Newcastle United mischt die Premier League auf: Zauberer Miguel Almirón und der Spott von Jack Grealish

Vor ziemlich genau einem Jahr war Newcastle United noch dem Untergang geweiht - mittlerweile kämpft der neureiche Klub mit den Granden der Premier League um die Champions League. Der bei seinem Amtsantritt noch verschmähte Coach Eddie Howe transformierte die Magpies in ein gefürchtetes Bollwerk. Auf dem Feld schreibt indes Miguel Almirón seine eigene Heldengeschichte - auch dank Jack Grealish.

Miguel Almirón ist das Sinnbild von Newcastles Höhenflug

Fotocredit: Getty Images

"Diese Stadt hat ihren Glauben wiedergefunden", ließen Fans auf einem Banner vergangene Woche gegen Aston Villa (4:0) im heimischen St. James Park verlauten. Pathetischer könnte die Traumreise von Newcastle United nicht zusammengefasst werden.
Beste Defensive der Liga, viertbeste Offensive und mittendrin im Kampf um die Europapokal-Plätze - ein Szenario, von dem Newcastle vor ziemlich genau zwölf Monaten nur träumen konnte.
Damals taumelten die Magpies dem Abgrund entgegen. Anfang November 2021 hielt der Verein bei mageren vier Punkten nach zehn Spielen und galt neben Norwich City als die Schießbude der Liga. Die Übernahme durch ein Konsortium um Saudi-Arabiens Staatsfonds sorgte für zusätzliche Unruhe.
In Coach Eddie Howe fand Newcastle schließlich einen unverhofften Heilsbringer, der den Traum von Europa in die Wirklichkeit umsetzen soll. Mit Miguel Almirón stieg zudem ein Spieler zum Helden auf, der vergangene Saison noch in Manchester verhöhnt wurde.

Howe lässt seine Kritiker verstummen

"Ich glaube, du könntest den besten Trainer der Welt da reinwerfen - nicht nur Eddie Howe - und es gäbe nicht den Hauch einer Chance, das Blatt zu wenden", lautete das Fazit des Sportradiosenders "talkSPORT" angesichts der Verpflichtung von Coach Howe.
"Eddie Howe's Teams können nicht verteidigen. Sie haben sich für den Falschen entschieden", erklärte Moderator Simon Jordan. "Ich hab mir gedacht: 'Wenn ich will, dass jemand die Fäulnis stoppt, dann hole ich nicht Eddie Howe!"
Ein Jahr später reiben sich die Kritiker verwundert die Augen. Howes Defensivereihe gleicht einem Bollwerk, kassierte in 13 Spielen lediglich zehn Treffer. Torhüter Nick Pope behielt dabei sechsmal sogar eine weiße Weste - Bestwert in der Premier League. Mit fünf Siegen in einem Monat stellte Newcastle zudem einen Vereinsrekord ein, 18 Liga-Siege in einem Jahr erreichte man zuletzt vor 20 Jahren.
"Physisch, technisch und taktisch bewegen wir uns auf einem sehr hohen Niveau", schwärmte Howe nach dem 2:1-Auswärtserfolg bei Tottenham Hotspur. "Wir wollen nicht, dass es eine einmalige Sache wird, und wir haben großen Respekt vor der Liga und den anderen Vereinen und ihrer Qualität - aber wir glauben, dass wir mit dieser Truppe etwas Besonderes erreichen können."
Fundament dieses Höhenflugs waren auch die cleveren Transfers, die Newcastle seit der Übernahme durch den neuen Eigentümer getätigt hat. Anstatt nur mit dem großen Scheckbuch zu wedeln und längst verbrauchte Altstars an Land zu ziehen, verstärkte man den Kader punktuell - und erntet nun die saftigen Früchte des Erfolgs.
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Bei den Fans wird Eddie Howe bereits verehrt

Fotocredit: Imago

Klopps Stichelei führt ins Nichts

"Für Newcastle gibt es keine Obergrenze. Herzlichen Glückwünsch, aber einige andere Vereine haben eine", stichelte Jürgen Klopp vor rund zwei Wochen gegen Newcastle und bezog sich auf die Finanzstärke des neureichen Klubs.
Fakt ist: Newcastle hat seit November 2021 über 260 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Fakt ist aber auch: Im Vergleich zur direkten Konkurrenz sind die Ausgaben des viermaligen englischen Meisters nahezu lächerlich.
Die Hintermannschaft der Magpies um Nick Pope, Kieran Tippier, Sven Botman, Fabian Schär und Dan Burn kosteten 17 Millionen Euro weniger als Manchester Uniteds Harry Maguire. Das Zentrum um Sean Longstaff, Joe Willock und Bruno Guimarães kosteten etwa gleich viel wie Casemiro. Die Offensivkünstler Miguel Almirón, Callum Wilson und Joelinton unterbieten die Ablösesumme von Antony um rund fünf Millionen Euro.
Natürlich darf man den Transfer von Ex-Dortmunder Alexander Isak (70 Millionen Euro) nicht unter den Tisch fallen lassen. Der Schwede spielte in der bisherigen Saison aufgrund einer Oberschenkelverletzung aber keine große Rolle.
Newcastle hat also eine große Brieftasche zur Verfügung, wirft mit dem Geld aber nicht blind um sich. Howe kauft Spieler für sein System ein und formt daraus eine Mannschaft. Klopps Sticheleien mögen zwar einen wahren Kern haben - führen aber ins Nichts.

"Miggy" Almirón - eine ungewöhnliche Heldengeschichte

Der Transfer der wohl brillierendsten Personalie der laufenden Saison liegt aber bereits über drei Jahre zurück. Almirón wuchs im Oktober über sich hinaus, erzielte sechs Tore in sechs Spielen. Der 28-Jährige gilt neben Howe als das Sinnbild des Newcastle-Wahnsinns. Auch aufgrund seiner besonderen Beziehung zu Jack Grealish von Manchester City.
Im Rahmen der Meisterschaftsfeier der Cityzens im vergangenen Mai erklärte Grealish die Gründe für den Titelgewinn - und spottete dabei über Almirón. "Erstens: Nimm Riyad Mahrez runter vom Platz. Er hat wie Almirón gespielt", äußerte er sich abfällig über den Paraguayer. Eine Aussage, die das Internet nicht vergessen hat und dem Engländer nun um die Ohren fliegt.
Während Grealish seit seinem Wechsel für 117 Millionen Euro im Sommer 2021 bei lediglich vier Liga-Toren für ManCity steht, hat Almirón diese "Marke" bereits nach 13 Spielen pulverisiert. "Ich glaube nicht, dass Miggy durch irgendetwas anderes motiviert ist, als sein Bestes für Newcastle und für die Fans zu geben, die ihn absolut lieben", sagte Howe auf die Frage nach Almiróns Leistungsschub seit Grealishs Ausrutscher.
Seine Faszination für Almirón sei enorm, der Einfluss des Paraguayers auf Newcastle nicht in Worte zu fassen. "Er ist in der Lage, magische Dinge zu tun. Er ist ein so ansteckender Charakter und seine Arbeit verkörpert gewissermaßen unser Spiel."
Grealish scheint also ein Monster wachgeküsst zu haben. Im Rückblick sollten die Newcastle-Fans dem englischen Nationalspieler vielleicht sogar dankbar sein und ihn darum bitten, sich über einen anderen Spieler der Magpies lustig zu machen.

Wird der Traum von Europa wahr?

Bei nur einer Niederlage im laufenden Wettbewerb, einem Lauf von acht Spielen und mit dem Almirón-Hype im Rücken darf der Blick bei Newcastle getrost Richtung internationales Geschäft gerichtet werden. Vor allem die fehlende Mehrfachbelastung dürfte dem Klub bei diesen Ambitionen in die Karten spielen.
Howe hält sich diesbezüglich aber noch bedeckt. "Wir müssen realistisch sein", ordnete er die Ziele des letztjährigen Abstiegskandidaten ein. "Europa ist vielleicht etwas zu viel." Abwehrspieler Trippier sieht es ähnlich wie sein Trainer und denkt von Spiel zu Spiel: "Es geht nur um den Sieg. Unsere Mentalität ist darauf ausgerichtet."
Pep Guardiola greift hingegen ein Regal höher und redet Newcastle bereits in den Kampf um die Champions League. "Sie sind ein Anwärter, ein Anwärter darauf, dabei zu sein", so der Katalane. "Man weiß, wie gut Eddie Howe ist. Mit den neuen Spielern und der Art, wie sie spielen - sie sind mutig. Es wird viele Mannschaften geben, die um die Champions League und um den Titel kämpfen."
Nach 13 Spieltagen ist es freilich noch zu früh, die Magpies in irgendwelche Sphären zu loben. Nichtsdestotrotz schreibt der Klub aus dem Nordosten Englands eine außergewöhnliche Geschichte. Und während Newcastle zuletzt beim 4:0-Sieg gegen Aston Villa auf dem Rasen nach den Sternen griff, stimmten die Fans auf den Rängen voller Inbrunst an: "We are Newcastle, and we're going to win the league..."
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Klopp nach Pleite knallhart: "Ich bin nicht so dumm ..."

Quelle: Perform

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