UEFA: Präsident Aleksander Ceferin kritisiert Saisonabbruch in Belgien

Die belgische Pro League hat mit ihrem Abbruch als weltweit erste Liga für Aufsehen gesorgt. Der souveräne Tabellenführer FC Brügge wurde zum Meister erklärt. Der Alleingang der Belgier kommt allerdings bei der UEFA nicht sonderlich gut an. Präsident Aleksander Ceferin kritisierte das Verhalten der Pro-League-Verantwortlichen heftig. Mit einem Brief will die UEFA nun weitere Abbrüche verhindern.

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Der Appell war unmissverständlich, die Wortwahl drastisch. Von "überragender Bedeutung" sei es trotz dieser "zerstörerischen Pandemie", dass die Entscheidungen auch weiterhin "auf dem Spielfeld" fallen. Ein plötzlicher Saisonabbruch wie in Belgien? Überhaupt keine Option und momentan total "verfrüht und ungerechtfertigt" - trotz steigender Corona-Fallzahlen.
Der am Donnerstag versandte Brandbrief an die europäischen Fußballverbände, an die Ligen sowie die Klubs, unterzeichnet von den Bossen der UEFA, der Klubvereinigung ECA und der kontinentalen Ligavereinigung, gibt klipp und klar die Richtung für die kommenden Wochen vor. Mit aller Macht sollen demnach weitere Ausreißer verhindert, die Spielbetriebe trotz der weltweiten Krise fortgeführt und - wann auch immer - beendet werden.
"Ein Abbruch sollte der allerletzte Ausweg sein", heißt es in dem Schreiben, das dem "SID" vorliegt und kurz nach der Abbruch-Ankündigung der belgischen Liga aufgesetzt wurde.

UEFA-Präsident Ceferin wütend

Der Vorstoß der Belgier brachte auch den UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin in Rage. "Das ist nicht der richtige Weg, Solidarität ist doch keine Einbahnstraße", sagte der Slowene im Interview mit dem "ZDF", das am Samstag im "Aktuellen Sportstudio" ausgestrahlt wird und fügt an:
Er bekräftigte zudem die im Brief angesprochene Drohung, wonach bei einem Abbruch die Teilnahme am Europapokal riskiert werde.
In Deutschland werden wohl auch deshalb längst Anstrengungen unternommen, um die Krise zu überwinden. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte zuletzt angekündigt, "unter Hochdruck" an einem Masterplan für eine zeitnahe Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu arbeiten.

Corona-Schnelltests wohl als Ausweg

Angesichts bundesweit neuer Infektionen könnten die Lösungen für (fast) alle Probleme aber eigentlich nur sogenannte Corona-Schnelltests sein. Dann, und nur dann, wären nämlich die Szenarien denkbar, über die seitens der "MDR"-Sendung "Sport im Osten" spekuliert wird: Tests alle drei Tage, ein Verzicht auf die etwaige Quarantäne der gesamten Mannschaft und die Vorschrift zu spielen, auch wenn dafür nur 13 Feldspieler und zwei Torhüter zur Verfügung stehen.
Die DFL dementierte derartige Gedankenspiele auf "SID"-Anfrage allerdings. "Die Taskforce hat ihre Arbeit aufgenommen, es liegen aber noch keine Ergebnisse vor", sagte ein Sprecher. Und:

Bundesliga unterstützt UEFA-Vorgaben

Ein Verhalten, das auch im Brief von UEFA und Co. erwähnt wird und auch vonseiten der Bundesligisten unterstützt wird. "Wir können natürlich nicht unsere eigenen Regeln machen, das ist klar. Wir richten uns nach den Beschlüssen der Politik", sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der "Funke-Mediengruppe".
Auch aus medizinischer Sicht erscheint das sinnvoll. Fortuna Düsseldorfs Mannschaftsarzt Ulf Blecker warnte in der "Rheinischen Post" vor einer "Aufweichung der Maßnahmen und Regeln, die die Politik richtigerweise aufgestellt hat". Diese wäre nämlich "nicht nur unsolidarisch mit der gesamten Gesellschaft, sie ist auch gefährlich", sagte der Mediziner, für den ein normales Mannschaftstraining vor dem 19. April daher unvorstellbar ist.
Bis zu mindestens diesem Tag gelten in Deutschland die strikten Kontaktbeschränkungen, bereits zwei Tage zuvor wird die DFL mit den Vereinsbossen der 36 Profiklubs ihre nächste virtuelle Mitgliederversammlung abhalten. Dass die Bundesliga dem Vorbild aus Belgien folgen wird, ist aber (noch) ausgeschlossen. "Wir glauben", sagte DFL-Boss Christian Seifert, "dass wir es hinbekommen, die Saison auf einigermaßen regulärem Weg bis zum 30. Juni zu Ende zu spielen". Damit wären auch die Entscheidungen auf dem Spielfeld garantiert.
(SID)
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