Romelu Lukaku ist das fehlende Puzzlestück beim FC Chelsea - auch Timo Werner profitiert vom Mittelstürmer

Romelu Lukaku hat seit seiner Rückkehr zu Chelsea voll eingeschlagen und macht das Team des amtierenden Champions-League-Siegers noch besser. Vor dem Spitzenspiel gegen Manchester City erklärt Eurosport.de im Taktik-Check, warum Lukaku so gut als Sturmspitze in Tuchels System passt und warum auch der eigentlich direkte Konkurrent Timo Werner von Lukaku profitieren kann.

Romelu Lukaku (mitte) und Timo Werner im Trikot des FC Chelsea

Fotocredit: Imago

Vier Spiele, 13 von 15 möglichen Punkten geholt, im Gleichschritt mit Manchester United an der Tabellenspitze: Chelsea hat seine Ambitionen mit einem starken Saisonstart eindrucksvoll unterstrichen.
Eine Hauptrolle nimmt Neuzugang Romelu Lukaku ein. Für den Belgier, der als internationaler Topstar zum an die Stamford Bridge zurückgekehrt ist, stehen schon drei Tore nach vier Einsätzen in der Premier League zu Buche.
Doch nicht nur seine Tore machen Lukaku so wichtig für Chelsea. In Chelseas 3-4-2-1-System ist Lukaku der einzige Offensivspieler, der seine Position klar hält und nicht flexibel auf dem ganzen Platz auftaucht – ein buchstäblicher Fixpunkt also.
Wenn Chelsea mit der breit aufgefächerten Dreierkette aufbaut, schieben die Flügelspieler sehr weit nach vorne und besetzen die Breite. Die beiden hängenden Spitzen hingegen räumen die Flügel komplett und zeigen sich entweder nah an den Sechsern oder aber im Raum zwischen gegnerischer Abwehr und Mittelfeld.

Romelu Lukaku: Der perfekte Wandspieler für den FC Chelsea

So hat Chelsea effektiv meistens vier zentrale Mittelfeldspieler in Ballbesitz und stellt den Gegner vor schwierige Entscheidungen: Bleiben sie in ihrer Ordnung, bekommen Jorginho und Co. Zeit am Ball und können ihre Überzahl in diesem Bereich ausspielen. Geht der Gegner hingegen aggressiv drauf und verfolgt Chelseas hängende Spitzen, öffnet sich oftmals der Raum vor der Abwehr. Die Folge: Passwege auf Lukaku werden frei.
Diese Anspiele kann der körperlich extrem starke Linksfuß wie kaum ein anderer Stürmer im Weltfußball behaupten. Meistens steht er leicht seitlich und hält den Gegner mit energischem, aber nicht strafbaren Armeinsatz von sich weg. Die Ballannahme erfolgt lehrbuchmäßig mit dem Fuß, der weiter vom Verteidiger entfernt ist – keine Chance also, so einen Ball direkt zu gewinnen.
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Romelu Lukaku jubelt im Trikot des FC Chelsea

Fotocredit: Getty Images

Schafft es der Gegenspieler an seinem Arm vorbei näher an Lukaku heran, dreht dieser sich mit dem Rücken zum gegnerischen Tor und macht den Ball fest. Ist der Gegenspieler zu gierig auf einen direkten Ballgewinn und versucht, um den Belgier herumzustochern, dreht der sich einfach an der anderen Seite herum und kann mit seinem Tempo kaum noch aufgehalten werden. Daher bleiben die meisten Innenverteidiger erst einmal dahinter, um nicht ausgespielt zu werden.
Mit diesen Aktionen verschafft Lukaku seinen Mitspielern viel Zeit, um wieder anspielbar zu werden. Nach abgelegten Bällen auf die Kreativspieler startet er sofort in die Spitze, um entweder per Pass in die Schnittstelle bzw. hinter die Abwehrkette geschickt zu werden oder aber um nach Fortsetzungen über die Flügel rechtzeitig im Strafraum zu sein.
Letzteres gelingt ihm sehr gut, so kam er beim 2:0-Sieg über Arsenal beispielsweise auf sieben Abschlüsse innerhalb des Strafraums – ein ungewöhnlich hoher Wert.

Timo Werner profitiert von der Verpflichtung von Romelu Lukaku

Auf den ersten Blick betrachtet will man meinen, die Neuverpflichtung eines Stürmers mit dem Format eines Romelu Lukaku ist nicht gerade eine gute Nachricht für Timo Werner. Der deutsche Nationalspieler steht immer wieder in der Kritik aufgrund vergebener Torchancen. Als typischer Neuner kann er mit Lukaku schlichtweg nicht mithalten, dafür fehlen ihm schon die körperlichen Voraussetzungen.
Und trotzdem ist Lukaku eine große Chance für Werner. Dieser kann nämlich nun auch auf anderen Positionen eingesetzt werden, im 3-4-2-1 kommen die beiden Positionen um Lukaku herum in Frage. Gerade von Lukakus beschriebenen Fähigkeiten als Wandspieler kann Werner profitieren:
Hält Lukaku vorne die Bälle, zieht er Abwehrspieler aus der Position. So werden Räume frei, die Werner mit seinem außergewöhnlichen Tempo und seinem sehr guten Timing bei Läufen in die Tiefe ausnutzen kann.
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Timo Werner vom FC Chelsea

Fotocredit: Getty Images

Thomas Tuchel sagte erst kürzlich, Werner und Lukaku seien durchaus auch gemeinsam in einer Startelf denkbar, da Werner schon viele gute Spiele um einen anderen Stürmer herum gemacht habe. Auch in anderen Systemen wie einem 3-5-2 oder 4-3-3 könnten die beiden gemeinsam auf dem Feld stehen und voneinander profitieren.

Eurosport-Check

Lukaku ist ein absoluter Toptransfer für Chelsea. Mit einem herausragenden Wandspieler wie ihm sind auch sehr tief stehende Gegner leichter zu knacken. Weil Lukaku jedoch auch große Stärken beim Belaufen der Tiefe hat und wenn er in vollem Tempo eigentlich nicht zu verteidigen ist, werden sich auch viele Gegner mit hohem Pressing sehr schwer gegen Chelsea tun.
Thomas Tuchel hat eine weitere echte Waffe für sein Team bekommen, mit dem er im Ligaalltag noch weniger Ausrutscher gegen vermeintlich kleinere Teams haben wird. Gelingt dies, ist in dieser Saison auch der Meistertitel drin. Der amtierende Titelträger aus Manchester muss sich am Wochenende etwas einfallen lassen, um Chelsea und das zuvor fehlende Puzzlestück Lukaku zu verteidigen.
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