FC Barcelona in der Saison 2021/22: Schieflage auf allen Ebenen

Eine Milliarde Euro Schulden und sportlich plötzlich weit weg von der internationalen Spitze - beim großen FC Barcelona ist zu Beginn der Post-Messi-Ära totale Ernüchterung eingekehrt. Trainer Ronald Koeman wird nur noch geduldet, seine Entlassung ist quasi beschlossen. Präsident Joan Laporta tut alles, um den Klub zu retten - und denkt offenbar an den Heilsbringer schlechthin.

Der große FC Barcelona hat 481 Millionen Euro Verlust gemacht im Jahr 20/21

Fotocredit: Getty Images

Giovanni Trapattoni benötigte 1998 dreieinhalb Minuten für seinen legendären "Flasche leer"-Wutausbruch als Trainer des FC Bayern München. Klaus Augenthaler machte es 2007 auf die eher prägnante Art. Nach 43 Sekunden war seine "Pressekonferenz" ("Meine Herren, die Fragen stelle ich und die Antworten gebe ich auch") vor dem letzten Saisonspiel des VfL Wolfsburg gegen Alemania Aachen auch schon wieder vorbei. Zwei Auftritte von Bundesliga-Trainern, die auch viele Jahre später nichts von ihrem bizarren Glanz von damals eingebüßt haben.
Vergangenen Dienstag durften die anwesenden Journalisten in Barcelona ähnlich gestaunt haben, als Barça-Coach Ronald Koeman knapp drei Minuten lang eine Erklärung vorlas, warum, weshalb, wieso der große FC Barcelona aus seiner Sicht so vor sich hindümpelt. Zusammengefasst machte Koeman die schwierige finanzielle Situation für die sportlichen Probleme verantwortlich und bat gleichzeitig um Geduld für den Neuaufbau der Mannschaft.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Koeman nicht mehr viele Gelegenheiten bekommen wird, um die Gründe für den besorgniserregenden Ist-Zustand der Mannschaft darzulegen. Seine Entlassung gilt als abgemacht, die Barça-Bosse warten lediglich noch auf die Zusage eines geeigneten Nachfolgers.
Xavi, Thierry Henry und Robert Martinez, der exklusiv bei Eurosport dazu Stellung bezog, gelten als aussichtsreiche Kandidaten, angeblich steht auch Joachim Löw auf der Liste.
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Bizarre PK: Koeman verliest XXL-Statement - keine Fragen erwünscht

Quelle: Perform

FC Barcelona: Es winkt Platz zwei hinter Real Madrid

Mit neun Punkten aus fünf Spielen steht Barça in der Liga nur mitteloprächtig da. Ein Spiel hat die "Azulgrana" nach dem 0:0 bei Cadiz noch in der Hinterhand, ein Sieg gegen den FC Sevilla würde die Koeman-Truppe zumindest vorbei an den Andalusier auf Tabellenplatz vier spülen. Im Grunde muss jeder Barça-Fan froh sein, dass seine Lieblinge überhaupt noch am Spielbetrieb teilnehmen dürfen angesichts der unfassbaren Brutto-Schulden von 1,35 Milliarde Euro. "In Deutschland wäre das ein Fall für den Insolvenzrichter", wetterte Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß zuletzt im "Bayerischen Rundfunk".
Der FC Barcelona hat sich im letzten Jahrzehnt sukzessive verhoben, um die Erfolgswelle mit vier Champipns-League-Titeln zwischen 2006 und 2015 sowie jeder Menge Meisterschaften und Pokalsiege weiterzureiten. Stets im Mittelpunkt: Lionel Messi. Der Superstar sollte bei Barça in Rente gehen und um ihn stets zufriedenzustellen, wurden horrende Gehälter (nicht nur für Messi) und mitunter abartige Ablösesummen bezahlt für Spieler, die dem Verein nicht weitergeholfen haben. Als Beispiel sei hier das 135-Millionen-Euro-Paket für Ousmane Dembélé genannt.
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"Kann mich nicht beschweren": Koeman reagiert auf Barça-Talfahrt

Quelle: Perform

Im Sommer konnte Barça dann nicht mehr die nötigen Euros zusammenkratzen, um Messi weiterzubezahlen. Nach dem peinlichen 2:8 gegen den FC Bayern im Champions-League-Viertelfinale 2020 wollte Messi die Brocken bereits hinwerfen, konnte aber noch einmal zum Weitermachen überredet werden.
Doch das, was im August 2020 in Lissabon begann, zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten 13 Monate. National mag Barça noch im Kreis der Großen mitkrabbeln, international ist die Mannschaft dagegen nicht mehr konkurrenzfähig. Zu deutlich war der Klassenunterschied beim 0:3 gegen die Bayern am ersten Spieltag der aktuellen Champions-League-Saison.

Barça: Pedri und Fati sind die Zukunft

Und die Reaktionen darauf klangen wie eine Bankrotterklärung. "Es ist, wie es ist. Wir sind derzeit nicht besser", konstatierte Verteidiger Pique. Ein peinliches 0:3 in einem Heimspiel der Königsklasse ist also Normalzustand für Barça. Ein Trauerspiel für diesen so stolzen Klub, wobei vor allem die Dynamik des Niedergangs überrascht. "Das große Barça verzwergt im Eiltempo", schrieb die Zeitung "El Mundo Deportivo" nach dem unansehnlichen 1:1 gegen den FC Granada. Alles wirkt trist und verzweifelt.
Dabei hat Barça immer noch ein paar herausragende Kicker in seinen Reihen, die Koemans Anspielen auf die Restruktuierung der Mannschaft gewinnbringend begleiten könnten. Spieler wie Pedri und Ansu Fati haben enormes Potential, um vielleicht irgendwann wieder ein Team anzuführen, das um die großen Titel spielen kann.
Der aktuelle Kader sollte in der Lage sein, zumindest national eine vernünftige Saison zu absolvieren und einen Champions-League-Platz zu sichern, der auch angesichts der extremen finanziellen Schieflage dringend notwendig wäre.

Laportas Traum: Pep Guardiola soll zu Barça zurückkehren

Für mehr reicht es derzeit nicht, für das Selbstverständnis des Klubs ein unerträglicher Zustand. Die Ansprüche sind andere und so lässt Präsident Joan Laporta nichts unversucht, um Barça wieder auf die Beine zu stellen. Wie die in Barcelona beheimatete Zeitung "El Nacional" am Donnerstag berichtet, bastelt Laporta an einem spektakulären Deal. In dem Bericht heißt es, dass Laporta "alles, was in seiner Macht steht" unternimmt, um Pep Guardiola von einer Rückkehr zu überzeugen.
Guardiola soll Barça aus dem Dornröschenschlaf holen und eine zweite erfolgreiche Ära bei den Katalanen einläuten. Guardiola hatte in der Vergangenheit des Öfteren erklärt, dass er mit dem FC Barcelona abgeschlossen habe. Dennoch sei Laporta gerade zu besessen von seiner Idee sein, wenngleich so gar kein Geld vorhanden ist, um den bestbezahlten Trainer der Welt mal eben aus seinem Vertrag (bis 2023) bei Manchester City herauszukaufen.
Laportas kühner Guardiola-Plan mag bei den Fans gut ankommen, mit dem Bau von Luftschlössern tut der Präsident aber niemandem im Barça-Umfeld einen Gefallen. Vielmehr sollte es das Ziel sein, Barça wieder einigermaßen in die Spur zu bringen - sportlich und wirtschaftlich. Dafür benötigt es in hohem Maße die von Koeman eingefordete Geduld. Aber eben mit einem neuem Trainer.
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Quelle: Perform

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