mögliche Wintertransfers in der Kasse. "Wenn nötig, können wir im Januar mehr als 20 Millionen Euro investieren", prophezeite der Geschäftsführer. Die Gehaltseinsparungen aufgrund der Abgänge von Griezmann (Atlético) und Klub-Ikone Lionel Messi (Paris Saint-Germain) sollen dies möglich machen.
Ob sich jene Prognose bewahrheitet, wird sich wohl erst bei der Verkündung der Geschäftszahlen für die aktuelle Spielzeit 2021/22 zeigen, wenn Reverter möglicherweise die nächste Bombe platzen lassen muss.
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