Manchester United wird Harry Maguire nicht los - der tiefe Fall eines englischen Helden

Harry Maguire stand sinnbildlich für die Wiederauferstehung des englischen Fußballs und wurde von den Fans frenetisch gefeiert. Manchester United machte ihn vor vier Jahren zum teuersten Verteidiger der Welt. Danach ging es nur noch bergab, Maguire wurde in den Sozialen Medien metaphorisch zum Clown geschminkt. Nun werden die Red Devils ihn nicht los - weil er auf ein "Schmerzensgeld" besteht.

Harry Maguire (Manchester United) war mit 87 Millionen Euro Ablöse der teuerste Abwehrspieler der Welt

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Anderer Klub, andere Stadt, neue Chance: Harry Maguire stand kurz vor einem Wechsel von Manchester United zu West Ham United. Eine Einigung zwischen Maguires Noch-Arbeitgeber und den Londonern war bereits erzielt, der Engländer sollte für 35 Millionen Euro transferiert werden.
Doch ManUnited und Maguire kamen offenbar nicht überein. Weil er bei West Ham mit Blick auf sein Gehalt finanzielle Einbußen hätte hinnehmen müssen, soll Maguire laut "The Guardian" auf eine Abfindung von rund acht Millionen Euro gepocht haben.
Das Ende vom Lied: Der englische Rekordmeister wollte nicht zahlen - und die Hammers nahmen aufgrund der enervierenden Verzögerung Abstand von einer Verpflichtung.
In Maguires Fall wäre es nach vier United-Jahren eine Art Schmerzensgeld gewesen. 87 Millionen Euro zahlte Manchester im Sommer 2019 für Maguires Dienste an Leicester City - und machte den Innenverteidiger damit zum teuersten Abwehrspieler der Fußball-Geschichte.

Maguires Hype-Zug startete in Russland

Sonderlich viel Unverständnis erntete United seinerzeit nicht, immerhin war der 1,94-m-Hüne einer der gefragtesten Defensivspezialisten überhaupt. Der Maguire-Hype-Train war bereits ein Jahr zuvor in Russland gestartet. Bei der WM überzeugte Maguire auf ganzer Linie.
Der damals 25 Jahre alte Abräumer absolvierte alle wichtigen Partien über die volle Distanz und hatte mit seinen Leistungen erheblichen Anteil am famosen Abschneiden der Three Lions, für die erst im Halbfinale (1:2 n.V. gegen Kroatien) Schluss war. Die Wiederauferstehung des Fußball-Mutterlandes war zwischenzeitlich eng mit dem Namen Maguire verknüpft, von den Fans wurde er frenetisch gefeiert.
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Harry Maguire war Englands Held bei der WM 2018

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Wann genau der Maguire-Zug entgleiste, ist schwer zu rekontruieren. Fest steht aber: Der einstige WM-Held verkam nach und nach zur Lachnummer, zum Internet-Meme, gar zum Mobbing-Opfer.
Der erste Dämpfer auf dem Weg nach oben kam nach einem Jahr im United-Dress: Im Sommer 2020 wurde Maguire auf der griechischen Insel Mykonos wegen einer mutmaßlich tätlichen Auseinandersetzung festgenommen und später zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten und zehn Tagen verurteilt.
Er selbst wähnte sich als Opfer, sagte die Polizei habe ihn körperlich traktiert. "Sie haben mich oft an den Beinen getroffen und gesagt, dass ich nie wieder Fußball spielen werde", sagte er bezüglich der polizeilichen Behandlung und führte aus: "Ich hatte Angst um mein Leben."
Maguire ließ das Urteil nicht auf sich sitzen und ging in Berufung. ManUnited schaltete sich später ein, verfasste ein Statement, in dem es hieß: "Laut dem griechischen Gerichtswesen annulliert das Einreichen einer Berufung das ursprüngliche Gerichtsurteil und hebt die Verurteilung auf."

Maguire wird zum Meme

Zu einer erneuten Verhandlung kam es seither nicht, dementsprechend ist Maguire offiziell nicht vorbestraft. Einen Kratzer im Lack gab es dennoch. Während Maguire bei United zwar solide, aber nie überragend spielte, konnte Englands Nationaltrainer Gareth Southgate stets auf ihn bauen. Bei der EM 2021, die England als Vize-Europameister abschloss, wurde Maguire ins Team des Turniers gewählt.
Im Anschluss an die EM ging es aber nur noch bergab - sowohl für Maguire als auch für United. Der Weltklub und langjährige Dominator beendete die Saison 2021/22 auf dem sechsten Rang und verpasste damit erstmals seit Maguires Wechsel die Qualifikation für die Champions League. Im Zentrum der Kritik stand meistens der Kapitän, dem die hohe Ablöse nach wie vor auf den Schultern lastete.
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Harry Maguire hatte immer wieder Probleme bei ManUnited

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In den Sozialen Medien machte alsbald ein Video, in dem Maguire tollpatschig agierte, die Runde. Untermalt wurde die Szene von einem durchdringenden "Harry-Maguire"-Schrei und dem Lied Gangsta's Paradise. Monatelang wurde danach jeder Maguire-Fehler geifernd aufgegriffen und in eine reißende TikTok- oder Instagram-Welle verwandelt.

Bombendrohung gegen Maguire

Das Cyber-Mobbing nahm immer groteskere Züge an; alles, was Maguire postete, löste einen Shitstorm aus. Im April 2022 verlagerte sich der Hass von der virtuellen in die reale Welt. Maguire erhielt eine Bombendrohung, die Polizei rückte an und untersuchte sein Haus. "Da ist eine Grenze erreicht", sagte Maguire. Er könne zwar mit Kritik umgehen und zu seinen Fehlern stehen. Aber: "Wir sind auch nur Menschen. Ich habe eine Familie."
Als Erik ten Hag vor rund einem Jahr als Trainer bei United übernahm, neigte sich Maguires Dasein als unumstrittener Stammspieler dem Ende. Lediglich achtmal stand der 57-malige Nationalspieler in der vergangenen Saison in der Startelf, nach der Spielzeit entzog ten Hag dem Rekordmann auch noch die Kapitänsbinde. "Er erläuterte mir seine Gründe und obwohl ich persönlich äußerst enttäuscht bin, werde ich weiterhin jedes Mal, wenn ich das Shirt trage, mein Bestes geben", schrieb Maguire auf Instagram.
Allzu oft sollte Maguire besagtes Shirt aber eigentlich eben nicht mehr tragen. Zwar gab ten Hag nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen Wolverhampton (Maguire saß 90 Minuten auf der Bank) den Diplomaten, letztlich ließ er aber durchblicken, dass er einen Abschied Maguires nicht zwingend bedauern würde.

Ten Hag: "Dann muss er gehen"

"Er muss um seinen Platz kämpfen. Er hat definitiv die Fähigkeit, ein Top-Verteidiger zu sein", sagte ten Hag, "aber muss sich beweisen. Wenn er nicht selbstbewusst genug ist, um den Kampf anzunehmen, dann muss er gehen. Dann muss er diese Entscheidung treffen."
Das war zumindest der Plan. Ein Plan, der augenscheinlich erstmal auf Eis liegt. Was dazu führen könnte, dass auch ein möglicher Transfer von Bayern-Star Benjamin Pavard ins Old Trafford zunächst warten muss. United muss nämlich erst einmal Geld einnehmen, um einen Wechsel des Franzosen finanziell stemmen zu können.
Ein hohes "Schmerzensgeld" für Maguire war eigentlich nicht vorgesehen.
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Quelle: Perform

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