Ryan Gravenberch beim FC Liverpool zu einem der besten Mittelfeldspieler gereift - darum ist Gravenberch so stark
VonNiklas Bien
Update 23/09/2025 um 00:06 GMT+2 Uhr
Das 2:1 gegen den FC Everton war keine spielerische Glanzstunde des FC Liverpool. Einer schaffte es aber einmal mehr, dem Trikot der Reds Hochglanz zu verleihen. Ryan Gravenberch bestätigte mit einem Tor und einer Vorlage das, was er in den vergangenen Wochen schon gezeigt hatte: Der Niederländer und Ex-Bayer gehört mittlerweile zur allerhöchsten Kategorie unter den zentralen Mittelfeldspielern.
Ryan Gravenberch traf gegen den FC Everton zur 1:0-Führung.
Fotocredit: Getty Images
Der FC Liverpool hat in der vergangenen Transferphase rekordverdächtig zugeschlagen. Trotz - oder gerade dank - der Meisterschaft in der vergangenen Saison, holte Liverpool Akteure im Wert von beinahe 500 Millionen Euro hinzu.
Die zentralen Säulen für den perfekten Premier-League-Start mit fünf Siegen aus fünf Spielen sind aber nicht etwa Alexander Isak (145 Millionen Euro) oder Florian Wirtz (125 Millionen Euro), sondern einer, der vor zwei Jahren für bescheidene 40 Millionen Euro den Weg vom FC Bayern München an die Anfield Road fand.
Ryan Gravenberch zieht im Mittelfeld von Trainer Arne Slot die Fäden, bekommt von seinem niederländischen Landsmann aber auch die Freiheiten, sich immer wieder nach vorne einzuschalten.
Diese Freiheiten nutzt er im Stile eines Weltklasse-Spielers. Sein Tor gegen Everton steht exemplarisch für das, was Gravenberch nicht erst - aber besonders - in dieser Spielzeit auf den Platz zaubert.
Das Komplett-Paket Gravenberch
Der 23-Jährige trug den Ball in die Hälfte des FC Everton, gab ihn seinem Mittelfeldkollegen Dominik Szoboszlai und orientierte sich direkt in Richtung Strafraum. Das Ganze machte Gravenberch so unaufgeregt, dass die blau-weiße Defensivreihe ihn erst dann als Gefahr erkannte, als es bereits zu spät war.
In der Zwischenzeit war der Ball nämlich zu Mohamed Salah gewandert, der Gravenberch auf halbrechter Position mit einem gefühlvollen Heber fand, den dieser mit einem noch gefühlvolleren Heber zum 1:0 ins Tor beförderte.
19 Minuten später legte der Niederländer das 2:0 für Hugo Ekitiké auf. Nach dem 2:1 gegen Everton wurde der 23-Jährige zum dritten Mal in Folge zum Spieler des Spiels gewählt. Wettbewerbsübergreifend steht Gravenberch bei zwei Toren und zwei Vorlagen - Zahlen, die den Stellenwert des zentralen Mittelfeldspielers unterstreichen und doch viel zu kurz greifen.
Der ehemalige Bayern-Profi ist zweikampfstark, hat eine sehr gute Passquote, taucht je nach Notwendigkeit überall auf dem Platz auf und bringt eine feine Technik mit. Dazu umgibt den niederländischen Nationalspieler eine gewisse Aura, eine Eleganz, die nur Mittelfeldspieler von Topformat mitbringen.
Unglückliche Zeit beim FC Bayern
Gut möglich, dass dieses Paket genau das ist, was der FC Bayern im damals 20-Jährigen gesehen hat, als er für Gravenberch 18,5 Millionen Euro an Ajax Amsterdam überwies.
In München kam der Niederländer aber nie wirklich an, stand in den knapp 14 Monaten beim deutschen Rekordmeister zwar 34 Mal auf dem Platz, aber nur sechs Mal in der Startelf.

Beim FC Bayern durfte Ryan Gravenberch meist nur von der Bank zuschauen.
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"Ich bin fast verrückt geworden. Ich hatte Glück, dass meine Eltern für mich nach München gezogen sind. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich ganz allein dort gewesen wäre. Es war mental wirklich hart", sagte Gravenberch im August über seine Zeit beim FC Bayern.
"Unter Nagelsmann habe ich drei Spiele hintereinander 90 Minuten lang zugesehen, wie meine Mannschaft gespielt hat. Da bin ich innerlich fast durchgedreht. Im Winter hatte ich dann endgültig genug davon", betonte der Niederländer. Trotz des Trainerwechsels zu Thomas Tuchel war es ein Abschied mit Ansage.
Gravenberch begeistert nicht nur van Dijk
Zur Wahrheit gehört indes auch, dass Gravenberch in Liverpool Anlaufzeit brauchte. Als klassischer Box-to-Box-Spieler, als Achter kam der Neuzugang unter Jürgen Klopp noch nicht richtig zur Geltung. Nur zwölf Mal stand er in seiner Debütsaison in England in der Startelf.
In seiner etwas defensiveren, gleichzeitig aber freieren Rolle, ist Gravenberch aktuell so stark wie nie. Warum? LFC-Kapitän Virgil van Dijk hatte nach dem Everton-Spiel eine Antwort parat: "Es ist eine Mischung aus allem. Selbstvertrauen gewinnen, sich als Spieler weiterentwickeln und verbessern, Spiele auf höchstem Niveau bestreiten und seine Rolle im Team ausfüllen".
Mittlerweile sei Gravenberch "unglaublich", sagt van Dijk und spricht damit nicht nur für viele Liverpool-Anhänger. Aus dem ehemaligen Bayern-Flop hat sich der aktuell wohl beste Mittelfeldspieler der Premier League entwickelt.
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Quelle: Perform
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