FC Chelsea: Trainer Graham Potter schwer angeknockt - wann ziehen Boehly und Co. die Reißleine?
Wie lange ist Graham Potter als Trainer des FC Chelsea noch zu halten? Am vergangenen Samstag verloren die Blues an der heimischen Stamford Bridge gegen den Tabellenletzten aus Southampton. Nur zwei seiner 14 Spiele als Blues-Trainer konnte der 47-Jährige gewinnen. Noch signalisiert Chelsea-Boss Todd Boehly aus Gründen uneingeschränkte Rückendeckung. Aber wie lange kann sich das noch leisten?
Graham Potter
Fotocredit: Getty Images
Ganz schön verdutzt schauten sich rund 40.000 Zuschauer an der Stamford Bridge am vergangenen Samstagabend an. Hier und da waren Pfiffe zu vernehmen, die jedoch von der schweigenden Ratlosigkeit "übertönt" wurde.
Zum vierten Mal in Serie konnte der FC Chelsea in der Liga nicht gewinnen. Schlimmer noch: Gegen den Tabellenletzten aus Southampton kassierten die Blues im 23. Spiel die achte Niederlage und taumeln in der Tabelle der Premier League weiter orientierungslos im Niemandsland herum.
Der Rückstand auf den ersten Champions-League-Platz vier beträgt schon zehn Punkte - oder muss man etwa sagen: Der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz beträgt nur elf Zähler?
Nein, mit dem Gang in die Championship wird der steinreiche Klub aus dem Londoner Süden nichts zu tun haben. Obige Formulierung soll lediglich verdeutlichen, wie Tief der Karren von Trainer Graham Potter derzeit im Dreck steckt.
Spoiler: sehr tief!
Potter in der Kritik: "Dafür sollte er entlassen werden"
Dass der Gegenwind bei großen Klubs wie dem FC Chelsea bei ausbleibendem Erfolg heftig sein kann, merkt Potter seit Beginn seiner Zeit bei den Blues am eigenen Leib. Nur zwei von 14 Spielen konnte Chelsea unter dem Tuchel-Nachfolger gewinnen - und das trotz Spielertransfers in Höhe von rund 600 Millionen Euro (ca. 340 Millionen Euro im Januar).
Die Kritik am 47-Jährigen wird mit jedem nicht gewonnenen Spiel lauter - und fragwürdige Ausflüchte machen ihm zusätzlich das Leben schwer.
Nach der peinlichen Pleite gegen Schlusslicht Southampton hatte Potter erklärt, ihm sei die Personalauswahl schwergefallen. Gemeint war, dass er dem anstrengenden Königsklassen-Spiel in der vergangenen Woche bei Borussia Dortmund (0:1) rotieren musste, um Körner bei seinen Stammkräften zu sparen. Die langjährigen Premiere-League-Spieler Gabriel Agbonlahor und Jamie O'Hara zerrissen ihn daraufhin beim Radiosender "talkSPORT" nach allen Regeln der Kunst.
"Für dieses Interview sollte er entlassen werden", schimpfte Aston-Villa-Legende Gabriel Agbonlahor, 351-facher Premier-League-Spieler. Und weiter: "Das ist Chelsea London! Hast du ihre Aufstellung gesehen? Wovon redet er? Du spielst gegen eine instabile Mannschaft, die keinen Trainer hat, die es nicht schafft, mehrmals in Folge zu gewinnen, und du beschwerst dich, dass du Mykhailo Mudryk von der Bank holen und João Felix aufstellen musst. Will er mich veräppeln?"
Potter rechtfertigt sich
In der Tat wirkt es befremdlich, wenn eine Mannschaft mit einem Kaderwert jenseits der Eine-Milliarden-Schallmauer aufgrund einer simplen Rotation derart strauchelt - das ist auch Potter bewusst. Kritik an seiner Arbeit lässt er deshalb zwar zu, geht aber inhaltlich nicht mit.
"Einige Leute werden denken, dass ich das Problem bin. Ich glaube nicht, dass sie Recht haben. Aber das bedeutet nicht, dass sie ihre Ansichten nicht artikulieren dürfen", verteidigte sich der Mann aus Solihull.
Vor gut einem Monat hatte er bereits darauf hingewiesen, dass es "der schwerste Job im Fußball" sei, Chelsea zu trainieren.
Eine schwer zu überprüfende Behauptung, die auch sicher nicht wortwörtlich zu verstehen ist. Fakt ist jedenfalls, dass der Job des Übungsleiters an der Stamford Bridge seit Jahren keiner ist, den ein und derselbe Trainer wirklich lange innehat.
Passt Potter zur Chelsea-"Philosophie"?
Seit der Übernahme des FC Chelsea durch den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch im Jahr 2003 wechselten die Blues 15 Mal den Cheftrainer. Insgesamt führten 14 verschiedene Coaches den Job eine oder mehrere Amtszeiten lang aus und blieben im Schnitt 436 Tage im Amt. Das mit Abstand längste Vertrauen sprach man José Mourinho während seiner ersten Phase im Klub zwischen Juli 2004 und September 2007 aus (1176 Tage).
Alle Chelsea-Trainer seit der Übernahme durch Roman Abramowitsch im Jahr 2003
| Trainer | Amtsantritt | Amtsende | Spiele | Amtszeit (Tage) |
| Claudio Ranieri | 18.09.2000 | 30.06.2004 | 199 | 1381 |
| José Mourinho | 01.07.2004 | 20.09.2007 | 184 | 1176 |
| Avram Grant | 20.09.2007 | 24.05.2008 | 54 | 247 |
| Luiz Felipe Scolari | 01.07.2008 | 09.02.2009 | 36 | 223 |
| Guus Hiddink | 11.02.2009 | 30.06.2009 | 22 | 139 |
| Carlo Ancelotti | 01.07.2009 | 22.05.2011 | 109 | 690 |
| André Villas Boas | 01.07.2011 | 04.03.2012 | 40 | 247 |
| Roberto Di Matteo | 04.03.2012 | 21.11.2012 | 42 | 261 |
| Rafael Benítez | 22.11.2012 | 30.06.2013 | 48 | 220 |
| José Mourinho | 01.07.2013 | 17.12.2015 | 136 | 899 |
| Guus Hiddink | 21.12.2015 | 30.06.2016 | 27 | 192 |
| Antonio Conte | 01.07.2016 | 13.07.2018 | 106 | 742 |
| Maurizio Sarri | 14.07.2018 | 30.06.2019 | 63 | 351 |
| Frank Lampard | 04.07.2019 | 25.01.2021 | 84 | 571 |
| Thomas Tuchel | 26.01.2021 | 07.09.2022 | 99 | 589 |
| Graham Potter | 08.09.2022 | heute | - | - |
Beim FC Chelsea war man in der Vergangenheit nicht gerade geduldig mit seinen Trainern. Die "Philosophie": Mit prall gefüllter Geldbörse werden reihenweise Weltstars an die Themse gelockt, aus denen der Trainer dann kurzfristigen Erfolg herausextrahieren soll.
Dass er diesen liefern kann, hat Potter in seiner Karriere bisher noch nicht nachgewiesen. Bei seinen bisherigen Klubs Östersund und Brighton & Hove Albion bekam er die Zeit, mit klugen Transfers über mehrere Transferperioden erfolgreiche Mannschaften zu formen, die weit über den Erwartungen ablieferten.
Die Frage ist nun: Wie geduldig ist der neue Besitzer Todd Boehly mit "seinem" ersten Coach?
Das Boehly-Dilemma
Einem Bericht von "90min.com" gebe es intern große Bedenken hinsichtlich Potter und seiner Fähigkeit, die Wende einzuleiten. Deshalb beschäftige man sich im Geheimen schon mit der Suche nach einem Nachfolger. Mauricio Pochettino soll schon kontaktiert worden sein, habe aber abgesagt.
Am Montag noch hatte der "Mirror" berichtet, dass Boehly weiterhin an Potter festhalten wolle, eine Entlassung nicht im Raum stehe. Vielmehr stehe der gesamte Vorstand hinter dem Trainer.
Fakt ist: Eine Entlassung Potters wäre auch eine herbe Niederlage für Boehly. Der US-Amerikaner hatte während einer Schwächephase zu Saisonbeginn völlig überraschend Thomas Tuchel vor die Tür gesetzt. Der Trainer, der Chelsea nach seiner Übernahme noch dank einer hervorragenden Aufholjagd in die Champions League rettete und ebenjene im selben Jahr (2021) auch noch gewann.
Fakt ist aber auch: Bleibt Potter weiter derart erfolglos, muss der Klub die Reißleine ziehen.
Trotz aller Konsequenzen.
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Quelle: Perform
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