Pep Guardiola verändert Stil von Manchester City: Notgedrungene Abkehr vom Dominanzfußball für mehr Stabilität
VonThomas Gaber
Publiziert 24/09/2025 um 19:09 GMT+2 Uhr
Pure Dominanz durch Ballbesitz - mit diesem taktischen Ansatz war Pep Guardiola auf all seinen Trainerstationen sehr erfolgreich. Ob beim FC Barcelona, dem FC Bayern oder in Manchester - seine Spieler verinnerlichten die Pep-DNA und holten Trophäen am Fließband. Doch Guardiola kann auch anders, wie die jüngsten Auftritte von ManCity zeigen. Defensiv orientierte "Skyblues" - Modell der Zukunft?
Guardiola: "Einmal den Bus parken ist okay, oder?"
Quelle: Perform
Das 1:1 zwischen dem FC Arsenal und Manchester City stellt eine Zäsur in der Trainerkarriere von Pep Guardiola dar. Seine Mannschaft kam auf lediglich 32,8 Prozent Ballbesitz - der niedrigste jemals ermittelte Wert, den ein Pep-Team in 601 Ligaspielen seit seinem Barça-Debüt im August 2008 erreichte.
In der Schlussphase standen sieben defensive Feldspieler bei City auf dem Platz und versuchten im 5-4-1 den 1:0-Vorsprung ins Ziel zu retten, was durch den späten Ausgleich von Gabriel Martinelli (90.+3) jedoch misslang.
Ein Guardiola-Team mit Fünfer-Abwehrkette und zwei Abräumern davor, die dem Gegner das Kommando überlässt? Neue Realität in der Premier League. Schon eine Woche zuvor hatte City im Derby gegen "ein überaus gruseliges Manchester United" ("Daily Mail") nur 43 Prozent Ballbesitzanteil. Während United über 500 Pässe spielte, blieb der City-Zähler bei 470 stehen.
Guardiola verteidigte seine Defensivtaktik gegen Arsenal mit einer Portion Sarkasmus. "Wenn wir tiefer verteidigen, dann deshalb, weil die andere Mannschaft besser ist oder wir scheiße spielen. In der Champions League gegen Neapel haben wir attackiert, drei Tage später viel verteidigt. Ich habe absolut alles verändert innerhalb von drei Tagen. Ich muss ein sehr guter Trainer sein. Und außerdem: Einmal in zehn Jahren den Bus parken ist ok, oder?", sagte er.
Gary Neville: "180-Grad-Wende bei Manchester City"
Wohl fühlt sich der Coach in seiner Haut dabei nicht. "Ich ziehe es vor, dass wir den Ball weit vorne zurückerobern, viel Ballbesitz haben, um die Struktur des Gegners zu stören und zu versuchen, ihn zu bestrafen. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Wenn das nicht funktioniert, dann deshalb, weil wir einfach schlecht gespielt haben."
Die Abkehr von Dominanz in dieser Saison ist aber nicht von der Hand zu weisen. In den letzten fünf Jahren gab es nur zehn Ligaspiele, in denen City weniger den Ball hatte als der Gegner. 2025/26 sind es deren drei, zuletzt zwei in Folge.
TV-Experte Gary Neville wertet dies als "komplette Umkehr" vom ursprünglichen Guardiola-Fußball. "Es ist eine 180-Grad-Wende", sagte die United-Legende in seinem Podcast.
Dabei kann Neville allerdings nichts Negatives feststellen: "Mir hat gefallen, dass er auf 5-4-1 umgestellt hat. Er hat beschlossen, das Spiel ohne Ball zu verwalten und am Ende mit nur einem Stürmer auf dem Platz auf Konter zu spielen. Das wirkte sehr souverän. Pep wurde oft dafür kritisiert, dass er keinen Plan B hat. Jetzt hat er einen. Das ist ein anderes Manchester City und mir gefällt es."
Gegen Arsenal habe es in der zweiten Halbzeit auch keine Alternative gegeben. "Arsenal ist besonders bei Standardsituationen gefährlich. City hat mit seinen großen Spielern jeden Freistoß und jeden langen Einwurf weggeköpft. Es sah so aus, als dachten Peps Spieler: 'Gebt uns noch mehr davon'", so Neville.
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Arsenal-Trainer Arteta: "Bin sehr enttäuscht über das Ergebnis"
Quelle: Perform
Mehr körperlich starke Spieler, weniger Techniker
Guardiolas Bereitschaft, seine Herangehensweise zu verändern und sich immer öfter auch dem Gegner anzupassen, ist nicht gänzlich überraschend. Die titellose Saison 2024/25, in der der City-Stil an seine Grenzen kam, haben ihn zum Umdenken veranlasst.
"Unsere Körpersprache ist viel besser. Wie wir Tore und Siege feiern, wie wir kommunizieren und wie wir uns für den anderen einsetzen. Das haben wir in der letzten Saison oft vernachlässigt. Deshalb habe ich den Spieler vor Beginn dieser Saison gesagt, dass mir das Ergebnis erstmal egal ist. Ich möchte den Teamgeist zurück, die Trainingseinheiten und den Spaß. Erst dann kommt die Taktik", sagte er bei "Sky Sports".
Er könne es nicht mitansehen, "wie meine Spieler defensiv leiden müssen. Aber gegen Arsenal war unsere Widerstandsfähigkeit fantastisch. Nur so können wir überleben."
Neville nennt im Zuge dessen die Kaderstruktur als Motor für den erweiterten Fokus auf die Defensive: "City hat Spieler wie Tijjani Reijnders geholt, die sehr körperbetont spielen. Die Neuen haben nicht die technischen Fähigkeiten eines Ilkay Gündogan oder Kevin De Bruyne, aber sie bringen eine körperliche Note ins City-Spiel, die vor allem im letzten Jahr nicht vorhanden war."
Die Zahlen unterstützen Guardiolas "neue" Philosophie indes (noch) nicht. Mit sieben Punkten aus fünf Spielen und bereits zwei Niederlagen liegt City nur auf Rang neun der Premier League.
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